FDP Kassel-Land gespalten

Nach Rücktritt von Sänger: „Das war eine feindliche Übernahme“

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Björn Sänger

Die FDP Kassel-Land ist gespalten. Das belegen die Vorstandswahlen, bei denen Björn Sänger nach einer Pattsituation mit Ulf Fleischhacker nur per Losverfahren erneut Kreisvorsitzender wurde.

Noch am selben Abend trat der 43-Jährige zurück. Nun äußert sich Sänger im Interview mit der HNA zu diesem Entschluss.

Herr Sänger, was war denn da los bei der Mitgliederversammlung?

Björn Sänger: „Die Wahl des Kreisvorstands mit acht neugewählten Mitgliedern hat die Verbindung zwischen den Ortsverbänden und der Kreistagsfraktion zum Kreisvorstand gekappt. Wir sind jetzt eine Partei ohne parlamentarischen Arm.“

Können Sie das erklären?

Sänger: „Die neuen Vorstandsmitglieder sind erst seit wenigen Wochen Parteimitglieder. Bereits nach der Bundestagswahl hatten wir einen erheblichen Schub, der ebbte aber wieder ab. Vor etwa acht Wochen hatten wir erneut einen deutlichen Zuwachs. Darunter einige junge Leute aus Kassel, die sich bei uns engagieren wollen. Ich habe mich gefreut, dass sie sich einbringen möchten.“

Wie kommt es, dass junge Menschen aus Kassel Mitglieder bei der Kreis-FDP werden können?

Sänger: „Grundsätzlich muss man in einem Ort im Landkreis gemeldet sein, um bei uns Mitglied zu werden. Wenn trotzdem der Wunsch besteht, muss der Kreisvorstand das bestätigen. Dann können sie als Mitglieder aufgenommen werden und ihrem bevorzugten Ortsverband zugeordnet werden.“

War das auch bei Ulf Fleischhacker der Fall?

Sänger: "Ja, Ulf Fleischhacker ist meines Wissen nach seit etwa Frühsommer 2017 FDP-Mitglied in Kassel, und ist dann vor circa drei oder vier Wochen zu uns umgemeldet worden, da er in Lohfelden wohnt, und seit dem Mitglied im Ortsverband Söhre-Kaufunger Wald.“

Seit wann wussten Sie, dass Ulf Fleischhacker ihr Gegenkandidat wird?

Sänger: „Das habe ich erst unmittelbar vor der Wahl erfahren, als Oliver und Christian Handke Ulf Fleischhacker als meinen Gegenkandidaten vorschlugen.“

Aber Oliver Handke ist doch ihr langjähriger Stellvertreter im Kreisvorstand. Hat er vorher nichts durchblicken lassen?

Sänger: „Nein, ich wusste nichts. Oliver Handke hatte zuvor während des Rechenschaftsberichts destruktive Kritik, auch an meiner Person geäußert, die ich aber entkräften konnte.

Es waren 44 von 138 Mitgliedern da. Fast die Hälfte der Anwesenden waren Personen, die seit kurzer Zeit, teilweise erst seit zwei Wochen, in der FDP sind. Ich frage mich wo die Kritikpunkte am alten Vorstand sind? Die Wahl war eine feindliche Übernahme und hat die Partei entzweit. Im Kreisvorstand sitzt mit Heike Giede-Jeppe, die meine Stellvertrerin im Kreistag ist, jetzt nur noch ein Mitglied mit einem politischen Amt.“

Wie sind die Reaktionen der anderen altgedienten FDP-Mitglieder?

Sänger:„Viele sind bestürzt und können kaum glauben was da passiert ist. Viele waren an dem Abend verhindert, sonst wäre das Wahlergebnis mit Sicherheit anders ausgefallen.“

Die Stelle des Kreisvorsitzenden ist vakant. Wie geht es nun weiter? Wann kann mit einer Neuwahl gerechnet werden? Und wer könnte kandidieren?

Sänger: Wann es neue Wahlen gibt weiss ich nicht. Kandidieren kann im Prinzip jeder. Sofern der- oder diejenige schon jetzt ein Amt im Kreisvorstand hat, müsste es eine weitere Mitgliederversammlung geben, um diese dann vakante Position nachzuwählen. Das ist in der gleichen Sitzung nicht möglich.

Und was ist mit Ihnen?

Sänger:Ich schließe eine Kandidatur nicht aus. Denn das was da gewählt wurde, hat keinen Bestand. Zudem ergibt die Analyse der Situation, dass es unter den Mitgliedern, die meine Arbeit beurteilen können, keinerlei Vorbehalte oder Misstrauen, sondern im Gegenteil breite Unterstützung gibt. “ 

Das sagt der Kreisvorstand

Großes Misstrauen machte sich breit

 „Der nach einer Kampfkandidatur im Amt bestätigte Kreisvorsitzende Björn Sänger legte zum Ende der Versammlung sein Amt nieder, da er sich mit dem neu gewählten Vorstand und den Personen dort keine Zusammenarbeit mehr vorstellen kann“, teilte Christian Handke, Kreisschatzmeister der FDP am späten Montagabend mit. In der gut besuchten Mitgliederversammlung, die das gestiegene Interesse an der Partei nach der Bundestagswahl widerspiegelte, sei deutlich geworden, dass sich ein Misstrauen gegen den alten Vorstand breit machte. Die Aufbruchstimmung sei auch in den weiteren Wahlgängen zu den verschiedenen Posten im Vorstand deutlich geworden.“

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