Windkraft in der Region Kassel

Windparks Steinberg und Reinhardswald: Planungen gehen weiter

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Zwei weitere Windparks mit bis zu 25 Windrädern sind in der Region um Kassel geplant. Wieder sitzen regionale Akteure wie die SUN, die EGR und die EAM am Ruder. Die Anlagen sollen später unter anderem von heimischen Bürgerenergiegenossenschaften betrieben werden. Unser Bild zeigt den Windpark Söhrewald am Warpel.

Kreis Kassel. Der Ausbau der Windkraft durch regionale Akteure rund um Kassel geht weiter. Betroffen sind vor allem die geplanten Windparks am Steinberg und im Reinhardswald.

Nach Fertigstellung von vier Windparks im Altkreis östlich von Kassel in den vergangenen vier Jahren sind nun im weiteren Umfeld zwei weitere Windparks geplant – auf dem Steinberg im Kaufunger Wald sowie im Reinhardswald. Hier der Stand der Planungen:

Windpark Steinberg

Der Windpark Steinberg westlich von Ziegenhagen befindet sich mitten in der Planungsvorbereitung. „Der Bauantrag wird frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2018 gestellt werden“, sagt Thomas Weil, Chef der Stadtwerke Witzenhausen. Als Konsortialführer mit 44 prozentiger Projektbeteiligung sind die Stadtwerke Witzenhausen für die Planung und Realisation des Windparks Steinberg zuständig. 

Das Projekt angestoßen hatte die Stadtwerke Union Nordhessen (SUN), an der die Stadtwerke Witzenhausen ebenso beteiligt sind wie die Stadtwerke Kassel und weitere vier kommunale Werke.

Vier bis fünf Windkraftanlagen der 4,2 Megawatt-Klasse mit einer Gesamthöhe von 230 Metern sollen dort entstehen. Die Fläche wurde bereits 2014 von der Forstverwaltung Buttlar-Elbenberg gepachtet. Der Standort weist Windgeschwindigkeiten von über 7 Meter pro Sekunde auf und gilt damit als Spitzenstandort für Windräder. Ende 2019 soll der Windpark ans Netz gehen und jährlich 70 Gigawattstunden Strom produzieren und somit 24 000 Haushalte versorgen. Die Investitionskosten liegen bei etwa 30 Mio. Euro.

Wie schon bei den bereits in Betrieb gegangenen Windparks im Altkreis Kassel soll noch eine Betreibergesellschaft „Windpark Steinberg“ unter starker Beteiligung von regionalen Stadtwerken und Bürgerenergiegenossenschaften gegründet werden. Doch bis es so weit ist, sind noch einige Hürden zu nehmen. Der Windpark Steinberg ist ein gutes Beispiel dafür, wie kompliziert die Realisierung eines Windparks sein kann (siehe Text unten).

Windpark Reinhardswald

Aktuell plant die Energiegenossenschaft Reinhardswald (EGR) in Kooperation mit der EAM und SUN-Partnern einen großen Windpark im Reinhardswald. Bis zu 20 Anlagen könnten künftig auf dem Langenberg sowie auf dem Farrenplatz entstehen. Je nach eingesetztem Anlagentyp könnten dort dann bis zu 180 Gigawattstunden Strom produziert werden, was für 60 000 Haushalte reicht. Der Pachtvertrag für die erforderlichen Flächen wurde bereits im Juli 2017 mit Hessen Forst geschlossen.

Die Planungen stecken noch in den Kinderschuhen, sie werden federführend von der EGR geschultert. Der EGR gehören die vier Kommunen Trendelburg, Fuldatal, Grebenstein und Immenhausen an. Demnächst steht die Gründung einer Verwaltungs-Gesellschaft auf der Agenda. Daran werden sich ebenfalls wieder die EAM sowie die SUN beteiligen. Diese Gesellschaft wird dann auch die erforderlichen Anträge zur Genehmigung des Windparks auf den Weg bringen. Die EGR geht aktuell davon aus, dass im Frühjahr 2019 die Genehmigung vorliegt.

