Vier Menschen auf 20 Quadratmetern

Wohnraum im Landkreis Kassel ist knapp: Die verzweifelte Suche einer Flüchtlingsfamilie

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Suchen in Vellmar und Kassel nach einer Wohnung: Bahar Mussa (hinten links) mit Bilal, Frau Anisa und Kind Lammi in der Flüchtlingsunterkunft Rosengarten in Vellmar.

Vellmar/Kreis Kassel. Wohnraum ist knapp in Landkreis und Stadt Kassel. Wir haben mit einer geflüchteten Familie über ihre schwere Wohnungssuche gesprochen.

Es ist eng im Zimmer von Familie Mussa: Auf circa 20 Quadratmetern lebt die vierköpfige Flüchtlingsfamilie in der Vellmarer Gemeinschaftsunterkunft (GU) Rosengarten. Nur mit dem Nötigsten: Im Raum stehen zwei Betten, ein Schrank, ein Wickeltisch, ein Stuhl, ein kleiner Kühlschrank und eine Kommode, auf der ein zusammengeklappter Kinderwagen und eine Babyschale gestapelt sind.

OliverUlloth

Bahar (23) und seine Frau Anisa (22) haben vor drei Monaten ihren zweiten Sohn Lammi bekommen – der schläft seelenruhig und dick eingepackt im Arm seiner Mutter. Sein vierjähriger Bruder Bilal spielt über beide Ohren lächelnd mit einer Tupperdose.

Die Familie, die aus Harer in Äthiopien stammt und seit 2014 gemeinsam in Vellmar ist, fühlt sich hier wohl. Bahar trainiert regelmäßig im Laufverein PSV Kassel, besucht Integrationskurse, spricht gut Deutsch. Er will bald eine Ausbildung beginnen. Seine Frau lernt ebenfalls die Sprache und kümmert sich um die Kinder. Der kleine Bilal geht in die Kita am Festplatz, hat Freunde gefunden.

Einreihen in die lange Schlange

Alles schön und gut. Doch die Enge in ihrem Zimmer treibt die Eltern um: Seit sie in Vellmar sind, haben sie begonnen sich umzuschauen, als Anisa mit Lammi schwanger wurde, suchten sie intensiv. Bislang allerdings vergebens. Es gibt einfach zu wenig bezahlbaren Wohnraum.

Das bestätigt auch Oliver Ulloth vom Awo-Unterstützerkreis Vellmar. Über das ehrenamtliche Projekt unterstützt er Geflüchtete bei der Wohnungssuche – und die gestalte sich alles andere als einfach: „In der Stadt, im Landkreis Kassel, aber speziell in Vellmar ist der Wohnraum sehr knapp“, auch weil die Stadt für Studierende attraktiv sei. 

„Durch die Straßenbahn ist der Ort gut angebunden und es gibt hier alles, was man braucht“, sagt Ulloth. Die Anbindung, der Kindergarten und die Einkaufsmöglichkeiten seien für Familie Mussa auch wichtige Faktoren, zumal sie kein Auto habe, und sich kaum eines leisten könne. „So geht es nicht nur Einheimischen, das ist auch für Geflüchtete wichtig“, sagt Ulloth. „Das sind keine Bequemlichkeitsgründe.“

Doch häufig, wenn Ulloth und Bahar Mussa zu einer Besichtigung einer Drei-Zimmerwohnung gingen, stehe dort bereits eine lange Schlange. Und die Vermieter könnten sich die attraktivsten Bewerber heraussuchen. In anderen Fällen überstiegen die Mietpreise die sogenannten „angemessenen Kosten der Unterkunft“ des Landkreises Kassel. So könne sich die Familie eine Drei-Zimmerwohnung schlichtweg nicht leisten. Die Kinder werden älter, brauchen mehr Platz und Bahar gehen die Ideen aus: Er hat bereits seine Sportkollegen beim PSV gefragt, aber auch die konnten ihm nicht weiterhelfen. Bleibt nur noch eins: Weitersuchen und hoffen, dass sie bald in der Stadt Kassel oder in Vellmar fündig werden.

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