Im Kaufunger Wald

Naturschutzgebiet um die Nieste: Bach-Idylle voller Leben

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Es ist, als betrete man ein Landschaftsgemälde: Wiesen wie diese im oberen Niestetal sind selten geworden. Sie werden nur einmal im Jahr gemäht und nie gedüngt. „Das Ergebnis ist eine große Pflanzenvielfalt“, sagen Axel Krügener vom RP Kassel (links) und Cord Brand, Leiter des Forstreviers Kaufungen. Mehr als 40 verschiedene Blühpflanzen und Gräser kommen hier vor. Nahe der Nieste brüten sogar Schwarzstorch und Eisvoge.

Kreis Kassel. Fast sieben Kilometer lang schlängelt sich die Nieste wie ein blaues Band tief durch den Kaufunger Wald. 155 Hektar stehen hier unter Naturschutz.


Der Bach ist eingesäumt von Erlen und hüfthohem Farn, hin und wieder öffnet sich das Tal und gibt den Blick auf bunt blühende Wiesen frei. 155 Hektar stehen hier unter Naturschutz, hinzu kommt ein großes Naturwaldreservat südlich der Nieste, das seit 1989 vom Menschen in Ruhe gelassen wird.

„Was wir hier haben, wird immer seltener“, sagen Axel Krügener vom Regierungspräsidium Kassel und Cord Brand, Leiter des Forstreviers Kaufungen. Es geht um einen Bach, der weder verbaut noch begradigt ist, und in den noch nie etwas eingeleitet wurde. Es geht um Wiesenflächen, die seit etwa 150 Jahren keinen Dünger abbekommen und keine Weidetiere mehr gesehen haben. Und es geht um einen Wald, der auf 100 Hektar seit 1989 völlig unberührt ist.

Trotz intensiver Pflege bedroht: Arnika und Trollblume (von links) sind fast ganz aus dem obernen Niestetal verschwunden. Liegt es am hohen Düngereintrag durch die Luft? Niemand weiß es. Doch gibt es auch seltene Arten, die sich in den Wiesen rechts und links der Nieste immer wohler fühlen – wie das unauffällige Waldläusekraut.  

„Das ist das Geheimnis der enormen Artenvielfalt, die wir hier haben“, sagt Brand. Allein auf den Wiesen sind rund 40 Arten bei Gräsern und Blühpflanzen normal, in einigen Bereichen kommen sogar 50 Arten vor. Zum Vergleich: „Eine normale Futterwiese hat bestenfalls noch zwei bis acht Arten zu bieten“.

Tatsächlich gelten die Wiesen des oberen Niestetals als „Apotheke für‘s Vieh“. Damit sie nicht verbuschen, werden sie von einem Landwirt aus der Nachbarschaft gemäht – aber nur einmal im Jahr. „Das Futter ist wenig, aber absolut hochwertig“, sagt Brand. Warum? Viele Blühpflanzen mit medizinischer Wirkung wie der Heilziest kommen hier vor. Dass so etwas hier noch wächst, ist dem Umstand geschuldet, dass das obere Niestetal auch für die Trinkwasserversorgung Kassels genutzt wird – seit etwa 150 Jahren. „Deshalb ist hier jede Form von Landwirtschaft verboten“.

Trotz intensiver Pflege bedroht: Arnika und Trollblume (von links) sind fast ganz aus dem obernen Niestetal verschwunden. Liegt es am hohen Düngereintrag durch die Luft? Niemand weiß es. Doch gibt es auch seltene Arten, die sich in den Wiesen rechts und links der Nieste immer wohler fühlen – wie das unauffällige Waldläusekraut.  

Auch für seltene Vögel wie den Eisvogel oder den Schwarzstorch, der hier seit 25 Jahren brütet, ist solch ein Naturraum ein willkommenes Refugium. „Aber es gibt auch Grund zur Sorge“, sagt Krügener. Denn trotz intensiver Pflege seien Pflanzen wie die Arnika und die Trollblume aus dem Gebiet schon fast komplett verschwunden. „Und wir wissen nicht, warum. Ist es der Klimawandel? Ist es der Nährstoffeintrag durch die Luft?“, fragt Krügener.

Doch breiten sich dafür neue Arten aus – das Waldläusekraut, das Borstgras, der Blutwurz. „Auch das ist natürlich erfreulich“, sagt Brand. Doch lässt er nichts unversucht, um den Arnika-Bestand mit Neu-Pflanzungen wieder aufzupäppeln. „Auch bei der Trollblume lass ich mir noch etwas einfallen“, sagt er. Vor drei Jahren habe er im Niestetal die letzte Blüte gesehen.

Trotz intensiver Pflege bedroht: Arnika und Trollblume (von links) sind fast ganz aus dem obernen Niestetal verschwunden. Liegt es am hohen Düngereintrag durch die Luft? Niemand weiß es. Doch gibt es auch seltene Arten, die sich in den Wiesen rechts und links der Nieste immer wohler fühlen – wie das unauffällige Waldläusekraut.  

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