865 Menschen unterzeichneten Petition

Nach Asyl-Krimi: Albanische Familie darf in Vellmar bleiben

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Bei der Arbeit: Noch heute hat Anila Tabaku Angst vor einem möglichen Racheakt. Deshalb möchte sie nicht, dass sie oder ihre Kinder erkannt werden. Unser Bild zeigt sie gemeinsam mit ihrem Arbeit geber Jan Klenner.

Kreis Kassel. Das wohl schönste Neujahrsgeschenk hat Familie Tabaku aus Vellmar erhalten: Mutter Anila und ihre beiden Kinder dürfen in Deutschland bleiben.

Der Petitionsausschuss des Hessischen Landtags hat entschieden, dass die Familie nicht abgeschoben wird. Der Unterstützerkreis Rosengarten aus Vellmar hatte im vergangenen Jahr die Petition eingereicht, die von 865 Menschen unterzeichnet wurde. Die Familie sollte in die Heimat zurückkehren, weil Albanien als sicheres Herkunftsland gilt. 

„Unserer Eingabe vom 9. Februar wurde Rechnung getragen, indem das rund ein halbes später in Kraft getretene Integrationsgesetz rückwirkend auf Familie Tabaku angewandt wird“, sagt Oliver Ulloth vom Unterstützerkreis. Mit der Petition sei der notwendige Zeitraum überbrückt worden. Die Familie wird also auch weiterhin in Deutschland geduldet. Das Gesetz des Bundesministeriums für Soziales und Arbeit unterstützt Arbeitgeber, die engagierte Flüchtlinge in Arbeit bringen wollen und gewährt ihnen mehr Rechtssicherheit (siehe Stichwort).

„Diese Nachricht war so wichtig, jetzt kann ich endlich ohne Angst lernen und arbeiten“, sagt Anila Tabaku, die seit dem 1. November eine Ausbildung als Fachkraft im Gastgewerbe in der Cafeteria im Fidt absolviert. Und auch ihr Arbeitgeber Jan Klenner ist erleichtert, dass er seine Auszubildende weiter beschäftigen kann: „Die Entscheidung des Petitionsausschusses ist der Beweis, dass Fleiß und Einsatz doch belohnt werden.“ Klenner möchte sie auch nach der Ausbildung weiter in seinem Betrieb beschäftigen. Beeindruckt ist er zudem von dem großen Engagement des Unterstützerkreises: „Es ist Oliver Ulloths Verdienst, dass Anila diese Chance bekommen hat. Er hat gekämpft wie ein Löwe.“

Anila, die zunächst im Schutzhof Calden lebte, fuhr auf eigene Kosten regelmäßig nach Vellmar, um Deutschkurse zu belegen, erinnert sich Ulloth an ihre ersten Begegnungen. Mittlerweile beherrscht sie die Sprache schon sehr gut. Die Familie lebt inzwischen in einer Wohnung in Vellmar. Die Kinder Elton (12 Jahre) und Ajsi (6 Jahre) sind fleißige Schüler. „Sie sprechen beide sehr gut deutsch und korrigieren mich“, erzählt die 32-Jährige mit einem Lächeln.

Langer Leidensweg

Der Leidensweg der Familie hatte im September 2011 begonnen. Anilas Mann kam seinerzeit bei einer Polizeiaktion in Albanien ums Leben. Außer ihm starb auch ein Polizist. Die genauen Umstände sind bis heute nicht geklärt. Die albanischen Medien verbreiteten landesweit, Anilas Mann habe den Polizisten ermordet. Seither galt die 32-Jährige in ihrer Heimat als Frau eines Kriminellen. Sie wurde nach eigenen Angaben ausgegrenzt, ihr und ihren Kindern wurde das Leben schwer gemacht. Behörden untersagten ihre Unterstützung. Die Familie blieb dennoch in ihrer Heimat. Doch nachdem ihr Sohn auf offener Straße von Fremden nach seinem Vater gefragt wurde, fürchtete sie um die Sicherheit ihrer Kinder und verließ den Balkanstaat.

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