Rückrufaktion nach Abgasskandal

Nach Umrüstung: Weitere VW-Fahrer berichten von teuren Reparaturen

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Hatte erhebliche Probleme mit seinem VW Golf Variant: Der Kasseler Gerhard Oehler. Kurz nach der Umrüstaktion blieb er mit dem Fahrzeug bei einer Fahrt nach Süddeutschland liegen.   

Kassel. Weitere Fahrer von VW-Diesel-Modellen berichten von teuren Reparaturen nach dem Aufspielen der neuen Software. 

Der Kasseler Gerhard Oehler ist kurz nach der Umrüstung seines VW Golf Variant 1,6 TDI auf eine neue Abgassoftware mit dem Fahrzeug auf der Autobahn liegen geblieben. Das Auto wurde bei Alsfeld in eine VW-Werkstatt abgeschleppt. Die HNA berichtete darüber. Das Problem des 56-Jährigen ist offenbar kein Einzelfall. Auf die Berichterstattung in unserer Zeitung meldeten sich mehrere Autofahrer, die ähnliche Erfahrungen mit der Rückrufaktion von Volkswagen in Folge des Abgasskandals gesammelt haben.

„Ich hatte genau dasselbe Problem“, schreibt etwa Verena Buchholz aus Borken. „Kurz nach der Umrüstung leuchtete die Warnleuchte auf.“ Daraufhin sei sie in die Werkstatt gefahren. Dort habe man ihr versichert, dass das nichts mit der Umrüstung zu tun habe. Genau wie bei Gerhard Oehler habe es sich um einen Schaden an einem Ventil der Abgasrückführung (AGR) gehandelt. Im Gegensatz zu Oehler habe sie aber die Reparatur von 1000 Euro selbst bezahlen müssen. „Ich habe lediglich die Antwort bekommen, dass es den einen trifft und den anderen nicht.“

Gerhard Wagner aus Ziegenhain ist fast exakt das selbe passiert wie Gerhard Oehler. Er habe seinen VW Tiguan mit einem 2-Liter-Diesel-Motor Anfang November umrüsten lassen. Bei einer Fahrt nach Offenbach am 23. Dezember sei er dann auf einem Autobahnzubringer liegen geblieben, berichtet der 73-Jährige. Auch bei ihm habe die Warnleuchte für eine kaputte Motorsteuerung geleuchtet.

Aufspielen der neuen Software: So läuft die Umrüstaktion in den Werkstätten von VW. Die Besitzer der betroffenen Autos werden von Volkswagen zum Werkstattbesuch aufgefordert. Das Bild entstand in einem Autohaus in der Nähe von Hannover. Archivfoto: dpa

Genau wie bei Gerhard Oehler wurde das Auto von Gerhard Wagner in eine VW-Werkstatt nach Alsfeld gebracht. Diagnose: Ein Ventil der Abgasrückführung sei kaputt. „Mir sind aber im Gegensatz zu dem Herrn aus Kassel nicht nur die Werkstattkosten von VW erstattet worden, sondern auch die Kosten für einen Leihwagen. Das war gar kein Problem“, berichtet Wagner. Gerhard Oehler sitzt demgegenüber bis heute auf Kosten für den Abschleppdienst und einen Leihwagen von zusammen 440 Euro.

„Offenbar ist das kein Einzelfall“, schreibt ein weiterer Leser aus Ahnatal. Er habe einen VW Passat Variant 2,0 TDI. Bis zur Umrüstung im Oktober 2016 sei das Fahrzeug einwandfrei gelaufen. Bereits eine Woche nach der Aktion seien Probleme mit leuchtenden Warnlampen aufgetreten. Auf einer Fahrt nach Zürich hätten schließlich drei Warnleuchten geleuchtet.

Zahlreiche Reparaturen in verschiedenen Werkstätten hätten sich daraufhin angeschlossen „Ob es letztendlich an der Rückruf-Softwareänderung lag, weiß ich nicht. Allerdings halte ich es nach der Lage der Dinge für möglich.“ Der Ahnataler blieb auf den Kosten für die Werkstattbesuche sitzen: „Gekostet hat mich das alles rund 900 Euro und viel Zeitaufwand“, schreibt er.

Hintergrund:

Auch auf HNA-Online diskutieren zahlreiche Leser über den Fall von Gerhard Oheler: disquus_vichx8IMKE schreibt beispielsweise dort zu den auftretenden Fehlern bei der Abgasrückführung (AGR): „Tatsache ist, dass die Betrugssoftware unter anderem verhindert hat, dass die AGR im Straßenbetrieb immer in Betrieb war. Was der Leser da beschreibt, hängt damit zusammen, dass aufgrund des nun ständig vorliegenden Prüfstandsmodus - damit die Abgaswerte stimmen - auch ständig die AGR in Funktion ist und damit setzt sich das Ventil eben äußerst schnell zu. VW hat dafür schon eine Technikkommission eingesetzt, weil man Probleme mit der Abgasanlage und den Motoren - höhere Brennraumtemperaturen - erwartet hat.“ 

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