Aus Reststoffen wird Biogas und Kompost

Rekord: Jeder Einwohner im Landkreis Kassel produziert 224 Kilogramm Biomüll

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Frischer Biomüll für die Anlage: Günter Koloziej (59, links) aus Lohfelden und Marco Dettmar (31) aus Reinhardshagen arbeiten im Bereich Biokompostierung und Biogas der Abfallentsorgung des Landkreises in Lohfelden.

Kreis Kassel. Beim Sammeln von Bioabfällen ist der Landkreis Kassel Spitzenreiter. 224 Kilogramm Biomüll hat jeder Einwohner im Jahr 2016 produziert.

Das geht aus der Abfallmengenbilanz des Landes Hessen hervor. Zum Vergleich: Das Pro-Kopf-Aufkommen liegt im hessenweiten Durchschnitt nur bei 139 Kilogramm.

Während das Sammeln von Bioabfällen erst seit 2015 Pflicht ist, gibt es die Biotonne im Landkreis schon seit 25 Jahren. Der Eigenbetrieb Abfallentsorgung Kreis Kassel verarbeitet jedes Jahr rund 53 000 Tonnen Bio- und Grünabfälle in den Biokompostierungsanlagen in Fuldatal, Hofgeismar und Lohfelden. Davon stammen rund 44 000 Tonnen aus der Biotonne. „Die Biokompostierungsanlagen wurden 1997 in Betrieb genommen“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Seitdem konnte die Abfallmenge von 25 000 auf 40 000 Tonnen pro Jahr gesteigert werden. Rund 9000 Tonnen Biomüll stammen aus Abfällen, die direkt bei der Abfallentsorgung abgegeben werden. „Der Landkreis ist auf einem sehr guten Weg“, kommentiert Vizelandrätin Susanne Selbert das Ergebnis, „mit unseren hohen Recyclingquoten ersetzen wir natürliche Ressourcen, sparen Rohstoffe und Energie und tragen damit zum Klimaschutz bei.“

Lohfelden nutzt die Energie

Seit 2011 betreibt die Abfallentsorgung zudem in Lohfelden die größte Vergärungsanlage Hessens. Dort können bis zu 32 000 Tonnen Bioabfall in Biogas umgewandelt werden. Das sei umweltfreundlicher als der Anbau von Energiepflanzen mit Flächenkonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion, sagt Kühlborn. Die Gemeinde Lohfelden übernehme das Biogas und leite es über eine Gasleitung in öffentliche Gebäude wie das Rathaus mit dem Bürgerhaus und die Regenbogenschule, die an Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen angeschlossen und so mit Wärme versorgt werden. Die Anlagen erzeugen zusätzlich elektrische Energie, die ins Netz eingespeist wird. „Biogas aus einer Tonne Bioabfall spart 150 bis 200 Kilogramm CO2 und verringert damit die Erderwärmung“, sagt Uwe Pietsch, Betriebsleiter des Eigenbetriebs Abfallentsorgung Kreis Kassel. Bioenergie stehe ganzjährig zur Verfügung und trage damit bei der Umstellung der Stromversorgung auf erneuerbare Energien eine Schlüsselrolle. Bioenergie gleiche zudem Schwankungen im Stromnetz aus.

In den Biokompostierungsanlagen des Landkreises werden darüberhinaus jährlich 15 000 Tonnen Kompost erzeugt, der als Dünger und Bodenverbesserer dient und Ausgangssubstrat für die Herstellung von Premiumerden ist. Biogas und Komposte setzen aber voraus, dass die Bioabfälle nicht in Plastiktüten oder Plastikverpackungen in die Biotonnen gegeben werden. Alle Verunreinigungen wie etwa Plastiktüten müssen auf den Biokompostierungsanlagen wieder aussortiert werden, dabei gehen oft auch die wertvollen Bioabfälle verloren. Als Alternative zu Plastiktüten bietet die Abfallentsorgung Kreis Kassel über die Rathäuser der Städte und Gemeinden kompostierbare Biobeutel für einen Euro pro Rolle a 25 Stück an, die den gleichen Komfort wie herkömmliche Plastiktüten bieten sollen. Auch Zeitungspapier kann zum Einwickeln der Biobeutel genutzt werden.

Müllgebühren im Überblick

Die 80-Liter-Restabfalltonne kostet 177,60 Euro im Jahr. Für 256,92 Euro gibt es eine 120-Liter-Tonne. Die 240-Liter-Tonne kostet 494,76 Euro und die 1100-Liter-Tonne 2005,80 Euro. Eine gebührenfreie Biotonne mit 240 Liter Fassungsvermögen gibt es für jeden Haushalt. Die Gebühr für eine zusätzliche Biotonne mit 240 Litern Volumen beträgt 7,63 Euro.

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