Mehr Kinder und zunehmender Betreuungsbedarf

Zu wenig Platz für Schüler im Kreis Kassel: Container als Notlösung

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Übergangslösung: Neben dem Schulgelände in Vellmar-Frommershausen stehen bereits zwei Container, ein weiterer Unterrichtspavillon soll in den kommenden Wochen aufgestellt werden. 

Kreis Kassel. Die Schülerzahlen steigen – eine erfreuliche Entwicklung. Doch mit dem Zuwachs kommen auch Probleme.

Viele Schulen geraten zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. An drei Grundschulstandorten im Altkreis Kassel werden deshalb in den Sommerferien Container aufgestellt. Betroffen sind die Grundschulen Niedervellmar, Oberkaufungen und Elgershausen.

Grund für den gestiegenen Raumbedarf sind zum einen der Zuzug von jungen Familien und zum anderen die intensivere Nutzung von Betreuungsangeboten, sagt Landrat Uwe Schmidt (SPD). Zwar liege dem Schulträger aufgrund der erfassten Geburtenzahlen eine belastbare Vorhersage für die Entwicklung der 50 Grundschulen vor (siehe Grafik), aber es gebe auch nicht planbare Entwicklungen. 

„Nicht vorhersehbar sind die Entscheidungen von Eltern, ihren Wohnort zu wechseln, gleiches gilt für den starken Anstieg im Bereich Betreuung“, sagt Schmidt. Gleichzeitig betont er, dass die Flüchtlinge keine Rolle in der aktuellen Entwicklung spielen. Einzig am Schulstandort Wolfhagen mit der großen Einrichtung in der Pommernanlage gebe es einen spürbaren Zuwachs an Schülern. „Die meisten Flüchtlinge im Landkreis sind junge, alleinstehende Männer.“

Kinder müssen im Klassenzimmer Mittag essen

Mit den Containern versuche man schnell auf die neuen Gegebenheiten zu reagieren. Denn es dürfe nicht der Regelfall sein, dass Kinder im Klassenzimmer zu Mittag essen – und auch die Betreuung selbst müsse in einem adäquaten Umfeld außerhalb der Klassenräume erfolgen. „Das funktioniert leider nicht überall“, begründet der Landrat die Interimslösung an einigen Standorten im Kreisgebiet.

Schmidt räumt im Gespräch mit unserer Zeitung ein, dass der Landkreis von dem Thema überrannt wurde: „Ich habe nicht erwartet, dass der Betreuungsbedarf derartig zunimmt.“

Entwicklung der Schülerzahlen im Kreis Kassel (für die gesamte Ansicht bitte auf den Pfeil oben rechts im Bild klicken).  

Im vergangenen Schuljahr wurden 2085 Kinder bis 14 Uhr an den Grundschulen betreut, weitere 283 Kinder besuchten die erweiterte Schulkindbetreuung. Von 7791 Grundschülern waren rund 30 Prozent in der Regelbetreuung bis 14 Uhr. Allerdings schwanken die Zahlen im Landkreis. Während im Speckgürtel von Kassel mehr als die Hälfte alle Kinder die Betreuung bis 14 Uhr in Anspruch nehmen (Obervellmar: 66 Prozent, Espenau 71 Prozent), liegen die Zahlen im Wolfhager und Hofgeismarer Land zwischen 20 und 30 Prozent. Schmidt geht jedoch davon aus, dass die Nachfrage im gesamten Kreisgebiet weiter steigen wird. Das zeigt sich bereits an der Grundschule in Elgershausen. Dort wird nach den Sommerferien ein Pavillon als zusätzlicher Betreuungsraum gebraucht.

Die Grundschule in Niedervellmar erhält einen Pavillon als zusätzlichen Klassenraum, weil sich die Schülerzahl zum kommenden Schuljahr durch Zuzug erhöht hat. Dort gibt es künftig drei Klassen der Jahrgangsstufe 3.

An der Ernst-Abbe-Schule in Oberkaufungen erhöht sich ebenfalls die Schülerzahl um fünf Kinder. Dort werden zwei Pavillons aufgestellt, bis der Anbau fertig ist. Das Projekt wird mithilfe des Schulbaupakets des Landkreises finanziert. Auch die Grundschule Sandershausen profitiert von dem Paket im Rahmen des Kommunalen Investitionsprogramms 2 (KIP). Die Grundschule in Wolfhagen wird in die frühere Kreisberufsschule ziehen, die demnächst saniert wird.

Hier stehen schon Unterrichtspavillons

Der Landkreis musste bereits an acht Schulen Unterrichtspavillons aufstellen. An der Siegburgschule in Bad Karlshafen, Diemeltalschule Liebenau, Grundschule Sandershausen, Grundschule Frommershausen, Grundschule Obervellmar (wegen noch bis zum Jahr 2019 laufender Arbeiten für den Erweiterungsbau), Grundschule Wolfhagen, der Freiher-vom-Stein-Schule Immenhausen (Gesamtschule) und der Käthe-Kollwitz-Schule in Hofgeismar (Förderschule). Manchmal könnte bereits der Zuzug von ein bis zwei Kindern dazu führen, dass eine neue Klasse gebildet wird, begründet Schmidt den Raumbedarf. Überall wo die Kapazitäten ausgeschöpft sind, müsse der Landkreis nach Lösungen suchen.

Pakt für den Nachmittag

Im Landkreis nehmen drei Grundschulen am Pakt für den Nachmittag teil: die Ludwig-Emil-Grimm-Schule in Ihringshausen, die Ernst-Abbe-Schule in Oberkaufungen und die Regenbogenschule in Lohfelden. Im Schuljahr 2015/2016 startete das Land Hessen den „Pakt für den Nachmittag“. Darin übernehmen Land und Schulträger gemeinsam Verantwortung für ein integriertes und passgenaues Bildungs- und Betreuungsangebot. Ziel: mehr Bildungsgerechtigkeit und eine bessere Förderung für Grundschüler sowie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die teilnehmenden Schulen bieten von 7.30 bis 17 Uhr ein verlässliches und freiwilliges Bildungs- und Betreuungsangebot an.

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