Doch insgesamt schrumpfen die Bestände von Singvögeln

Nabu-Vogelzählaktion zeigt: Bestände von Meisen haben sich erholt

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Zweithäufigste Art: Die Kohlmeise ist in 94 Prozent aller Gärten im Landkreis Kassel zu beobachten. Im vergangenen jahr war sie deutlich seltener. Bundesweit hat die Kohlmeise der Amsel inzwischen den Rang abgelaufen.

Kreis Kassel. Noch nie haben sich so viele bei der Aktion "Stunde der Wintervögel" beteiligt wie in diesem Jahr. Die Zählung zeigt: Insgesamt schrumpfen die Bestände von Singvögeln.

Im Januar hatte der Nabu zum achten Mal zu der Zählaktion „Stunde der Wintervögel“ aufgerufen. Neben den typischen Standvögeln, die im Winter die heimische Region nicht verlassen, sollten auch die Wintergäste, die aus dem noch kälteren Norden und Osten nach Mitteleuropa ziehen, eine Stunde lang beobachtet und gezählt werden. Tatsächlich hatten bundesweit über 123 000 Naturfreunde rund 3,2 Mio. Vögel in 83 000 Gärten gemeldet. Die meisten Meldungen gingen via Internet ein, noch immer ist der Nabu dabei, die postalisch eingegangenen Zählungen auszuwerten.

Doch zeichnet sich jetzt schon ab: Es fliegen wieder deutlich mehr Meisen und Finken durch die Gärten als noch im Jahr 2017. „Der vergangene Winter mit sehr geringen Vogelzahlen war offenbar eine Ausnahme“, sagt dazu der Nabu-Landesvorsitzende Gerhard Eppler. So sind 2018 wieder ähnliche, wenn auch etwas niedrigere Zahlen im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt erreicht worden.

Meistgezählter Vogel im Winter 2018: Der Haussperling (Passer domesticus) wurde bundesweit rund 500.000 Mal gezählt.

Gewinner im Winter 2018 ist eindeutig der Haussperling. Bundesweit wurde er 506 589 Mal gezählt, im Schnitt kommen 5,53 Vögel pro Garten vor, in 55 Prozent aller Gärten wurde der Haussperling gesichtet. Gleich dahinter folgt die Kohlmeise mit insgesamt 470 068 Zählungen und 5,13 Vögeln pro Garten. Sie hat im Vergleich zum Vorjahr um 38 Prozent zugelegt. Sie ist sogar in fast 92 Prozent aller Gärten beobachtet worden, womit sie die Amsel als bisherigen Spitzenreiter verdrängt hat.

Im Landkreis Kassel zeigt sich ein ähnliches Bild: Auch hier ist der Haussperling mit 1887 gezählten Tieren die häufigste Art. Er war mit 7,29 Vögeln pro Garten in 65 Prozent aller Gärten zu sehen. Die Kohlmeise folgt mit 1487 Sichtungen mit durchschnittlich 5,74 Tieren pro Garten. Die Kohlmeise kommt fast überall vor. Sie wurde in über 94 Prozent aller Gärten gesehen.

Dennoch: „Mit Blick auf die vergangenen Jahre wird im Schnitt alles immer weniger“, sagt Manfred Henkel vom Nabu Kaufungen-Lohfelden. Besonders heftig sei der Einbruch der Meisenpopulationen im vergangenen Jahr gewesen. „Der Grund ist Nahrungsmangel, es fehlt an Insekten“, sagt Henkel. So kämen die Altvögel im Laufe eines Jahres noch durch. Doch fehle dann das Futter für die Jungtiere. „Die Küken verhungern, noch bevor der Winter angefangen hat“, sagt Henkel. Gleiches gelte für den Star – „den Vogel des Jahres 2018“, sagt Henkel, aber auch für den Zaunkönig, das Rotkehlchen, den Gartenbaumläufer und viele andere insektenfressende Vogelarten (siehe Hintergrund).

Insofern seien Vogelzählungen wie jetzt die „Stunde der Wintervögel“ zwar nicht wissenschaftlich. „Aber sie lassen wichtige Trends erkennen und geben Hinweise, wenn etwas mit unserer Natur nicht stimmt“, sagt Henkel und lädt gleichzeitig zur nächsten Nabu-Vogelzählaktion ein – zur „Stunde der Gartenvögel“. Sie findet voraussichtlich vom 10. bis zum 13. Mai an Christi Himmelfahrt statt.

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