Wie schon beim Windpark Steinberg wird auch hier das Genehmigungsverfahren kein Spaziergang sein. Der Regionalplan Energie sieht für den Standort Langenberg eine Verträglichkeitsprüfung für das angrenzende FFH-Gebiet „Weserhänge mit Bachläufen“ vor. Ebenso ist ein hydrologisches Gutachten sowie eine Prüfung archäologischer, bau- und kulturdenkmalpflegerischer Belange erforderlich.

Windparks im Kreis Kassel: Langer Weg bis zur Baugenehmigung

Zwar wurde der Steinberg im Regionalplan als Vorrangfläche für Windkraftanlagen ausgewiesen, dennoch befindet sich das Areal immer noch mitten im FHH-Gebiet „Werra- und Wehretal“. Das Avifauna-Konzept zum Regionalplan erkennt ein „großes Konfliktpotenzial“ mit in der Nähe brütenden Schwarzstörchen. 

Zudem weist der Regionalplan diesen Bereich als Vorbehaltsgebiet für den Gewässerschutz sowie als Vorranggebiet für Natur und Landschaft aus. „Dort müssen also besonders strenge Genehmigungsvorgaben erfüllt sein, um hier überhaupt Windkraftanlagen bauen zu dürfen“, sagt Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel.

Konkret heißt das: Es muss eine vertiefende artenschutzrechtliche Studie erstellt werden, auch steht mit Blick auf das FHH-Gebiet noch eine Verträglichkeitsprüfung mit der Maßgabe aus, „jede Möglichkeit einer Beeinträchtigung oder Verschlechterung zu vermeiden“, sagt Conrad. Nicht zuletzt sei ein hydrologisches Gutachten erforderlich. „Wir sind gerade dabei, diese erforderlichen Untersuchungen zu machen“, sagt Thomas Weil, Chef der Stadtwerke Witzenhausen.

Hinzu kommen Probleme mit der Grenzlage zu Niedersachsen, weil der Windpark nur von dort erreichbar ist. Bislang will die Stadt Hann. Münden weder Grundstücke für die Zuwegung verkaufen, noch Wege für die Baufahrzeuge ausbauen. Vielmehr muss erst geprüft werden, ob nach der Raumordnung eine Zuwegung von Niedersachsen aus überhaupt genehmigt werden kann. So prüfen die Stadtwerke Witzenhausen gerade, ob auch eine Zuwegung auf der topografisch wesentlich steileren hessischen Seite möglich ist.

Vier Windparks sind im Kreis Kassel bereits am Netz

Vier Windparks östlich von Kassel sind inzwischen am Netz. Sie werden von Bürgegenossenschaften sowie von kommunalen Akteuren betrieben:

Windpark Söhrewald/Niestetal: Fünf Windräder stehen in der Söhre und zwei Windräder am Sandershäuser Berg in Niestetal. Dieser Windpark erzeugt im Schnitt 45 Gigawattstunden pro Jahr. Das reicht für 14 900 Haushalte.

Windpark Rohrberg: Dieser Windpark zählt fünf Windräder. Sie stehen auf dem Rohrberg zwischen Helsa und Hessisch Lichtenau. Ihre Jahresleistung liegt bei 41 Gigawattstunden, womit 13 900 Haushalte mit Strom versorgt werden können.

Windpark Stiftswald: Dieser Windpark zählt neun Windräder, die 73 Gigawattstunden Strom pro Jahr produzieren, was für 24 700 Haushalte reicht.

Windpark Kreuzstein:

Den bislang jüngste Windpark mit acht Windkraftanlagen realisierten die Stadtwerke Kassel im Zusammenschluss mit der Stadtwerkeunion Nordhessen (SUN). Dieser Park erzeugt 63 Gigawattstunden Strom pro Jahr, das genügt für 20 800 Haushalte.

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