127.000 Euro Provisionen

Versicherungsbetrüger erhält ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung 

Kreis Kassel. Zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ist ein 28-jähriger Mann aus dem Landkreis wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung am Dienstag verurteilt worden.

Die Strafe wird gegen die Zahlung eines Betrags von 1200 Euro für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

In 32 Fällen hatte der Mann als selbstständiger Versicherungsmakler von September bis Oktober 2012 bei drei großen deutschen Versicherungen fingierte Anträge für private Kranken- und Lebensversicherungen eingereicht. Dafür wurden ihm auf einem Verrechnungskonto Provisionen zwischen jeweils 1500 bis 5000 Euro gutgeschrieben, insgesamt etwa 127.000 Euro. Die wurden bis auf einen Vorschuss in Höhe von 20.000 Euro allerdings nicht ausgezahlt. „Ich war überrascht, wie einfach das ging“, sagte der 28-Jährige, gelernte Maler- und Lackierer vor Gericht. Die Geschichte erinnert etwas an den Hauptmann von Köpenick, einem Schuhmacher, der als Hauptmann verkleidet den Bürgermeister verhaftete und die Stadtkasse ausraubte.

Der Mann hatte sich als Tipp-Geber, der potenzielle Kunden an Versicherungsmakler vermittelt, selbstständig gemacht. Als das Geschäft nicht lief und sich Schulden auftürmten, sei ihm die Idee mit den fingierten Anträgen gekommen, quasi als „Umschuldungskonzept“. Mit den Provisionen habe er seine Schulden begleichen und die Versicherungsanträge anschließend widerrufen und so niemandem schaden wollen, gab er an. „Es war naiv, ich habe da nicht großartig drüber nachgedacht“, räumte er ein.

Er hatte von einer Bekannten ein Makler-Büro übernommen und Versicherungsanträge auf die Namen von Familienangehörigen und Bekannten ohne deren Wissen ausgestellt, ihre Unterschriften gefälscht. Als Bankverbindung setzte er Kontodaten von großen Firmen ein, die er im Internet recherchierte. Damit Post seitens der Versicherung an die vermeintlichen Kunden zugestellt werden konnte, präparierte er in Kassel vorübergehend verschiedene Briefkästen mit den auf den Versicherungsanträgen angegebenen Namen und Adressen. „Das funktionierte problemlos“, sagt er.

Für die Gründung der GmbH als selbstständiger Versicherungsmakler manipulierte er einen Kontoauszug, für Anmeldung bei der Industrie- und Handelskammer nutzte er einen zurückgelassenen Versicherungsmakler-Ausweis seiner Büro-Vorgängerin, die er als seine Angestellte ausgab. Auch das funktionierte ohne Probleme. Er wurde sogar angemahnt, weil der den Originalausweis mitgebracht hatte: „Eine Kopie hätte gereicht.“

Ein schlechtes Gewissen habe er bekommen, als er um einen Provisions-Vorschuss von 20.000 Euro bei einer Versicherung bat und den auch erhielt. „Anschließend habe ich die Sache abgebrochen und die Anträge wiederrufen“, sagte er.

Als großes Plus werteten Gericht und Staatsanwaltschaft sein umfangreiches Geständnis. Da er seit vier Jahren als Kommissionierer und Auslieferungsfahrer arbeitet und sich nichts hat zuschulden kommen lassen, wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

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