Quote wird gefordert

Weibliche Führungskräfte: In der Region stagniert die Zahl

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Frauen in der Chefetage: Für den Landkreis und die Stadt Kassel gibt es keine Zahlen über Frauen in Führungspositionen. Vermutet wird, dass es weniger sind als in Deutschland insgesamt.

Kreis Kassel. Jede dritte Führungskraft in Deutschland war im Jahr 2015 weiblich, das hat das Statistische Bundesamt ermittelt. In Hessen gibt es laut Mikrozensus rund 92.000 Frauen, die über Personal, Budget und Strategie entscheiden dürfen.

Wie es in Stadt und Kreis Kassel aussieht, ist dagegen weitgehend unbekannt. Schätzungen gibt es aber schon, und die sehen die Region unter dem Bundes-Niveau. Barbara Valenti, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands im Unternehmerinnen-Forum Nordhessen, schätzt, dass die Zahl der Frauen im Raum Kassel, die in leitender Funktion arbeiten, ein Drittel unter dem Bundeswert liegt. In Nordhessen seien viele technische Unternehmen angesiedelt, dort gebe es „per se weniger Frauen“, sagt sie.

Das sieht Christel Thomas ähnlich. Sie ist Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Agentur für Arbeit in Kassel. Auch die Arbeitsagentur in Kassel hat keine konkreten Zahlen, doch Thomas vermutet, dass die Zahl der Frauen in leitender Position stagniere. „Es ist etwas besser geworden, aber wir sind noch weit weg von dem, was sein könnte.“ Wer als zweifache Mutter Teilzeit in gehobener Position arbeiten wolle, für den werde es in der Region „eng“. Bei der Agentur für Arbeit gebe es einige Teamleiterinnen, „weil das gewünscht ist“. Es sei branchenabhängig, wie sich Frauen positionieren könnten. Gesundheit Nordhessen (GNH) ermögliche es, dass eine Chefärztin auch in Teilzeit arbeiten könne, auch Volkswagen in Baunatal bemühe sich um Frauen auf allen Ebenen. „Eine Vorreiterrolle hat aber der öffentliche Dienst.“ Unternehmen müssten den Schritt zur Frauenquote machen, fordert sie.

Dass Frauen im Arbeitsleben generell „zurückhaltender und nicht so forsch“ agieren, hat Barbara Valenti, die in Kassel Coach und Beraterin für Organisationen ist, schon oft festgestellt. Allerdings gebe es Generationenunterschiede. Bei der Generation Y – zwischen 1980 und 1999 Geborene – seien die Unterschiede zwischen Frauen und Männern oft geringer. Insgesamt fehle es an Vorbildern, sagt Barbara Valenti.

Anhand einer Stichprobe aus dem Mikrozensus haben die Statistiker vom Landesamt die 92 000 Frauen in Führungspositionen berechnet. Hinzu kommen noch 146 000 weibliche Aufsichtskräfte, die andere Mitarbeiter anleiten und kontrollieren. Zum Vergleich: Demgegenüber gibt es insgesamt 248 000 männliche Führungskräfte in Hessen und 222.000 Männer, die andere Mitarbeiter anleiten und beaufsichtigen.

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