Nahverkehr in Nordhessen: Al-Wazir mit Kehrtwende

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Tarek Al-Wazir

Kreis Kassel. Im Streit um den Standort für ein Fachzentrum für den Nahverkehr im ländlichen Raum hat sich Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) zunächst eindeutig für Nordhessen ausgesprochen.

Das geht aus dem Sitzungsprotokoll des Landtags-Verkehrsausschusses vom 29. September 2016 hervor, das am Donnerstag auch Thema in der aktuellen Ausschusssitzung war.

Wie berichtet, hatten mehrere SPD-Landtagsabgeordnete, darunter Uwe Frankenberger (Kassel) und Timon Gremmels (Niestetal) von Al-Wazir Rede und Antwort zu der umstrittenen Standortentscheidung zu Gunsten Frankfurts gefordert. Aus dem Protokoll der September-Sitzung, das der HNA vorliegt, geht eindeutig hervor, dass Al-Wazir eine Lösung in Nordhessen favorisierte. „Wir sind (...) im Gespräch mit dem NVV, weil der Wunsch besteht, ein hessenweit agierendes Fachzentrum zu gründen, was beim NVV angesiedelt sein soll“, heißt es in dem Wortlautprotokoll. „Wir überlegen uns, wie wir das unterstützen können“, sagte Al-Wazir seinerzeit.

Wie berichtet, wurde jetzt bekannt, dass das Fachzentrum tatsächlich im House of Logistics and Mobility (HOLM) am Frankfurter Flughafen angesiedelt wird. Das Fachzentrum, das auf eine Anregung von Wolfgang Rausch, Chef des Nordhessischen Verkehrs-Verbunds zurückgeht, soll Konzepte für den Nahverkehr im ländlichen Raum entwickeln. Im Mittelpunkt soll dabei stehen, wie sich der Nahverkehr trotz sinkender Fahrgastzahlen (weniger Schüler, geringere ÖPNV-Nutzung durch Senioren) attraktiv bleiben kann. Von den Problemen, die der demografische Wandel nach sich zieht, sind vor allem die nordhessischen Landkreise betroffen.

Noch im September hielt Minister Al-Wazir das HOLM offenbar nicht für geeignet, die Kommunen in dieser Hinsicht zu beraten. „Im HOLM werden verdienstvolle Arbeiten erledigt“, sagte Al-Wazir seinerzeit im Ausschuss. Es sei „aber eher eine Vernetzungsplattform als ein Dienstleister“. Wie es zu dem Sinneswandel pro Frankfurt gekommen ist, habe der Minister in der jüngsten Ausschusssitzung nicht erklären können, sagte der SPD-Abgeordnete Frankenberger der HNA. Von der zugesagten Unterstützung für den NVV sei nichts übrig geblieben. Ministeriumssprecher Marco Kreuter widerspricht. Die Verkehrsverbünde RMV und NVV würden in dem Zentrum gemeinsam an Lösungen arbeiten. Er warnt davor, das Thema auf die Standortfrage zu reduzieren. Im Übrigen gebe es auch in Südhessen ländliche Räume mit Problemen beim Nahverkehr. 

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