Jeder Hinweis wird bearbeitet

Wölfe in der Region: Jede Beobachtung ist wertvoll

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Begegnungen mit Wölfen in den heimischen Wäldern sind äußerst selten – jedoch grundsätzlich nicht mehr ausschließen. Unser Symbolbild zeigt einen europäischen Wolf.

Söhrewald. Begegnungen mit einem Wolf sind selten. Das wusste auch Marc Schindehütte aus Söhrewald-Wattenbach, der kurz vor Wellerode einen Wolf aus seinem Auto heraus gesehen hat.

Dennoch hatte er den Mut, seine Sichtung dem Hessischen Umweltministerium zu melden. Angst davor, man würde ihn dafür als Spinner abtun, hatte er nicht.

Doch denken nicht alle so wie Schindehütte. So meldet Reinhard Bornmann aus Fuldabrück-Dörnhagen erst jetzt nach der HNA-Berichterstattung seine Wolfsbeobachtung – vom vergangenen April. Unweit des Stellbergsees in der Söhre hatte er ein Exemplar gesehen. „Ich war mit meinem Fahrrad auf dem Forstweg Richtung Stellbergsee unterwegs, als plötzlich ein Wolf aus dem Unterholz auf den Weg sprang und sofort wieder im Wald verschwand“, erzählt er. Seiner Beobachtung war er sich ziemlich sicher, dennoch: Meldung machte er nicht. „Ich wollte nicht, dass die Leute denken, ich hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank.“

Fakt ist: Die allermeisten Wolfssichtungen bestätigen sich tatsächlich nicht. Das sagt die Wolfsbeauftragte des Landes Hessen, Susanne Jokisch, ebenso, wie auch Rüdiger Germerodt von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Kassel. „Die Gefahr einer Verwechslung ist sehr hoch“, sagt Jokisch. Inzwischen gebe es Hunderassen wie den Wolfshund, die kaum noch von einem echten Wolf zu unterscheiden seien.

Tatsächlich: Noch Ende April narrte ein solcher Wolfshund die Bewohner der Kasseler Nordstadt. Damals waren zwei amerikanische Wolfshunde aus einem Zwinger ausgebüchst, sogar die Polizei war eingeschaltet worden.

„Eine reine Sichtung stellt noch keine belastbare Beobachtung dar“, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel. Ein Beweis sei erst gegeben, wenn ein Foto, eine DNA-Spur, Kot oder ein tot aufgefundenes Tier vorlägen. Unter dem Strich bliebt: Einen Wolf zu sehen, ist mit einem Lottogewinn vergleichbar.

Jede Beobachtung ist wertvoll

Das bestätigen auch die beiden Förster Peter Rothämmel (Revier Fahrenbach) und Christoph Vadersen (Revier Wellerode). Beide arbeiten seit vielen Jahren im Wald, aber einen Wolf haben beide noch nicht gesehen, selbst dort, wo schon ein Wolf per Fotofalle nachgewiesen wurde – wie im März in der Söhre. „Dass Wölfe von Osten zu uns herüber kommen, ist ein noch sehr junges Phänomen“, sagt Rothämmel. Vor zehn Jahren habe es das noch nicht gegeben. „Und wenn einer kommt, dann bleibt der meist nur einige Tage und zieht dann weiter“, ergänzt Vadersen.

Dennoch laden das Hessische Umweltministerium wie auch der Landkreis Kassel dazu ein, immer Meldung zu machen, wenn irgendwo ein Wolf oder wolfsähnliches Tier gesichtet wurde. „Wir haben die Experten, die Mittel und Möglichkeiten, um diese Meldungen richtig einzuschätzen“, sagt Kühlborn. Grundsätzlich ist also jede Meldung wertvoll. Es ist nie auszuschließen, dass etwas dran ist.

Wie die Wolfsbeobachtung von Reinhard Bornmann aus Dörnhagen. Gut möglich, dass er sich im April 2016 nicht geirrt hat. Denn schon wenige Tage später, am 3. März, war tatsächlich ein Wolf in eine von der Uni Göttingen aufgestellte Fotofalle getappt – nicht weit vom Stellbergsee entfernt.

Das Umweltministerium des Landes Hessen nimmt Meldungen zu Sichtungen von „wolfsähnlichen Tieren“ entgegen unter E-Mail: wolf@umwelt.hessen.de, per Tel.: 0611 / 815 39 99 und im Internet

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