Kreis verschenkt Arbeitskraft: Mitarbeiter sind für EU und Tegut aktiv

Kreis Kassel. Der Landkreis Kassel koordiniert in mehreren Bundesländern Schulungen für Mitarbeiter der Lebensmittelkette Tegut. Andere Marktbetreiber kommen nicht zum Zug.

Bei dem von der EU geförderten Projekt sollen die Beschäftigten der Tegut-Märkte fit gemacht werden für den Umgang mit Behinderten und älteren Kunden. Außerdem arbeiten drei Mitarbeiter des Landkreises während ihrer Arbeitszeit für das Projekt, ohne dafür von der EU bezahlt zu werden.

Nach den Worten von Landkreissprecher Harald Kühlborn stellt der Kreis die Arbeitskraft der Mitarbeiter „im Wert von 15 000 Euro“ als Eigenanteil zur Verfügung, unter anderem für die bundesweite Pressearbeit für das EU-Projekt „SuperMan“. Im Rahmen dieses Projektes werden Beschäftigte der Lebensmittelkette Tegut im sensibleren Umgang mit behinderten und älteren Kunden geschult.

Beteiligt an dem von der EU geförderten Vorhaben sind neben dem Fuldaer Unternehmen auch Lebensmittelketten in Frankreich und Italien. Federführender Koordinator ist in Italien die gemeinnützige Organisation Kara Bobowski aus der Partnerregion des Landkreises, Kassel Forli-Cesena. Der Landkreis Kassel erhält aus dem EU-Topf zwar 45 000 Euro für Treffen mit den Partnern aus Italien und Frankreich sowie für die Übersetzung der Internetseite und Werbemittel. Die Personalkosten, so betont Kühlborn ausdrücklich, dürfe man aber darüber nicht abrechnen. Kühlborn selbst ist nach eigenen Worten Projektkoordinator und Presseverantwortlicher.

Er und zwei weitere Mitarbeiter haben nach Angaben des Sprechers Aufgaben im Rahmen ihrer Regelarbeitszeit in der Kreisverwaltung für das internationale Projekt übernommen. Dem Kreis entstünden dadurch keine zusätzlichen Kosten, betont er. Man greife nur auf bereits vorhandene Beschäftigte zurück. Die Kreisverwaltung hält das zur Verfügungstellen von Arbeitskraft für Dritte für völlig normal. Es sei Grundvoraussetzung für die Teilnahme an EU-Projekten, „dass man einen Eigenanteil einsetzt und diesen nachweist“, so Kühlborn.

60 Tegut-Märkte in Hessen, Thüringen und Bayern werden von dem Göttinger Beratungsbüro Bupnet geschult. Kühlborn übernimmt die Pressearbeit für diese Märkte. Deshalb muss er demnächst für einen Termin nach Würzburg fahren. Auch an Projekt-Treffen in Frankreich und Italien habe er teilgenommen, sagt der Sprecher. Die Reisekosten könne er über die EU abrechnen. Warum haben eigentlich nur Tegut-Märkte die Chance auf eine Teilnahme an dem Projekt bekommen? „Wir wollten einen Partner, wo man sich sicher sein kann, dass es auch klappt“, sagt Kühlborn. Mit Tegut sei die Chance der Übertragbarkeit des Projekts von Italien nach Deutschland am größten gewesen. Die Kette sei in der Region gut verankert und kenne den Landkreis.

Von Nina Thöne und Sven Kühling

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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