Baumriese trotzte dem Sturm

Mittelalterliche Gerichtseiche im Reinhardswald zerfällt allmählich

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Finstere Kulisse: Die uralte Gerichtseiche steht im Reinhardswald am Junkernkopf. Durch den Sturm vor über zwei Wochen wurden in ihrem Umkreis einige Fichten umgeweht.

Kreis Kassel. In finsterer Kulisse steht die gewaltige Gerichtseiche am Junkernkopf im Reinhardswald. Der mittelalterliche Baum überstand den Sturm Friederike, zerfällt aber allmählich. 

In finsterer Kulisse steht die gewaltige Gerichtseiche am Junkernkopf im Reinhardswald. Unser Leserbild von Thomas Nöh aus Neu- Eichenberg (Werra-Meißner-Kreis) zeigt den Baum umringt von umgestürzten und abgeknickten Fichten. Aber ist die Eiche selbst unversehrt geblieben? „Das kann man nicht genau sagen, da die Gerichtseiche einsam und versteckt steht“, meint Klemens Kahle, Bereichsleiter des Forstamtes Reinhardshagen.

Zu ihrem Schutz wurden Fichten im direkten Umfeld der Eiche entfernt – einige waren wohl dennoch zu nah. Aufgrund seines hohen Alters soll der Baum geschützt werden. „Etwa 500 Jahre müsste die Eiche hier schon stehen. Sie ist auf jeden Fall sehr alt.“ Und vom Zerfall betroffen: „Die besten Jahre hat sie hinter sich“, so Kahle.

Der Baum wurde vermutlich im Mittelalter gepflanzt. Aus dieser Zeit komme auch sein Name: „Gerichtseichen deuten auf alte Gerichtsstätten hin“, erklärt Kahle. „Im Reinhardswald gibt es viele solcher Bäume, sie sind 500 Jahre und älter“. Man finde sie vor allem im Urwald Sababurg, oft stünden sie zusammen mit jungen Fichten. „Diese Hutwälder wurden bis Mitte des 19. Jahrhunderts als Weiden für Schweine, Ziegen und anderes Vieh genutzt. Etwa 60 000 Tiere lebten im Wald.

Weil die Tiere jedoch mit Vorliebe junge Bäume fraßen und dem Wald schadeten, wurden die Flächen anderweitig genutzt: „Es wurden Fichten gepflanzt. Die gelten als anspruchslos, schnell wachsend und vielseitig verwendbar. Mitte des 19. Jahrhunderts herrschte Holznot, die neuen Bäume kamen gerade recht“, sagt Kahle.

Einige Fichten wurden nun von Sturm Friederike vor gut zwei Wochen umgeweht, während die Eiche in ihrer Mitte dort auch noch nach 500 Jahren steht.

Von Jule Kettelhoit

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