Sieben Prozent produzieren Bio

Nur wenige Bauern im Landkreis Kassel stellen auf Bio um

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So kann es aussehen: Feldtag der Bio-Bauern in Fürstenwald bei Georg Tolle. Nur 7 Prozent aller Betriebe im Landkreis Kassel betreiben Ökolandwirtschaft. 

Kreis Kassel. Bio boomt, zumindest wollen immer mehr Menschen ökologisch angebaute Produkte kaufen. Doch der Landkreis Kassel hinkt der Bewegung immer noch etwas hinterher.

Im Landkreis Kassel betrieben im vergangenen Jahr 85 Betriebe ökologische Landwirtschaft, das sind sieben Prozent aller Betriebe. Sie bewirtschaften eine Fläche von 3774 Hektar – das entspricht in etwa 5000 Fußballfeldern –, was 7,2 Prozent der Gesamtfläche entspricht, die für die Landwirtschaft genutzt wird. 

„Damit sind wir nicht gerade an der Spitze der Bewegung“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Aber, die Zahlen steigen. 2016 waren es lediglich sechs Prozent der Betriebe, die ökologisch anbauten.

Zwei Jahre Umstellung

Silke Flörke, Koordinatorin der Ökolandbau-Modellregion Nordhessen (ÖMR) vermutet, dass die Zahlen 2018 noch einmal steigen werden. Denn eine Umstellung auf Ökolandwirtschaft dauert zwei Jahre. „Es sind in der Zwischenzeit sicher schon weitere Betriebe umgestiegen“, sagt Flörke. Die Umstellung sei nicht ganz einfach. „Man muss andere Methoden kennen, sonst klappt es nicht.“

Die Ökolandbau-Modellregion Nordhessen arbeitet seit September 2015 daran, den Anteil an Ökolebensmitteln aus regionaler Erzeugung mit kurzen, transparenten Vermarktungswegen zu steigern. Das Ziel: mehr Bio aus Hessen für Hessen. 

Die Laufzeit des Modellprojekts wurde um weitere zwei Jahre bis Ende 2020 verlängert. „Die drei hessischen Ökomodellregionen, zu denen die Modellregion Nordhessen mit den Landkreisen Werra-Meißner und Kassel gehört, sind ein wichtiger Baustein des Ökoaktionsplans des Landes Hessen“, sagt Landwirtschaftsministerin Priska Hinz. Mit jeweils 150.000 Euro sollen die drei Regionen weiterhin unterstützt werden. 

Hessen bundesweit führend

In Hessen arbeiten derzeit 1982 und somit zwölf Prozent der hessischen Betriebe nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus. Mit fast 97.000 Hektar bewirtschaften sie 12,6 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Hessens. Beim Flächenanteil ist Hessen damit bundesweit mit führend, heißt es aus dem Hessischen Umweltministerium.

Für dieses Jahr hat sich die ÖMR Nordhessen vorgenommen, vor den hessischen Sommerferien vom 16. Juni bis 26. Juni Bio-Aktionstage durchzuführen. „Wir wollen zeigen, wie Biolebensmittel in der Region entstehen und so das Bewusstsein der Verbraucher für regionale Kreisläufe und regionale Lebensmittel stärken“, sagt Flörke.

Marktpartner sind wichtig

Denn die Umstellung auf ökologischen Anbau ist auch aus marktwirtschaftlichen Gründen für Landwirte oft schwierig. „Wenn ich einen neuen Weg gehen will, muss ich einen Marktpartner finden, der mir das neue Produkt abnimmt“, erklärt Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Kassel. 

„Wenn ich Investitionen tätige, brauche ich Verlässlichkeit in den Markt.“ Doch viele Abnehmer wollen zwar Bio kaufen, aber nicht mehr dafür ausgeben. Große Discounter würden zwar Bio anbieten, aber oft aus anderen Ländern, wo die Auflagen nicht so hoch seien wie in Deutschland. „Es kommt eben auch immer darauf an, was ich für Bio kaufe“, sagt Schulte-Ebbert. „Bio aus dem Wolfhager Land oder aus Südamerika.“

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