A 44-Lossetrasse noch in Planung

Zwischenbilanz: Auf 70 Kilometern wird die A44 östlich von Kassel gebaut

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Das westliche Portal des Tunnels Hirschhagen: Nur wenige 100 Meter weiter drinnen unterquert der Tunnel komplett das Lossetal. Weil es dort wegen geologischer Anomalien Schwierigkeiten beim Tunnelvortrieb gegeben hat, kam es zu einer etwa einjährigen Bauverzögerung.

Kreis Kassel. Bis die rund 1,8 Milliarden Euro teure A44 von Kassel bis zur A4 bei Herleshausen komplett befahrbar ist, wird möglicherweise noch das Jahr 2030 vergehen. Grund ist das Teilstück zwischen Kassel und Helsa (Abschnitt 2), das sich erst noch in der Planung befindet.

Andere Abschnitte sind dagegen schon viel weiter oder seit Jahren bereits fertig. Alle Abschnitte, an denen jetzt noch geplant oder gebaut wird, werden hier vorgestellt. Heute sind die Bauabschnitte 2 und 3 an der Reihe:

Bauabschnitt 2: Kassel-Ost bis Helsa-Ost

Der 10,8 Kilometer lange A44-Bauabschnitt 2 von Kassel-Ost bis Helsa-Ost zählt zu den umstrittensten A44-Teilstücken überhaupt. Nach jahrelangen Diskussionen um den Trassenverlauf verkündete Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) im November 2016 endgültig den Bau der Trasse durch das Lossetal.

Doch soll die B7 als Umleitungsstrecke erhalten bleiben, um die Ortskerne Kaufungens und Helsas bei Autobahnsperrungen vor Ausweichverkehr zu schützen. Die Anschlussstelle Kassel-Ost soll jedoch verschwinden und zu einem A7/A44-Autobahndreieck umgebaut werden. Nicht zuletzt wurde bestmöglicher Lärmschutz für Kaufungen und Helsa versprochen.

Hohe Wälle gegen Lärm: Als sogenannte Trogtrasse wurde die A 44 kurz hinter dem Westportal des Tunnels Hirschhagen tief in die Bergflanke gebaut, rechts ein weißer Tanklaster auf der B 7.

Seither ist Hessen Mobil mit der weiterführenden Planung dieser Lossetrasse beschäftigt. Viele Details werden dabei – auch im Zusammenspiel mit Bund und Land – geklärt. So ist die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens mitsamt öffentlicher Auslegung und Anhörung erst im dritten Quartal 2018 vorgesehen. Frühestens ein Jahr später ist dann mit dem Planfeststellungsbeschluss durch die Planungsbehörde zu rechnen. Wenn dann niemand klagt, kann der Bau starten.

Laut Ralf Struif, Planungsdezernent bei Hessen Mobil, wird zunächst mit dem 1400 Meter langen Tunnel Helsa begonnen. Der Bau eines solchen Tunnels benötigt sechs bis sieben Jahre – inklusive sämtlicher Bauvorbereitungen und Abschlusstests. In dieser Zeit wird gleichzeitig mit dem Bau der Brücken auf dem Teilstück begonnen (darunter zwei Talbrücken südlich von Kaufungen). Erst zum Schluss ist die eigentliche Autobahntrasse an der Reihe – weil sie am schnellsten geht.

So könnte der A44-Abschnitt 2 zwischen Kassel-Ost und Helsa-Ost im Idealfall schon 2026/2027 fertig sein. Weil es aber immer Verzögerungen gibt, ist das Jahr 2030 für die Verkehrsfreigabe viel wahrscheinlicher. Nach aktueller Planung soll dieser Bauabschnitt 200 Millionen Euro kosten. „Es können aber auch 230 oder 250 Millionen Euro werden“, sagt Reinhold Rehbein, Planungsdezernet bei Hessen Mobil.

Bauabschnitt 3: Helsa-Ost bis Hessisch Lichtenau-West

Der 5,9 Kilometer lange Bauabschnitt 3 von Helsa-Ost bis Hessisch Lichtenau-West ist wohl wegen seines 4200 Meter langen Tunnels Hirschhagen so spektakulär. Nur noch ein Straßentunnel in Deutschland ist länger, der Rennsteigtunnel in Thüringen mit 7916 Metern Länge.

Seit Februar 2013 wird am Hirschhagentunnel gearbeitet. Es wurden 960.000 Tonnen Abraum bewegt (48.000 Lkw-Ladungen) und 356.000 Tonnen Beton verbaut. „Inzwischen sind in der Nordröhre alle Versorgungsleitungen für Löschwasser, Abwasser sowie die Leerrohre für die Strom- und Steuerleitungen verlegt“, sagt Rehbein. Die Betonaufüllung im Tunnelfundament sei komplett hergestellt, die Tragschicht der Straße schon zu 50 Prozent eingebaut. „Im Frühjahr 2018 wird die Fahrbahn in der Nordröhre komplett fertig sein, in der Südröhre ein halbes Jahr später“.

Wenn der Rohbau in beiden Röhren Ende 2018 abgeschlossen ist, wird der Tunnel Hirschhagen technisch ausgestattet. Dabei geht es um den Einbau der Beleuchtung, der Belüftung und der Steuer- und Sicherheitstechnik. Der anschließende Probebetrieb dauert mehrere Wochen. Dabei werden auch mit Feuerwehr und dem Rettungsdienst verschiedene Unfall- und Brandszenarien durchgespielt. „Erst wenn sich zeigt, dass alle Sicherheitsanforderungen eingehalten werden können, kann der Tunnel für den Verkehr freigegeben werden“, sagt Rehbein. Voraussichtlich ist das Ende 2020 der Fall.

Bis dahin wird allein der Tunnel mindestens 324 Millionen Euro gekostet haben. „Vermutlich wird er teurer“, sagt Rehbein. Um wie viel, sei noch nicht klar. Das liege an der kostspieligen Tunnelausstattung sowie an allgemeinen Preissteigerungen.

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Die beiden Abschnitte 4 und 5 sind bereits fertig. Abschnitt 4 (Hessisch Lichtenau-West bis Hessisch Lichtenau-Mitte) wurde im Juli 2014, der Abschnitt 5 (Hessisch Lichtenau-Mitte bis Hessisch Lichtenau-Ost) im Jahr 2005 freigegeben.

In einem weiteren Serienteil werden der Bauabschnitt 6 (Hessisch Lichtenau-Ost bis Waldkappel-Hasselbach), der Bauabschnitt 7 (Waldkappel-Hasselbach bis Waldkappel-Ost) und der Bauabschnitt 8 (Anschlussstelle Waldkappel-Ost) vorgestellt.

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Vor drei Jahren sind wir die Strecke abgeflogen: 

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