Blick auf den Immobilienmarkt

Viele wollen bei Kassel wohnen - Speckgürtel ist begehrtes Baugebiet

Kreis Kassel. Die Grundstücks-, Haus- und Wohnungsverkäufe ziehen im ländlichen Raum wieder an, vor allem in den begehrten Lagen mit guter Infrastruktur im Speckgürtel von Kassel.

Das ist dem neuen Immobilienmarktbericht des Amts für Bodenmanagement (AfB) Korbach zu entnehmen, der auf der Grundlage der Daten der sogenannten Gutachterausschüsse für Immobilienwerte erhoben wird.

Der Anstieg von Verkäufen sei im mittleren Preissegment (Bodenrichtwert zwischen 51 und 100 Euro pro Quadratmeter) und im Bereich der Eigentumswohnungen zu verzeichnen, während die hochpreisigen und sehr billigen Immobilien stagnierten, sagt Amtsleiter Frank Mause. „Die Immobilien auf dem flachen Land hat man zu Unrecht totgesagt“, erklärte er. Gut da stehen unter anderem auch die Städte Wolfhagen und Hofgeismar. In Wolfhagen hätten die Preise durch die Ausweisung neuer Baugebiete spürbar angezogen, so Mause.

Auch die weniger begehrten Regionen im Niedrigpreissegment wie beispielsweise Oberweser seien nicht chancenlos, dort müssten Verkäufer nur einen langen Atem haben. „Der Markt hat sich behauptet“, erklärte Mause. Das gelte sogar für alte Häuser im Billigsegment. Davon seien 2016 20 Gebäude veräußert worden. Gerade beim unteren Preisniveau sei ein überdurchschnittlicher Preisanstieg zu verzeichnen.

Der Immobilien-Markt im Kreis Kassel: Um die gesamte Grafik zu sehen, bitte das Bild in der rechten oberen Ecke vergrößern.

Der Gesamtumsatz von Immobilienverkäufen sei nach einem Einbruch in 2015 nun wieder auf 350 Millionen Euro geklettert und liege damit 1,8-mal so hoch wie noch 2008, berichtete Mause. Das hat sich offensichtlich auf die Preise ausgewirkt: Im gleichen Zeitraum sind die durchschnittlichen Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 22 Prozent, die von Reihenhäusern gar um 35 Prozent. Die Preisspanne für Bauland klafft im Kreis gewaltig auseinander. Zwischen Oberweser, wo man laut Mause schon für 30 oder 40 Euro pro Quadratmeter einen Bauplatz bekommt und der Stadt Vellmar liegen Welten: „Vellmar kratzt teilweise schon an der 200 Euro-Marke“, sagt der Amtsleiter. Bauträger, die hoch verdichtete Objekte bauen, seien oft bereit, mehr für den Boden zu zahlen.

Mehr als 2800-mal wechselte 2016 eine Immobilie im Kreis den Besitzer: Spitzenreiter ist mit 208 Verträgen die Stadt Baunatal, gefolgt von Vellmar (190) und Wolfhagen (183). Doch die hohe Zahl der Verkäufe kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch viel Nachfragedruck im Markt ist. 

In der Not entscheidet das Los:

Die Zahlen im neuen Immobilienmarktbericht des Amts für Bodenmanagement in Korbach deuten es an: In Lagen, die einen relativ hohen Wohnwert aufweisen, eine gute Infrastruktur und eine gute Verkehrsverbindung nach Kassel versprechen, sich aber zugleich noch auf einem moderaten Preisniveau bewegen, werden verstärkt Baugrundstücke oder Häuser gekauft. Dabei scheint der Markt in bestimmten Gegenden regelrecht heiß zu laufen, weil die Nachfrage das Angebot bei Weitem übersteigt.

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Beispiel Kaufungen: Für die zehn Bauplätze im neuen Wohngebiet "Südlich des Kreisels" in Oberkaufungen gingen vergangenes Jahr nach Angaben von Bürgermeister Arnim Roß (SPD) rund 125 Bewerbungen ein. In ihrer Not griff die Gemeindevertretung zu einem ungewöhnlichen Verfahren: Sie ließ das Losglück unter notarieller Aufsicht entscheiden. In Schauenburg hat die Gemeinde nach den Worten von Bürgermeisterin Ursula Gimmler (CDU) noch nicht zur Lostrommel gegriffen, auch wenn dort der Nachfragedruck beständig ist. "Alle Baugebiete in den letzten Jahren waren überzeichnet", sagt Gimmler. Für das gerade in der Erschließung befindliche Baugebiet Fiedelhof II im Ortsteil Elgershausen habe es für die 43 Grundstücke 508 Bewerbungen gegeben. Für die Käufer galt hier: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

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Özlem Özkan zählt nach eigenen Worten mit ihrer Familie zu den Glücklichen, die in Kaufungen ein Grundstück ergattert haben. "Ich kenne allein in meinem Umfeld sechs Familien, die auch gerne bauen möchten, aber kein Grundstück in Kassel und Umgebung finden", sagt sie. Es sei heute wegen der extrem niedrigen Zinsen häufig interessanter, selbst zu bauen als ein fertiges Gebäude zu erwerben. Denn selbst für alte, renovierungsbedürftige Häuser würden mehr als stolze Preise verlangt.

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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