"Ganze Jahresernte umgeworfen"

Nach Friederike: In den Wäldern rund um Kassel wird jetzt aufgeräumt

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Vor allem Fichten blies Sturm Friederike um – wie hier im Kaufunger Wald. Die Forstämter raten dringend davon ab, solche Windwurfflächen zu betreten. Das Bild entstand vergangenen Montagmorgen östlich der Königsalm bei Oberkaufungen.

Kreis Kassel. Gut eine Woche nach dem Orkan Friederike sind die Sturmschäden in den Wäldern im Altkreis Kassel einigermaßen abschätzbar.

So geht das Forstamt Hessisch Lichtenau (Reviere Kaufungen und Helsa) von etwa 100.000 Festmetern, das Forstrevier Melsungen (Reviere Wellerode, Fahrenbach und Eiterhagen) von etwa 90.000 Festmetern Wurfholz aus. Beide Mengen entsprechen in etwa der einer Jahres-Holzernte. Der Orkan Kyrill vor elf Jahren hatte die drei- bis fünffache Menge geworfen.

„Natürlich sind diese Angaben noch ungenau“, sagt Jan Stetter, Leiter des Fortsrevieres Melsungen. Im Groben seien gerade mal alle Fortswege freigeräumt worden. „Wir waren noch längst nicht überall“, sagt Stetter. Auffällig aber sei, dass Friederike am Sturmtag neben vielen kleineren Baumnestern erstaunlich viele Einzelbäume umgeworfen hat – „meist Fichten, die mit ihren flachen Wurzeln in völlig aufgeweichtem Boden keinen Halt mehr hatten“, sagt Stetter. Der Vorteil dabei: „Die Bäume sind nicht abgebrochen, sondern tatsächlich nur umgelegt worden“. Das bedeute, dass mit einer relativ guten und verwertbaren Holzqualität ohne tiefe Faserrisse zu rechnen sei.

Preisverfall des Holzes

Bis das ganze Holz aus den Wäldern geholt ist, werden noch Monate vergehen. Weil viele Einzelbäume gefallen seien, „werden sich die Aufräumarbeiten umständlicher gestalten“, sagt auch Matthias Dumm, Leiter des Forstrevieres Hessisch Lichtenau. Deutlich leichter abzuräumen seien dagegen umgefallene Baumgruppen. „Wir organisieren gerade erforderliche Maschinen – vor allem Bagger, Harvester (Baumerntemaschinen) und Transporter“, sagt Stetter. Problem sei aber, „dass jetzt viele diese Maschinen haben wollen“.

Großes Aufräumen nach dem Sturm: Im ganzen Landkreis gilt es nun – wie hier am Heuberg bei Hofgeismar – umgestürzte Bäume zu beseitigen.

Noch sei nicht klar, ob abgefahrenes Holz – wie schon bei Kyrill – gelagert werden müsse, um einem Preisverfall entgegenzuwirken. „Das kommt ganz darauf an, was überregional in den benachbarten Bundesländern noch so passiert ist“, sagt Dumm. Werde auf einen Schlag zuviel Holz angeboten, müsse ein Teil vom Markt genommen werden. „Noch zeichnet sich das nicht ab“, sagt Dumm. Der Bedarf an Holz sei aktuell hoch.

Indessen ist es für Stetter zunächst besonders wichtig, in den Wäldern für Verkehrssicherheit zu sorgen. „Es gibt die waldtypischen Gefahren, die natürlich nach solch einem Sturm besonders groß sind“. Noch hingen ganze Baumkronen lose im Astwerk, die jederzeit herabfallen könnten. Auch stünden sehr viele labile Bäume im Wald, die umkippen könnten. „Unsere Mitarbeiter arbeiten unter hohem Unfallrisiko“, sagt Stetter. Umgestürzte Bäume stünden oft unter Spannung, was das Abräumen zu einer gefährlichen Arbeit mache. „Ich bin einfach nur froh, wenn in den kommenden Wochen keine Unfälle passieren“.

