Solarmobile aus der Region

Video: So fährt ein Tuk Tuk mit Sonnenkraft 

Kreis Kassel/Kassel. Verfechter spritziger Minimalmobilität müssen jetzt tapfer sein: Das was da am Samstag auf dem Gelände des Energietechnikmuseums am Wasserkraftwerk Neue Mühe in Kassel präsentiert wurde, wird für den deutschen Straßenverkehr in absehbarer Zeit wohl nicht zugelassen werden – aus Sicherheitsgründen.

Dabei versprechen die sogenannten Tuk Tuks enormen Fahrspaß. Die Vehikel haben nur drei Räder, vorne ein kleines Piloten-Cockpit und hinten eine Pritsche, auf die ein Transportkoffer oder Sitzbänke für bis zu vier Personen geschraubt werden kann.

Die Tuk Tuks, die wegen ihres typischen Motorengeräuschs so genannt werden, fahren weltweit millionenfach durch die Gegend – meist in den Riesenstädten Chinas und Indiens. Dort dienen sie den Menschen als Transportmittel für die Waren- oder Personenbeförderung – und sie sind meist alle mit einem kleinen Zweitaktmotor ausgestattet, der ebenso viel Lärm wie Gestank und Dreck macht.

Nicht so das Tuk Tuk am Samstag. Gebaut von der Kirchner Solar Group mit Sitz in Alheim-Heinebach (hinter Melsungen die Fulda rauf) wird es von einem Elektromotor angetrieben, dessen Blei-Säure-Batterien wiederum von einem kleinen Solar-Panel auf dem Dach des Tuk Tuk aufgeladen werden. Genau der richtige Hingucker für die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS), die am Samstag an der Neuen Mühe ihre Delegiertenversammlung hatte.

Hingucker auf der Delegiertenversammlung der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie vergangenen Samstag in Kassel: Christian Wahl, Mit-Geschäftsführer der Kirchner Solar Group, mit seinem Solar-Tuk Tuk.

Erdacht und entwickelt hat das Solar-Tuk Tuk Lars Kirchner, Gründer und Geschäftsführer der Kirchner Solar Group im Jahr 2016. Marktreife hat das Gefährt noch nicht ganz erlangt, es befindet sich noch in der Erprobungsphase.

Getestet wird an einem exklusiven Ort der Erde – auf den Inseln des Königreiches Tonga mitten im Pazifik gut fünf Flugstunden von Australien entfernt. Die Insulaner sind die idealen Probanden für Tuk Tuks. Sie sind gemütlich, immer freundlich und lassen den Tag ruhig angehen. Das Wichtigste aber: „Sie brauchen keine großen und schnellen Autos, um ihren gesellschaftlichen Status zu zeigen“, sagt Christian Wahl, Mit-Geschäftsführer der Kirchner Solar Group. „Das ist denen völlig egal“.

So gurken seit November 2016 bis zu 15 Tuk Tuks über die Hauptinsel Tongatapu – mit 5,4 PS unter der Haube und maximal 50 Kilometern pro Stunde. „Schneller muss man da auch nicht sein, die Hauptinsel ist keine 35 Kilometer lang und 18 Kilometer breit“, sagt Wahl. Tempo sei dort kein Kriterium – „aber eben Umweltschutz, und vor allem eine nachhaltige Energieversorgung“.

Tatsächlich muss das Königreich Tonga alle Energie, die es verbraucht, in Form von Dieselöl teuer importieren – pro Tag 230 000 Liter. Alles wird damit angetrieben: Maschinen, Stromgeneratoren, Autos. „Das ist natürlich sehr teuer und energetisch absolut ineffizient“, sagt Wahl – daher die Tuk Tuks, die Tongas Energieproblem mindern. „So ein Tuk Tuk kommt 100 Kilometer weit. Werden die Batterien nur über das Solar-Panel auf dem Dach des Fahrzeugs aufgeladen, dauert das zwei Tage“. Aber wie gesagt – Zeit ist auf Tonga kein Problem.

Bislang läuft die Testphase gut – das Tuk Tuk aus Alheim-Heinebach soll spätestens Ende 2019 Marktreife erlangt haben. „Dann allerdings mit Lithium-Akkus. Die sind noch mal deutlich langlebiger und leistungsfähiger“, sagt Wahl.

Und was passiert dann? „Afrika“, sagt Wahl. „Afrika sei ein Riesenmarkt für Solar-Tuk Tuks. „Die lassen sich da 100 000-fach verkaufen“. China und Indien kämen nicht in Frage. „Die werden ihre Solar-Tuk Tuks schon selber bauen – einfach, weil auch sie inzwischen das Know-how haben“.

Aber Wahl ist es letztlich egal, wer die Solar-Tuks Tuks für die Welt von morgen baut. „Hauptsache sie werden überhaupt gebaut, um das Energie- und Umweltproblem etwas zu minimieren“. Für Deutschland werden Tuk Tuks aber ein Traum bleiben. „Unsere Kultur ist einfach zu schnell für diese Form der Fortbewegung“, ist sich Wahl sicher.

Rubriklistenbild: © Christian Wahl

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