Fünf Direktmandate gehen an die Sozialdemokraten

Nordhessen ist die letzte SPD-Hochburg im Land: „Leuchtturm in rauer See“

Kassel. Während die SPD fast überall in Hessen herbe Verluste hinnehmen musste, sticht Nordhessen als letzte Genossen-Hochburg ins Auge. Alle fünf von den Sozialdemokraten direkt gewonnen Wahlkreise liegen in der Region.

„Das wirkt wie ein Leuchtturm in rauer See“, sagt SPD-Bezirksvorsitzender Manfred Schaub. Man dürfe natürlich das Stück nordhessische Stabilität in der Sozialdemokratie schon als positive Resonanz werten. Trotzdem musste die SPD auch hier einige Federn lassen. Mit 30,9 Prozent der Zweitstimmen kann längst nicht mehr an vergangene Zeiten angeknüpft werden.

Baunatal, wo Schaub seit über zwölf Jahren Bürgermeister ist, sorgte mit einem Erststimmen-Ergebnis von 44 Prozent dafür, dass Esther Dilcher den Wahlkreis 167 (Waldeck), zu dem auch Baunatal und Schauenburg gehören, von Thomas Viesehon (CDU) zurückerobern konnte. „Wir haben jeden Tag Kontakt mit den Bürgern“, nennt Schaub den für ihn entscheidenden Faktor. „Das Kümmern ist bei uns noch verankert.“

Mit 40,8 Prozent für Dilcher sah es im benachbarten Schauenburg nicht viel schlechter aus. „Wir haben den Erststimmen-Anteil von 2013 fast gehalten“, sagt Bürgermeister Michael Plätzer (SPD). Auch er wertet die lokale Präsenz der Genossen als wichtigen Punkt. In Schauenburg sei die SPD beispielsweise mit vier von fünf Ortsvorstehern besonders gut aufgestellt. Plätzer verweist zudem auf die gute Integration der Flüchtlinge in der Gemeinschaftsunterkunft Tannenhof in Elmshagen. Dort habe es nicht ein einziges Mal Ärger mit den Bewohnern gegeben.

Knapper Ausgang: SPD-Kandidatin Esther Dilcher setzte sich im Wahlkreis 167 mit 35,1 Prozent gegen Thomas Viesehon mit 33,6 Prozent der Stimmen durch. Viesehons Mandat läuft Ende Oktober aus. Was danach kommt, hat der 44-Jährige noch nicht für sich entschieden.

Bemerkenswert: Die AfD erreichte im Altkreis fast überall zweistellige Ergebnisse. In Espenau konnte die AfD mit 13,7 Prozent der Zweitstimmen das stärkste Ergebnis im ganzen Altkreis einfahren (12,9 Erststimmen). „Ich war gestern Abend, wie die Mehrheit der Bürger, über den massiven Zuspruch für die AfD sehr erschrocken“, sagt Espenaus Bürgermeister Carsten Strzoda (Parteilos). Sorgen mache er sich aber erst, wenn man nach diesem Signal der Wähler in Berlin einfach zur Tagesordnung übergehe. Die Sorgen und Ängste der Menschen müssten durch die Politik wahrgenommen und Möglichkeiten aufgezeigt werden.

Ob es schlechte Erfahrungen mit Flüchtlingen im Ort sind, die Bewohner anderer Kommunen im Altkreis dazu gebracht haben, die AfD zu wählen? Immerhin fiel bei acht von elf Kommunen deren Stimmanteil zweistellig aus. Helsas Bürgermeister Tilo Küthe (SPD) sieht in Helsa den Bundestrend abgebildet. „Die AfD ist eben auch hier sehr aktiv gewesen, hat viel geworben.“ Das habe die Wähler beeinflusst. Eine große Bedeutung misst er dem Stimmanteil von 12,2 Prozent (Erst- und Zweitstimme AfD) nicht bei. Es handle sich bei ihnen doch eher um Protestwähler.

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.