Die Forstämter warnen ausdrücklich davor, auch noch eine Woche nach dem Sturm den Wald zu betreten. Vor allem noch nicht freigeräumte Forstwege sollten gemieden werden. Schon gar nicht sollten Waldbesucher in die Bestände hineingehen. „Überall könnten noch Äste herabfallen oder instabile Bäume spontan umstürzen“, sagt Jan Stetter, Leiter des Fortsrevieres Melsungen. „Wir können nur an die Vernunft der Menschen appellieren, sich nicht in Gefahr zu bringen“.

Das waren die Auswirkungen von Friederike in Stadt und Kreis:

Sturm in Stadt und Kreis Kassel: Räder umgeweht, Bäume auf Dennhäuser Straße umgestürzt

Sturmtief Friederike wütet in der Region:Umgestürtze Bäume auf der Dennhäuser Straße zwischen Dennhausen und KasselFoto: Andreas Fischer
 © Andreas Fischer
Sturmtief Friederike wütet in der Region:Umgestürtze Bäume auf der Dennhäuser Straße zwischen Dennhausen und KasselFoto: Andreas Fischer
 © Andreas Fischer
Sturmtief Friederike wütet in der Region:Umgestürtze Bäume auf der Dennhäuser Straße zwischen Dennhausen und KasselFoto: Andreas Fischer
 © Andreas Fischer
Sturmtief Friederike wütet in der Region:Umgestürtze Bäume auf der Dennhäuser Straße zwischen Dennhausen und KasselFoto: Andreas Fischer
 © Andreas Fischer
Sturmtief Friederike wütet in der Region:Umgestürtze Bäume auf der Dennhäuser Straße zwischen Dennhausen und KasselFoto: Andreas Fischer
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Sturmtief Friederike wütet in der Region:Umgekippte Fahrräder an der NextBike Fahradverleihstation am Auestadion Foto: Andreas Fischer
 © Andreas Fischer
Sturmtief Friederike wütet in der Region:Umgekippte Fahrräder an der NextBike Fahradverleihstation am Auestadion Foto: Andreas Fischer
 © Andreas Fischer
Sturmtief Friederike in Lohfelden: an der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter beseitigten die Reste. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: An der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter beseitigten die Reste. © Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: Die Tore auf dem Sportplatz der Regenbogenschule in Lohfelden wurden vom Sturm umgeweht. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: Die Tore auf dem Sportplatz der Regenbogenschule in Lohfelden wurden vom Sturm umgeweht. © Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: an der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter Ralf Bernhardt und acht Kollegen beseitigten die Reste. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: An der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter Ralf Bernhardt und acht Kollegen beseitigten die Reste. © Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: Die Tore auf dem Sportplatz der Regenbogenschule in Lohfelden wurden vom Sturm umgeweht. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: Die Tore auf dem Sportplatz der Regenbogenschule in Lohfelden wurden vom Sturm umgeweht. © Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: an der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter beseitigten die Reste. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: An der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter beseitigten die Reste. © Peukert
Orkan Friederike: Sturmschäden im Kreis Kassel
 © Hessennews.tv
Orkan Friederike: Sturmschäden im Kreis Kassel
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Sturmtief Friederike in Lohfelden: an der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter beseitigten die Reste. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
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Sturmtief Friederike in Lohfelden: Die Tore auf dem Sportplatz der Regenbogenschule in Lohfelden wurden vom Sturm umgeweht. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
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Sturmtief Friederike in Lohfelden: Die Tore auf dem Sportplatz der Regenbogenschule in Lohfelden wurden vom Sturm umgeweht. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
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Sturmtief Friederike in Lohfelden: an der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter Ralf Bernhardt und acht Kollegen beseitigten die Reste. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
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Sturmtief Friederike in Lohfelden: an der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter beseitigten die Reste. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
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