Autobahn A44 hat Geburtstag

Ruhrpott und Kassel 40 Jahre vereint

Dieser Banner hing damals über der Autobahn und wird hier gehalten von Reinhard Merkel gehalten. Der Touristikmanager bewahrt ihn im Keller auf.

Kreis Kassel. Jubelnde Menschen am Straßenrand und auf Brücken in der Nähe der Domstadt Soest - sie alle freuen sich über die Eröffnung des letzten Abschnitts der A 44 vor rund 40 Jahren, der Kassel mit Dortmund verbunden hat.

In den nordrhein-westfälischen, noch industriell unterentwickelten Gebieten und dem Ruhrpott, war der Lückenschluss (siehe Grafik) ein Jahrhundertereignis. Auch in Nordhessen war die Euphorie groß. Viele Hoffnungen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft knüpften sich an die Autobahn. Die HNA begleitete die Ereignisse vom Baubeginn über die Jungfernfahrt bis zur Eröffnung.

Am 8. Februar, vier Monate vor der offiziellen Einweihung, war in der HNA etwa zu lesen: „Achtzehn Jahre mußten vergehen, ehe die Ost-West-Route auf ihrer ganzen Länge von 149 Kilometern fertig sein wird.“ Um den Widerständen in der Bonner Politik etwas entgegenzusetzen, bildete sich eine Arbeitsgruppe, die das Projekt scheibchenweise vorwärtsbrachte.

Außerdem ging es darum, welche Vorteile der Lückenschluss für den Tourismus bringt: „Eine einmalige Chance für das Fremdenverkehrsgewerbe zwischen Diemel, Fulda und Werra. Denn der hart arbeitende Mensch an Rhein und Ruhr braucht aus den Zentren des westlichen Ballungsgebiets nur wenig mehr als eine Autofahrstunde, um die nordhessischen Ferienorte und -attraktionen zu erreichen.“ Der bei der Einweihungsfeier verteilte Prospekt hieß passend „Nur noch ein Katzensprung“.

Mehr Infos zur A44 finden Sie in unserem Regiowiki.

Aus heutiger Sicht lässt sich sagen: Dem Tourismus haben die 39 Kilometer Asphalt viel gebracht. „Die A 44 ist das Einfallstor für Touristen aus dem Ruhrgebiet und den Niederlanden“, sagt Reiner Merkel, Touristikmanager beim Verein Region Kassel-Land, damals Fremdenverkehrsverband Kurhessen und Waldeck. Das Banner, das am 8. Juli 1975 über der Autobahn hing, hat er beim Ausmisten des Büros gefunden und mit zu sich nach Hause genommen.

„Damals gab es noch sogenannte Urlaubskassen der Zechen. Die Kumpel haben mit ihren Familien zwei bis drei Wochen Urlaub gemacht, um mal durchzuatmen“, sagt Merkel. Heute blieben die Touristen im Durchschnitt drei Tage, etwa in Söhrewald und Bad Karlshafen, in Oberweser und Reinhardshagen.

Sabine Schwarzer vom Tourist-Marketing Bad Emstal kann eine ähnlich positive Bilanz ziehen. „Das Ruhrgebiet ist für den Tourismus im Wolfhager Land ein starkes Einzugsgebiet.“ Ein schöner Nebeneffekt: Viele, die vor 40 Jahren zum Urlaub kamen, sind hängen geblieben. „Sie verbringen jetzt ihren Ruhestand hier“, sagt Schwarzer.

Geburtstag der A44

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