Schüler setzt "Baby" in Szene

Refugees Day: 17-Jähriger drehte Film über Weißkopfseeadler aus Tierpark Sababurg

Kreis Kassel. Kaum ist der ausgebüxte Weißkopfseeadler „Baby“ wieder da, schon wird er zu einem kleinen Filmstar. Der Vogel spielt die Hauptrolle in einem kurzen Video, das Kamal Qaderi aus Afghanistan für die HNA gedreht hat.

Der 17-jährige Schüler der Kasseler Max-Eyth-Schule war am Mittwoch, am Refugees Day des Landkreises Kassel, für einen Tag Praktikant in der Redaktion Kreis Kassel. An diesem Tag haben junge Flüchtlinge die Möglichkeit, den Arbeitsalltag in deutschen Unternehmen kennenzulernen. Und da Kamal gerne filmt und Tiere mag, hat er sich mit „Baby“ und Falkner Rainer Cremer im Tierpark verabredet.

„Wir sind froh, dass „Baby“ wieder da ist“, sagt Cremer, der seit 17 Jahren als Falkner an der Sababurg arbeitet. Am vergangenen Wochenede war der Adler mit dem weißen Kopf auf einem Hochsitz bei Beberbeck entdeckt worden. Als Cremer dann vor Ort war, sei „Baby“ direkt zu ihm geflogen: „Wir haben schon eine emotionale Bindung.“

Fokussiert: Kameramann Kamal Qaderi nimmt mit einem Smartphone Weißkopfseeadler „Baby“ auf. Immer an dessen Seite: Falkner Rainer Cremer. 

Kamal weiß indes genau, in welchen Perspektiven er den Adler im Video zeigen möchte. Und „Baby“, der brav auf dem Falknerhandschuh von Cremer sitzt, spielt mit. Mal zeigt er seine prächtigen Flügel, mal nascht er von einem toten Küken, mal schreit er direkt in die Kamera.

Zurück in der Redaktion: Der 17-jährige Schüler Kamal Qaderi schneidet die Aufnahmen zu einem kurzen Video zusammen.

Dass Kamal so geschickt mit dem Smartphone umgeht, hat einen Grund: In seiner Heimatstadt Kabul arbeitete er neben der Schule eineinhalb Jahre als Nachwuchs-Kameramann fürs afghanische Fernsehen. Er filmte auf Konzerten, verfasste kurze Beiträge und führte Interviews. „Das hat mir Spaß gemacht“, erzählt der Schüler, der mit seinen Eltern und seinen zwei Geschwistern seit mehr als eineinhalb Jahren in Kassel lebt.

Für seine Familie war es in Afghanistan einfach zu gefährlich geworden. „Es war Krieg und wir waren vor den Taliban nicht sicher“, sagt Kamal, der wie sein Vater Polizist werden will. Er erinnert sich noch genau an den Tag, an dem er mit seiner Familie nach Deutschland kam. „Wir sind am 30. Dezember 2015 in Düsseldorf am Bahnhof angekommen“, erzählt er. Zu diesem Zeitpunkt war die Familie bereits seit 27 Tagen auf der Flucht. Ihr Ziel war Kassel. „Mein Onkel lebt seit 25 Jahren hier.“

Zum Schluss schaute sich Kamal noch die tägliche Flugschau an – natürlich mit gezückter Kamera. „Baby“ selbst darf allerdings vorerst nicht mit den Falken, Eulen und Bussarden mitfliegen. „Wir wollen ihn erstmal wieder an die Abläufe gewöhnen“, sagt Falkner Cremer. Schließlich wolle niemand, dass der 28 Jahre alte Vogel noch einmal davonfliegt.

Rubriklistenbild: © Wenzel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.