Urteil vor dem Landgericht Kassel

Wertvolle Edelmetalle entwendet: Zwei Männer für Diebstahl bei VW verurteilt

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Im Katalysator stecken etliche wertvolle Edelmetalle wie Platin, die zurückgewonnen werden: Unser Bild entstand in der Abgasanlagenfertigung im VW-Werk Kassel in Baunatal.  

Kassel. Über ein Jahr nach dem ersten Verhandlungstag ist am Mittwoch der Prozess vor dem Landgericht wegen des Diebstahls von wertvollem Katalysatorenstaub vom VW-Recyclinghof auf dem Kasseler Henschel-Gelände zu Ende gegangen.

Der inzwischen 62-jährige Hauptangeklagte, der am Mittwoch 50 Taten mit einem Schaden von etwa 200.000 Euro gestanden hatte, wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren zur Bewährung verurteilt. Sein 55-jähriger Komplize, der letztlich 18 Taten eingeräumt hatte, erhielt eine Bewährungsstrafe von zwölf Monaten. Das Verfahren gegen den 30-jährigen Sohn des 62-Jährigen, der von seinem Vater 200.000 Euro für einen Hauskauf erhalten hatte, wurde eingestellt. Der junge Mann hat eingeräumt, das Geld „leichtfertig“ angenommen zu haben.

Dem Urteil durch die 6. Strafkammer mit Richter Volker Mütze an der Spitze war eine Verständigung aller Prozessbeteiligter vorangegangen. Vater und Sohn erklärten sich bereit, 180.000 Euro an den VW-Konzern zurückzuzahlen. Der 55-Jährige hat bereits 20.000 Euro zurückgezahlt und will noch 10.000 Euro abstottern, dann würden ihm die restlichen 30.000 Euro von VW erlassen.

Mindestens eine Kiste pro Woche

Die beiden älteren Angeklagten waren im Jahr 2007 auf dem Recyclinghof beschäftigt. Sie zerlegten alte Katalysatoren, deren Schrott zu Staub zermahlen wurde. Darin befinden sich wertvolle Edelmetalle wie Platin, Palladium und Rhodium. Mindestens einmal pro Woche stellten die Angeklagten eine Kiste mit dem Schrott zur Seite, die dann nachts vom Gelände geschafft und an unbekannte Abnehmer verkauft wurde. Jeder Kiste enthielt Edelmetall im Wert von rund 5000 Euro.

Angeklagt war der Diebstahl von fast 20 Tonnen im Wert von 1,3 Millionen Euro. Diesen Schaden konnte Staatsanwältin Kerstin Nedwed letztlich nicht belegen, weil er zum Teil nur auf Hochrechnungen basierte. Deshalb schrumpften Schaden und Strafe im Verlauf des überlangen Verfahrens auch tüchtig zusammen.

Aufgeflogen war der Diebstahl, an dem noch weitere Personen beteiligt waren, weil einer der Beteiligten zu sehr mit Geld um sich warf. Ein Mitangeklagter – eigentlich eine größere Nummer als die beiden jetzt verurteilten – stellte sich flugs als Kronzeuge zur Verfügung. Sein Lohn: Er wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

VW-Konzern hat  unrühmliche Rolle

Eine wenig rühmliche Rolle spielte bei dem ganzen Geschehen der VW-Konzern. Dem war über Monate hinweg nicht aufgefallen, dass vom Henschel-Gelände tonnenweise der wertvolle Staub entwendet worden war, wie die Verteidiger in ihren Plädoyers ausführten. Der Konzern sei extrem sorglos mit dem wertvollen Zeug umgegangen und habe den Dieben die Taten so leicht gemacht.

Nach den beiden jetzt verurteilten Männern hatte eine zweite Gruppe von Tätern die gleichen Diebstähle fortgesetzt. Ihnen soll zu einem späteren Zeitpunkt der Prozess vor dem Landgericht gemacht werden.

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