EAM warb in Rathäusern um neue Kunden: Ärger für Kommunen und Unternehmen

Loten neue Wege aus, um Kunden zu gewinnen: EAM-Vertriebsspezialist Stefan Welsch (links) und der Chef des Energieversorgers, Georg von Meibom. Archivfoto:  nh

Kreis Kassel. Die Beratung und Akquise von Kunden in Rathäusern haben der Ende 2013 wiedergegründeten EAM und mehreren an dem Energieversorger beteiligten Kommunen gerichtliche Auseinandersetzungen beschert.

Das bestätigte EAM-Geschäftsführer Georg von Meibom in einem HNA-Gespräch. Konkret geht es um Werbung für die so genannte Heimvorteils-Tour und die Bürgerberatung in Rathäusern zu Strom und Gas.

Klage geführt hat in allen Fällen das Unternehmen Bürgergas (Gründau). Gegen die EAM selbst liegt eine Klage vor, die nach Angaben des Kasseler Unternehmens noch verhandelt wird. Außerdem sehen sich neun Anteilseigner-Kommunen mit Klagen konfrontiert.

Wie EAM-Sprecher René Schneider am Freitag auf Anfrage erklärte, liegen fünf Entscheidungen in erster Instanz vor. In allen bisherigen Fällen - drei Kommunen gewannen, zwei verloren - sei gegen die Entscheidungen des Landgerichts Berufung eingelegt worden. In Nordhessen geht die Gemeinde Berkatal (Werra-Meißner-Kreis) gegen eine Entscheidung zu ihren Ungunsten vor. Weitere vier Klagen werden nach Angaben des EAM-Sprechers ab Juli 2017 verhandelt: Im Visier von Bürgergas ist dabei auch Söhrewald. Außerdem laufen Klagen gegen Borken (Schwalm-Eder-Kreis) sowie Wehretal und Neu-Eichenberg (beide Werra-Meißner-Kreis). Von Meibom räumte ein, dass in einem Fall ein Bürgermeister die Neutralitätspflicht verletzt und in einer Veranstaltung offensiv für den Wechsel von Strom- und Gaskunden zur EAM geworben habe.

Nachdem das vor drei Jahren von zwölf Landkreisen und der Stadt Göttingen wiederbelebte Unternehmen zunächst stark auf die Zusammenarbeit mit den Rathäusern gesetzt hatte, will man laut der EAM-Spitze nun verstärkt andere Wege testen, um Kunden zu gewinnen. „Wir sind offen für weitere Experimente“, sagte von Meibom. Er und EAM-Vertriebsexperte Stefan Welsch denken dabei beispielsweise an Servicestationen in Supermärkten. „Wir müssen dort sein, wo die Menschen sind“, sagte Welsch.

Gleichzeitig soll das Geschäftsstellennetz ausgeweitet werden, und zwar an zentralen Standorten. Im ersten Quartal 2017 eröffnet die EAM in Schwalmstadt ihr 14. Servicebüro.

Auch beim Thema Internet gebe es noch Luft nach oben. „Wir binden bislang zu wenig Kunden online“, sagte von Meibom. Das Angebot müsse ausgeweitet werden, und zwar auf verschiedenen Plattformen. In der Frage, wie viele Kunden sich durch die unterschiedlichen Vertriebswege gewinnen lassen, wollen sich von Meibom und Welsch auf keine genaue Zahl festlegen.

Dass die EAM bis Ende 2017 die 100 000er-Marke erreichen wird, halten die beiden Manager aber nicht für wahrscheinlich. Realistisch, so von Meibom, sei ein Zuwachs „im größeren fünfstelligen Bereich“. Die bei null gestartete EAM verfügt heute über 50 000 Kunden.

Bürgermeister-Werbung ist verboten

Gleich mehrere Landgerichte haben sich inzwischen mit der Zusammenarbeit von EAM und Kommunen beschäftigt. Grundsätzlich wurde dabei festgestellt, dass Kommunen Verbraucher in angemessener, sachlicher Weise über ihre Zusammenarbeit mit der EAM unterrichten dürfen.

ZULÄSSIGE AKTIVITÄTEN 

Als zulässig zu betrachten ist demnach laut Landgericht Hanau: 

• Platzierung einer Pressemitteilung zu Werbeaktionen der EAM auf der Homepage der Kommune unter der Rubrik „Veranstaltungshinweise“ 

• Verlinkung der Gemeinde-Homepage mit der EAM-Homepage mit einem üblich gestalteten Link 

• Aufsteller im Rathaus mit Werbematerial und Vertragsunterlagen 

• Werbeplakate an Straßenlaternen 

UNZULÄSSIGE AKTIVITÄTEN 

Als unzulässig zu betrachten ist laut der Landgerichte Kassel und Limburg: 

• Prominente Hervorhebung der Pressemitteilung auf der Startseite oder Ergänzung durch Zitate des Bürgermeisters, die eine persönliche Unterstützung erkennen lassen 

• Besonders hervorgehobener Link an prominenter Stelle auf der Startseite (zum Beispiel EAM-Logo mit Linkfunktion)

• Mitteilung über Servicebüros mit Zitaten des Bürgermeister zu Wechselmöglichkeiten zur EAM.

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