Zusammenführung von Notdienst und Rettungsdienst vorgeschlagen  

Streit um ärztlichen Bereitschaftsdienst in Hessen geht weiter

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Ärztlicher Notdienst in der Diskussion: Während SPD-Landtagsabgeordneter Timon Gremmels die Reform als rein ökonomische Maßnahme ansieht und Änderungen einfordert, sieht Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) keinen Handlungsbedarf.

Kreis Kassel. Der SPD-Landtagsabgeordnete Timon Gremmels (Niestetal) hat die Reform des ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Hessen als gescheitert bezeichnet.

Die auf rein ökonomischen Parametern basierende Reform, so Gremmels, führe insbesondere im ländlichen Raum zu Fehlsteuerungen. Ein Ausweichen auf den Rettungsdienst mit lediglich leichten Krankheiten sei die Folge, meint der SPD-Abgeordnete. „Dies führt dazu, dass der Rettungsdienst belegt ist, wenn ernstere Notfälle auftreten.“ Er fordert eine Prüfung, ob die Zusammenführung des ärztlichen Notdienstes und des Rettungsdienstes nicht eine bessere Alternative wäre.

Timon Gremmels

Gremmels hatte nach Beschwerden von Bürgern und Ärzten in Nordhessen über eine Verschlechterung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, der zum Jahreswechsel reformiert wurde, eine Anfrage an die Landesregierung gestellt. In die Anfrage floss auch die Kritik ein, die Wege der Bereitschaftsärzte zu den Patienten auf dem Land seien zu lang, die Hilfe komme zu spät an.

Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) kommt in seiner umfangreichen Antwort jedoch zu einer anderen Einschätzung. „Die Landesregierung sieht derzeit keinen Handlungsbedarf“, heißt es in dem Schreiben. Sein Ministerium werde die Entwicklung aber sehr genau beobachten.

Die Zahl der Rettungseinsätze steige schon seit einigen Jahren. Inwieweit dies seit Inkrafttreten auch mit der Reform des ärztlichen Bereitschaftsdienstes zusammenhänge, wisse man nicht, da dies statistisch nicht erfasst werde, teilte der Minister in seiner Antwort mit. Der Landesregierung seien keine Fälle von verspätetem Eintreffen der Notfallrettung mit Auswirkungen auf die Gesundheit von Patienten bekannt.

Stefan Grüttner

Auch die Kritik an den langen Wegzeiten von Ärzten zu den Patienten, die 60 Minuten und mehr betragen können, weist Minister Grüttner zurück. Sie seien nicht die Regel, aber in einigen Regionen und bei schlechtem Wetter auch nicht zu vermeiden. Um die Ärzte im Hausbesuchsdienst zu entlasten, könnten sie aber auf einen Fahrer zurückgreifen.

Dem Vorwurf, dass sich durch die Reform die Ruhezeiten der diensthabenden Ärzte verkürzen, tritt der Sozialminister ebenfalls entgegen. „Jeder Arzt muss selbst abwägen, ob er nach einem Nachtdienst in der Lage ist, am nächsten Tag in seiner Praxis zu arbeiten“, teilte Grüttner mit.

Für die Reform der ärztlichen Notdienste ist die Kassenärztliche Vereinigung Hessen zuständig. Aufsichtsbehörde ist das Sozialministerium.

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