Vor allem Akademikerinnen sind benachteiligt

Unterschied zwischen Männer und Frauen: Im Kreis Kassel ist die Lohnlücke besonders groß

Noch immer verdienen viele Frauen trotz gleicher oder besserer Bildung weniger als ihre männlichen Kollegen. Der Kreis Kassel gehört zu den hessischen Kommunen mit einer besonders großen Lohnlücke.

Das geht aus dem kürzlich vorgestellten Hessischen Lohnatlas hervor. Für die Studie hat das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Frankfurter Goethe-Universität Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Landesamtes von 2015 ausgewertet. Mithilfe der Daten wurde die Lohnlücke zwischen dem Bruttomonatsentgelt von Frauen und Männern ermittelt. Um eine möglichst hohe Vergleichbarkeit zu erreichen, wurden für die Analyse nur Vollzeitbeschäftigte in sozialversicherungspflichtiger Arbeit berücksichtigt.

Im Kreis Kassel verdienen Frauen im Schnitt 784 Euro weniger brutto als ihre männlichen Kollegen. Das entspricht einer Lohnlücke von 22,3 Prozent zwischen Frauen und Männern. Damit befindet sich der Kreis Kassel deutlich über dem hessischen Schnitt von 14,1 Prozent. Die Stadt Kassel hingegen liegt mit 12,5 Prozent unter dem hessischen Schnitt. Hier verdienen Frauen im Schnitt 412 Euro brutto weniger Männer.

Berufsabschluss hat große Auswirkungen

Die Studie zeigt besonders deutlich, wie stark der Berufsabschluss Auswirkungen darauf hat, wie groß die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern ist. Während Frauen mit Berufsabschluss im Vergleich 759 Euro weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, verdienen Akademikerinnen im Schnitt ganze 1561 Euro weniger als Männer auf dem gleichen Qualifikationsniveau im Kreis Kassel.

Die Gründe für die große Lücke zwischen dem, was Männer und was Frauen in einem Beruf verdienen, sind unterschiedlich. In ländlichen Regionen wie dem Kreis Kassel gibt es zum Beispiel weniger Großunternehmen und dadurch weniger Chancen für Frauen, in Führungspositionen zu kommen, erklärt Dr. Christa Larsen, IWAK-Geschäftsführerin und Autorin der Studie. „Es hat auch etwas mit Kultur und dem Arbeitsmarkt zu tun.“ Ein weiteres Problem ist, dass immer noch hauptsächlich Frauen in Teilzeit arbeiten. Mit 57,9 Prozent geht laut der Studie deutlich mehr als die Hälfte der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen einer Teilzeitarbeit nach.

Lohnatlas will Chancen aufzeigen

Der Lohnatlas will aber auch Chancen aufzeigen. „Der Lohnatlas zeigt, wo Frauen jetzt stehen und will einen Weg aufzeigen für die Zukunft“, sagt Christa Larsen. Denn schon jetzt gibt es einen Fachkräftemangel, der bis zum Jahr 2020 im Kreis Kassel nach Schätzung der Wissenschaftler noch ansteigen wird. Hier sehen die Autoren der Studie eine große Chance für Frauen. „Wir wollen mit dem Lohnatlas zeigen, wie man den demografischen Wandel nutzen kann, um Frauen zu fördern und Entgeltgleichheit zu schaffen“, sagt Larsen.

Um die Lücken zu füllen, bieten sich nach Meinung der Forscher die bisher nicht erschlossenen Potenziale einer großen Zahl von Frauen an, die im Kreis Kassel leben und derzeit in Teilzeit oder Minijobs arbeiten, beziehungsweise arbeitslos sind. Man benötige eine gute Strategie und eine gezielte Orientierung sowie Qualifizierung von Frauen. Dazu gehöre auch, die Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen zu verbessern.

„Frauen sind gute Chancenverwerter“, sagt Larsen. „Wenn es gelingt, mehr Frauen als bisher in Vollzeit zu integrieren, kann dies ein nachhaltiger Beitrag zur Förderung der Entgeltgleichheit im Kreis Kassel sein.“

Rubriklistenbild: © dpa

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