Arbeitssicherheit steigt

Weniger Unfälle in Wald und Flur

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Unfallvermeidung bei der Waldarbeit fängt nicht erst beim Fällen von Bäumen an. Unser Symbolbild zeigt den Stumpf eines korrekt gefällten Baumes. Die gut erkennbare Stufe im Stumpf sorgt dafür, dass die Fallrichtung des Baumes und der Zeitpunkt des Umstürzens gesteuert werden können.

Kreis Kassel. Die Zahl der Arbeitsunfälle in der Land- und Forstwirtschaft ist im Landkreis Kassel deutlich zurückgegangen. Bundesweit sank die Zahl der Arbeitsunfälle zwischen 2005 und 2015 um fast 20 Prozent. In Hessen gab es elf Prozent weniger Arbeitsunfälle im Zehn-Jahres-Vergleich.

Die Industriegewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt spricht sogar von einer Trendwende. Die jahrelange Arbeit für mehr Prävention und Arbeitschutz zahle sich aus, erklärt Klaus Michalak, Bezirkschef der IG BAU Nordhessen.

Bestätigen kann diese Entwicklung auch Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes. "Tatsächlich hat es in unserem Verbandsgebiet in den vergangenen Jahren kaum mehr schwere Unfälle gegeben", sagt Schaumburg. Zum Thema Arbeitssicherheit biete inzwischen die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) zahlreiche Lehrgänge und Informationsangebote für Betriebsleiter wie auch für Angestellte an. "Das alles wird auch rege genutzt".

Zudem hätten sich in den vergangenen Jahren die Strukturen geändert. Es gebe weniger, dafür aber größere Betriebe, die engmaschiger durch die SVLFG kontrolliert werden könnten. "Längst sind die Kontrollen sehr konstruktiv", sagt Schaumburg. So werde bei Mängeln sofort nach Lösungen gesucht, statt einfach nur mit Bußgeldern zu drohen. "Die in die SVLFG eingebettete Berufsgenossenschaft hat verstanden, dass beim Thema Arbeitssicherheit schnelle Lösungen die Versicherungskosten deutlich senken", sagt Schaumburg.

Nicht zuletzt habe sich bei den Maschinen viel getan. "Inzwischen mischen die SVLFG wie auch die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft bei der Entwicklung und Produktion von landwirtschaftlichen Maschinen und Anlagen ordentlich mit, um schon von vorn herein möglichst arbeitssichere Geräte auf den Markt zu bringen".

Keine schweren Unfälle mehr

Auch im Bereich Forstwirtschaft gehen die Unfallzahlen laufend zurück, bestätigt Hessen Forst-Sprecher André Schulenberg. Habe es landesweit 2011 noch 111 Waldunfälle gegeben, waren es 2015 nur noch 64 – also fast 43 Prozent weniger. "Einen richtig schweren Unfall, bei dem ein Fortswirt länger als 90 Tage lang krank geschrieben war, hat es bei uns seit zwei Jahren nicht mehr gegeben", sagt Schulenberg.

Aufklärungs- und Präventionsarbeit werde nicht erst seit dem verheerenden Windwurf durch Orkan Kyrill im Januar 2007 betrieben. "Seit 2005 gibt es bei Hessen Forst eine umfängliche Arbeitssicherheitsberatung, die fortlaufend weiterentwickelt wird", sagt Schulenberg. Inzwischen profitierten davon 723 betriebseigene sowie rund 270 kommunale und private Forstwirte pro Jahr.

Handlungsbedarf sieht die IG BAU Nordhessen allerdings noch im Bereich der Tierhaltung. Rund sieben Prozent der Unfälle gab es bei Rinderhaltern. Nach Ansicht der Kreisbauernverbandes sei hier das Unfallrisiko deutlich höher als bei an deren Betriebszweigen. "Der Unsicherheitsfaktor sind hier die Tiere selbst", sagt Schaumburg. Besonders gefährdet seien die Bullenmäster.

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