Arbeiten an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Kassel 

Balanceakt mit 26 Tonnen: Wie der Arbeitsalltag eines Kranführers aussieht

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Schwere Last: Ein 26 Tonnen schweres Betonteil muss in die richtige Position gehievt werden. Zusammen mit fünf weiteren Teilen auf dem Gelände der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule wird daraus schließlich ein Löschwasserbehältnis mit 200 Kubikmetern Größe.

Kreis Kassel/Kassel. Als Kranführer braucht Mario Wildner Nerven wie Drahtseile. Auf dem Hof der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Kassel hat er kürzlich gearbeitet. Wir waren dabei. 

Wenn Mario Wildner von der Firma Regel arbeitet, hat er Material, Geld und nicht zuletzt Menschenleben in der Hand. Wildner ist Kranführer, seit 1992. „Reine Routine“ ist es für den 53-Jährigen also, gleich das 26 Tonnen schwere Betonteil mit seinem Kran über den Pausenhof der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule (Oberzwehren) zu hieven. Sein Job: Insgesamt sechs Betonkonstruktionen vom Lkw abladen und in einer Reihe in einen Schacht bugsieren. Zusammengesetzt wird daraus ein Löschwassertank mit einer Größe von 200 Kubikmetern.

„Mit Hektik geht hier gar nichts“, sagt er und wartet. Nachdem Servicemonteur Patrick Prischl (Firma Mall aus Neustadt) die Haken am Betonungetüm befestigt hat, gibt er vom Boden aus das Zeichen. Zwei Finger in die Luft. Der 544 PS starke Motor des Krans heult auf. „Wenn ich das Betonteil jetzt nicht ausbalanciert kriege, haut es mir ab“, sagt Wildner, deutet auf den Lkw, der hinter der Betonkonstruktion steht und fügt hinzu: „Dann rauscht es da rein.“

Er müsse das Teil in die Höhe hieven, indem er Hubseil und Mast abwechselnd bedient. Einen Moment lang scheint sich das Ungetüm kaum zu bewegen, dann geht alles ganz schnell. Ratzfatz hängt es knapp über der Grube. Jetzt ist Millimeterarbeit angesagt: Mithilfe von Patrick Prischl und seinem Kollegen Waldemar Moor wird der Betonklotz passgenau an den anderen gereiht.

An seinem Arbeitsplatz: Mario Wildner in der Kabine seines Krans, der bis zu 250 Tonnen heben kann.

Passiert Wildner jetzt ein Fehler, könnten die beiden Monteure, die sich im und um den Klotz bewegen, schwer verletzt werden. Aber: „Wir vertrauen Mario“, sagt Moor. Schließlich haben sie schon unzählige Male zusammengearbeitet.

Was für die Arbeiter reine Routine ist, ist für Landkreissprecher Harald Kühlborn ein besonderes Bild: „Solch ein Autokran, der 250 Tonnen heben kann, ist auf Schulbaustellen nicht alltäglich.“ Das Bauvorhaben mache allerdings solch schwere Mittel notwendig. Um für den Brandfall gerüstet zu sein, müsse für die Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule und die benachbarte Willy-Brandt-Schule ein entsprechend großer Löschwassertank her. Ebenso wollte der Landkreis als Bauherr mehr Platz für den Pausenhof und zum Parken – insgesamt 800 Quadratmeter. Das alte Hausmeisterhäuschen auf dem Hof musste weichen. Beides koste rund 158 000 Euro.

Da in dem Hausmeistergebäude auch der Hauswasseranschluss für beide Schulen lag, wird dieser in den kommenden Tagen ebenfalls neu gebaut. Kühlborn gibt einen Ausblick: „Wir planen, dass die großen Arbeiten am Hof sowie kleinere Projekte auf dem Schulgelände Mitte August im Groben abgeschlossen sind.“ Dann könnten auf den jeweils dafür vorgesehenen Flächen Kinder spielen und Autos parken. Die weiteren Arbeiten, so der Sprecher, seien voraussichtlich bis zu den Herbstferien abgeschlossen. Insgesamt koste das Projekt 350 000 Euro. 70 000 Euro zahle der Landkreis, 280 000 Euro kämen über das kommunale Investitionsprogramm vom Land Hessen.

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