Anzeige bei Polizei kostenfrei

Wildunfall gemeldet: Forstamt kassierte 15 Euro

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Wildunfall: Diese Situation ist an Waldrändern nicht ungewöhnlich. Ein Auto ist mit einem Reh kollidiert. Das Tier verendet am Straßenrand. Als Erstes muss der Autofahrer den Unfall melden.

Kreis Kassel. Die Situation haben viele Autofahrer schon erlebt: Plötzlich schießt in der Dämmerung ein Reh aus dem Wald auf die Straße. Ausweichen unmöglich.

Es kommt zum Zusammenstoß. Das Tier ist schwer verletzt oder verendet nach dem Aufprall.

Einige Autofahrer melden den Vorfall bei der Polizei, andere rufen beim Forstamt an. Für Letzteres hat das Forstamt Wolfhagen einem Autofahrer aus dem Landkreis einen Gebührenbescheid über 15 Euro ausgestellt. Ein durchaus übliches Vorgehen, wie Hessen-Forst sagt. Bei der Polizei ist die Anzeige hingegen kostenfrei.

„Ich war geplättet“, sagt der betroffene Autofahrer, der nicht mit Namen genannt werden will, im Gespräch mit der HNA. Er habe an dem Abend den Förster sogar zu dem Reh gefahren, weil dieses noch am Straßenrand lag. In einer Wanne, in seinem Auto, habe man das Tier dann zur Revierförsterei gebracht, berichtet der Fahrer.

Theodor Arend

Der Mann war mit dem Reh im Habichtswald auf der Straße zwischen dem Hohen Gras und dem Ehlener Kreuz kollidiert. „Ich habe noch eine Vollbremsung gemacht“, sagt er. „Ich konnte aber nicht mehr rechtzeitig anhalten.“

Theodor Arend, stellvertretender Leiter von Hessen-Forst in Wolfhagen, bestätigt das Erheben einer Gebühr durch die Forstbehörde. „Wir machen das seit Jahren“, sagt Arend. Schließlich habe der Revierförster mit dem Fall auch Arbeit. Das Ausstellen der Unfall-Bescheinigung für die Versicherung sei ein echter Service durch das Forstamt. „Das ist eine Dienstleistung gegenüber Dritten.“

Grundsätzlich rät Arend dazu, nicht den Förster anzurufen, sondern die Polizei. „Hier ist eindeutig die Ordnungskraft vor Ort gefragt. Manchmal geht es ja auch um eine Absicherung der Unfallstelle“, sagt er. „Die Polizei kann das am besten beurteilen.“

Torsten Werner

Auch Polizeisprecher Torsten Werner rät eher zur Kontaktaufnahme mit der Polizei. „Natürlich kann man auch den Jagdausübungsberechtigten anrufen“, sagt er. „Aber möglicherweise handelt es sich um eine Gefahrenstelle, die beseitigt werden muss.“ Werner und Arend unterstreichen zudem, dass ein Autofahrer auf keinen Fall das Tier im Fahrzeug mitnehmen dürfe. Dabei handele es sich um Wilddieberei. „Das ist ein Straftatbestand“, so Arend.

Hessen-Forst weist in diesem Zusammenhang noch einmal auf die Gefahren für Mensch und Tier hin. Gerade in der Dämmerung am frühen Morgen oder am Abend sollten die Autofahrer ganz besonders auf Wildtiere achten, sagt Theodor Arend und bittet um vorsichtige Fahrweise.

Übrigens: Vermutlich bekomme der Gebührenzahler die vom Forst erhobene Summe von der Versicherung erstattet. Davon geht zumindest Ralf-Rüdiger Engelhardt aus. Der Versicherungsbetriebswirt aus Schauenburg-Elmshagen behandelt den Fall des Mannes aus dem Landkreis Kassel. Dennoch räumt auch Engelhardt ein, dass die Sache für den Autofahrer ärgerlich gewesen sei.

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