Fast alle Kommunen in der Region setzen auf akustische Signale

Laut und veraltet? Wozu Sirenen in unseren Orten noch gebraucht werden

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Älteres Modell: eine Motorsirene, wie sie zum Beispiel in Fuldabrück installiert ist.

Kreis Kassel. Sind laute Sirenen, wie sie es in den meisten Orten der Region gibt, noch zeitgemäß? Wenn sie losgehen, vor allem nachts, schrecken die Menschen auf. Dabei gibt es längst eine andere Alarmierungstechnik.

Laute Sirenen sind nichts Besonderes für die meisten Menschen in der Region – sie gehören einfach dazu. Wenn sie nachts Alarm schlagen, fühlen sich manche aber auch gestört, ist die Technik doch so weit, dass die Feuerwehr bei Gefahrenlagen mithilfe von Funkmeldeempfängern benachrichtigt werden kann. Doch die Sirenen haben auch heute noch einen ganz bestimmten Sinn und sind in manchen Kommunen sogar unverzichtbar.

Eine Hochleistungssirene, wie sie unter anderem in Kaufungen zu finden ist.  

„Sirenen sind die beste und schnellste Möglichkeit, die Bevölkerung bei Katastrophen und Gefahren zu warnen“, erklärt Kreisbrandinspektor Sebastian Mazassek. „Wenn die Bürger den Alarm hören, werden sie aufmerksam.“ Deshalb setzten auch noch fast alle Kommunen im Altkreis Kassel auf Sirenen – außer Niestetal und Baunatal. „Die Gemeinden müssen keine Sirenen haben“, sagt Mazassek. „Sie müssen aber sicherstellen, dass die Bevölkerung im Falle einer Großlage gewarnt werden kann.“ Dafür gebe es unterschiedliche Konzepte, die die Gemeinden selbst festlegen.

In Baunatal geschieht das laut Stadtbrandinspektor Ralf Seitz zum Beispiel mit Lautsprecherwagen in Zusammenarbeit mit der Polizei. „Außerdem können wir die Bürger zusätzlich auf der Internetseite der Stadt informieren, über soziale Netzwerke und gegebenenfalls mit Flyern.“ Mit Durchsagen und Flyern wurden die Baunataler zum Beispiel vor vielen Jahren über verunreinigtes Trinkwasser informiert. An eine größere Katastrophe, bei der Lautsprecherdurchsagen nötig waren, erinnert sich Seitz nicht. In Baunatal gebe es etwa 250 Alarmierungen im Jahr. „Wenn da jedes Mal die Sirenen heulen würden, wäre das fast jeden Tag.“

In Fuldabrück will man auf die Sirenen nicht verzichten. In der Gemeinde gibt es elf Stück, vier in Bergshausen, vier in Dörnhagen und drei im Ortsteil Dennhausen/Dittershausen. „Bei uns ist die Funkversorgung teilweise schlecht“, erklärt Gemeindebrandinspektor Michael Heyne. Deshalb könnten nicht immer alle Einsatzkräfte zuverlässig durch Funkmeldeempfänger erreicht werden. „Bei Dringlichkeit, also wenn sich Personen zum Beispiel in einer Notlage befinden oder es brennt, gehen die Sirenen an.“ Die Einsatzkräfte würden parallel benachrichtigt.

Die Sirenen und die Alarmierung der Feuerwehr waren kürzlich auch Thema in der Fuldabrücker Gemeindevertretersitzung. Dort hatte die AfD gefragt, ob auf die Sirenen vollständig verzichtet werden könne. „Nein“, antwortete Bürgermeister Dieter Lengemann. „Bei Katastrophen können die Sicherheit und das Eigentum der Bürger gefährdet sein. Um diese Gefährdung zu vermeiden oder zu begrenzen, betreibt Fuldabrück weiter ein Sirenenwarnsystem.“

Immer wieder kommt es auch zum Fehlalarm - beispielsweise der am Bundessozialgericht Kassel schreckte viele Menschen auf.

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