Opfer sollen sich bei kostenloser Hotline registrieren

Neue Betrugsmasche erreicht Niestetal: Gewinn von 120.000 Euro wird versprochen

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Rötliches Papier und handschriftlich ausgefüllt: Die Postkarte von der Hamburger Firma HCC macht nur auf den ersten Blick einen seriösen Eindruck.

Kreis Kassel. Eine neue Betrugsmasche, die sich an Senioren richtet, hat nun Niestetal erreicht. Ein Hamburger Unternehmen verlost angeblich eine Rente im Wert von 120.000 Euro.

Kürzlich lag im Briefkasten der Niestetalerin Inge Morscher (Name von der Redaktion geändert) eine Postkarte des Hamburger Unternehmens HCC GmbH, die Hoffnungen auf einen Geldsegen weckt: Sie habe die Chance, eine Zehn-Jahres-Rente im Gesamtwert von 120.000 Euro zu gewinnen.

Der Status ihrer Gewinnchance-Nummer: privilegiert. Morscher müsse sich nun nur noch bis zum 25. Mai bei einer gebührenfreien Hotline für den Renten-Gewinn telefonisch registrieren und ihre persönliche Referenznummer angeben.

Doch Morscher hatte Zweifel – und wie sich herausstellte, waren diese auch berechtigt. Denn eine schnelle Recherche von ihr im Internet ergab, dass es sich hierbei um eine Betrugsmasche handelt. „Bitte verbreitet diesen Fall, damit keine leichtgläubigen Opfer entstehen“, wandte sich Morscher an unsere Zeitung.

Michael Dettelbacher von der Verbraucherzentrale Hessen vermutet, dass Anrufern bei der Hotline Los-Abos von Spielgemeinschaften für das deutsche Lotto verkauft werden. Insbesondere ältere Menschen tappen laut Dettelbacher oft in solche Betrugsfallen: „Die rote Farbe der Karte erinnert an ein Einschreiben. Daher wirkt das Schreiben offiziell.“

Der Polizei ist diese Betrugsmasche ebenfalls bekannt

 „Auch wenn genau zu diesen Betrugsfällen, bei denen 120.000 Euro Gewinn in Aussicht gestellt werden, bei uns im Kommissariat für das laufende Jahr keine Strafanzeigen vorliegen, gibt es eine Vielzahl anderer Maschen, die weitestgehend genauso ablaufen“, berichtet Polizeisprecher Jürgen Wolf. Seit Anfang diesen Jahres liegen für Stadt und Landkreis Kassel Strafanzeigen für Betrugsfälle mit Gewinnversprechen im niedrigen zweistelligen Bereich vor.

„Es werden relativ hohe Summen oder Sachwerte versprochen. Um den Gewinn erhalten zu können, werden die Opfer aufgefordert, zunächst eine Gegenleistung zu erbringen: Entweder soll eine kostenpflichtige Hotline angerufen oder eine Gebühr, meist auf ein Auslandskonto, eingezahlt werden, um an den Gewinn zu kommen“, erklärt Wolf die Vorgehensweise der Betrüger. Die Täter suchen die Adressen ihrer mutmaßlichen Opfer meist im Internet, dabei liege der Fokus häufig auf älteren Vornamen.

„Die Zielgruppe ist nicht klar definierbar. Bei den Gewinnversprechen erbeuten die Täter aufgrund der hohen Anzahl versendeter Briefe, Postkarten oder E-Mails auf diese Weise das Geld der Opfer“, sagt Wolf. Sollten die Täter gefasst werden, drohen ihnen Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen.

Polizei und die Verbraucherzentrale Hessen raten, nicht auf solche angeblichen Gewinn-Schreiben wie die des Hamburger Unternehmens HCC GmbH zu reagieren.

Hessenweites Servicetelefon der Verbraucherzentrale: 069/9 72 01 09 00.

Hintergrund: Polizei gibt Tipps: So schützen Sie sich vor Gewinnspiel-Betrugsmaschen

• Machen Sie sich bewusst: Wenn Sie nicht an einer Lotterie teilgenommen haben, können Sie auch nichts gewonnen haben! 

• Geben Sie niemals Geld aus, um einen vermeintlichen Gewinn einzufordern, zahlen Sie keine Gebühren oder wählen gebührenpflichtige Sondernummern (Zum Beispiel mit der Vorwahl: 0900..., 0180..., 0137...).

• Machen Sie keinerlei Zusagen am Telefon. 

• Geben Sie niemals persönliche Infos wie Telefonnummern, Adressen, Kontodaten und Kreditkartennummern weiter.

• Fragen Sie den Anrufer nach Namen, Adresse und Telefonnummer der Verantwortlichen, um welche Art von Gewinnspiel es sich handelt und was genau Sie gewonnen haben. Notieren sie sich seine Antworten. 

• Weisen Sie unberechtigte Geldforderungen zurück. 

• Sichern Sie sich ab, indem Sie einen angeblichen Vertragsabschluss widerrufen und wegen arglistiger Täuschung anfechten. Verbraucherzentralen bieten dazu Musterschreiben an. 

• Kontrollieren Sie mindestens einmal im Monat Ihre Kontoauszüge und Ihre Telefonrechnung.

• Lassen Sie unberechtigte Abbuchungen von Ihrer Bank oder Sparkasse rückgängig machen.

Mehr Tipps unter: http://zu.hna.de/betrugsanrufe

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