Breitbandversorgung 

Schnelles Internet im Kreis Kassel: Kommen wegweisende Neuigkeiten?

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Große Ungleichheit gibt es bei der Breitbandversorgung im Landkreis Kassel: Aktuell baut die Breitband Nordhessen das Breitbandnetz mit Glasfaserkabeln aus, was aber wiederum zu Ungleichheiten bei der Versorgung mit schnellem Internet führen wird. Unser Bild zeigt einen Spülbohrer, mit dem unterirdisch Leerrohre für Glasfaserkabel verlegt werden.

Kreis Kassel. Beim Thema Breitbandversorgung im Landkreis Kassel sind womöglich wegweisende Neuigkeiten zu erwarten. In etwa vier Wochen will die Kreisverwaltung eine Studie zur Verbesserung der Breitbandversorgung im gesamten Landkreis Kassel veröffentlichen.

Es geht um viel – vor allem darum, wie die Internet-Geschwindigkeiten in den einzelnen Kommunen des Landkreises auf einen Stand gebracht werden können. Denn da gibt es noch große Unterschiede. Ein Grund sind private Anbieter wie die Telekom, die vor allem da ihre schnellen Breitbandprodukte anbieten, wo auch viel Geld zu verdienen ist – in den Ballungsräumen. Ins Hintertreffen geraten dadurch automatisch die Kommunen auf dem Land.

So gab es schon 2009 eine vom Land geförderte Breitbandinitiative, mit dem Ziel, diesem Ungleichgewicht etwas entgegenzusetzen. In den Jahren 2009 bis 2012 baute die Kasseler Firma ACO-connect in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Kassel ein Breitbandnetz für insgesamt 72 Ortsteile in 24 Kommunen via Richtfunk auf. Seit ihrer Gründung im Jahr 2014 zieht nun die ebenfalls vom Land geförderte Breitband Nordhessen nach. Sie will bis Ende 2019 weitere 206 000 Haushalte in 570 Ortsteilen in Nordhessen mit schnellem Internet via Glasfaser-Kabel bis zu den Verteilerkästen versorgen.

Ungleichheit trotz Ausbaus

Das Problem: Die Breitband Nordhessen darf weder dort ausbauen, wo bereits Privatbetreiber ihre Dienste anbieten (wie die Telekom), noch darf sie an Orten aktiv werden, wo es bereits eine öffentliche Breitband-Förderung gab (ACO-Gebiete). Auf den ersten Blick ist das fair. Doch der zweite Blick verrät, dass damit die Ungleichheit in Sachen Internetgeschwindigkeit keineswegs aufgehoben wird.

Denn noch immer geht es in den Ballungsräumen deutlich schneller zu als auf dem Land (bis zu 200 MBit pro Sekunde). Und selbst auf dem Land drohen sich künftig Unterschiede zu manifestieren. Denn die Breitband Nordhessen will bis Ende 2019 mindestens 30 MBit pro Sekunde flächendeckend anbieten, 50 MBit als Standard sind angestrebt, Ende 2017 sollen sogar bis zu 100 MBit möglich sein. ACO dagegen kommt da mit

seinen Richtfunk-Antennen, so sieht es zumindest eine große Schar von Kunden und Kritikern, bei Weitem nicht mehr mit.

Hier setzt nun die Studie des Landkreises Kassel an. Mit ihr soll eine Argumentationsgrundlage geschaffen werden, um weiteres Fördergeld vom Bund für den Breitbandausbau zu gewinnen. Wie das aussehen mag, liegt noch in den Sternen. Ein Argument wäre zum Beispiel der Nachweis eines möglichen Marktversagens seitens des bisherigen Anbieters ACO.

Ein anderes Argument könnte auch die sich abzeichnende Ungleichheit an sich sein. Doch muss sich der Landkreis Kassel mit seiner Studie sputen, damit die Ergebnisse auch entsprechend in Förderkonzepte gegossen werden können. Förderanträge müssen bis zum 8. September beim Land eingereicht werden.

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