Langstrecken sind viel zu teuer

SPD und Linke wollen günstigeren öffentlichen Personennahverkehr

Kreis Kassel. SPD und Linke wollen die Fahrpreise im öffentlichen Personennahverkehr reduzieren. Davon profitieren sollen all jene, deren Fahrzeiten aus dem Landkreis nach Kassel besonders lang sind und ein Umsteigen erfordern (Preisstufen 6 bis 8).

„Diesen Nachteilen wollen wir künftig zumindest einen attraktiven Fahrpreis entgegenstellen“, sagen SPD-Kreistagsmitglied Oliver Ulloth und Linke-Kreisfraktionsvorsitzender Christian Knoche. Das alles könne zunächst im Rahmen eines Modellversuchs erprobt werden.

Ein entsprechender Antrag soll bereits in der kommenden Kreistagssitzung am Donnerstag, 14. September, zur Abstimmung kommen. „Wir wollen erreichen, dass Landkreisbewohner ohne Regiotram-Anbindung für eine Fahrt nach Kassel nicht mehr bezahlen müssen, als jene, die an den Endhaltestellen der Regiotram-Strecken wohnen – wie in Hofgeismar oder in Wolfhagen“.

625 Euro Ersparnis

Mit anderen Worten: „Fahrten aus Bad Karlshafen, Breuna, Liebenau, Oberweser, Reinhardshagen, Trendelburg, Wahlsburg sowie aus dem Gutsbezirk Reinhardswald nach Kassel würden nicht mehr nach den Preisstufen 6, 7 oder 8 berechnet, sondern auf die Höhe der Preisstufe 5 festgesetzt“, sagt Ulloth. „Für einen Berufspendler beispielsweise, der gemäß Preisstufe 8 für eine Jahreskarte von Bad Karlshafen nach Kassel rund 2000 Euro zahlen muss, ergibt sich daraus eine Ersparnis von jährlich etwa 625 Euro“ (siehe Kasten).

Einen Modellversuch für günstigere Fahrpreise im öffentlichen Personennahverkehr: SPD-Kreistagsmitglied Oliver Ulloth und Linke-Kreisfraktionsvorsitzender Christian Knoche (rechts) wollen dies auf den Weg bringen. Foto: Naumann

Ulloth und Knoche sind sich sicher, dass dem NVV dadurch keine Verluste entstehen – im Gegenteil. „Die Fahrpreissenkung hat zur Folge, dass mehr Menschen den ÖPNV nutzen“, sagt Knoche. Dieser Zugewinn an Fahrgästen – und damit auch an Einnahmen – mache das Defizit aus der Fahrpreisreduzierung wieder wett. „Erste Modellrechnungen, die wir zusammen mit NVV-Experten gemacht haben, deuten darauf hin, dass unsere Initiative funktioniert“. Das Beispiel des erst jüngst landesweit eingeführten und verbilligten Schülertickets zeige bereits, dass damit deutlich mehr Fahrgäste gewonnen wurden.

„In keinem Fall aber sollen zur Finanzierung dieser Idee die Fahrpreise der Preisstufen 1 bis 5 angehoben werden“, sagen Ulloth und Knoche. Die Finanzierung erfolge allein aus dem Zugewinn neuer Fahrgäste. „Und falls sich wider Erwarten doch kein Fahrgastzuwachs einstellen sollte, werden die Verluste zunächst vom Landkreis sowie vom NVV getragen“.

Interessant soll dieser Vorstoß vor allem für Pendler sein, die bisher nur mit dem Auto zum Arbeitsplatz gefahren sind. „Fährt ein Arbeitnehmer aus Bad Karlshafen fünf Tage pro Woche nach Kassel statt mit einem Benziner nun mit Bus und Bahn zur Arbeit, wird er mit einer Fahrkarte der Preisstufe 5 knapp 100 Euro im Monat einsparen“, rechnet Ulloth vor – „von den positiven Effekten für die Umwelt und der Reduzierung des Verkehrs in Kassel ganz zu schweigen“. Selbstverständlich profitierten von dieser Initiative auch potenzielle Nutzer des Diakonie-Tickets.

„Mit unserer Idee wollen wir auch das Leben in ländlichen Bereichen attraktiver machen“, sagen Ulloth und Knoche. Schon jetzt sorge der demografische Wandel vor allem dort für spürbaren Bevölkerungsrückgang. „Wir müssen die Verkehrsinfrastruktur nicht nur erhalten, sondern auch verbessern“, sagen Ulloth und Knoche, „sonst ist das Gefälle zwischen Stadt und Land nie aufhebbar“.

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