Kreis zieht positive Bilanz für Pflegestützpunkt – Unterstützung vor Ort soll ausgebaut werden

Pflege: Bedarf an Hilfen wächst rasant

Ambulante Unterstützung wird immer wichtiger: Eine Pflegerin hilft einer bettlägerigen Seniorin beim Aufstehen. Archivfoto: dpa

Kreis Kassel. Die älter werdende Bevölkerung auf dem Land sorgt für eine rasant wachsende Nachfrage nach Unterstützung im Haushalts- und Pflegebereich. Das beweist die vorläufige Bilanz des vor zwei Jahren im Kasseler Kulturbahnhof vom Landkreis eröffneten Pflegestützpunkts.

In diesem Zeitraum haben laut Vizelandrätin Susanne Selbert (SPD) 489 Ratsuchende aus allen Teilen des Landkreises die Hilfe des Stützpunkts in Anspruch genommen. Innerhalb eines Jahres sei die Zahl der Hilfesuchenden, vor allem Senioren und deren Angehörige, um 20 Prozent gestiegen. Selbert rechnet in den kommenden Jahren mit weiteren Zuwächsen. Es sei nicht auszuschließen, dass man dann mehr Personal brauche.

„Unsere guten Leistungen haben sich herumgesprochen“, sagt Selbert. Schon jetzt lässt sich der Kreis diese Pflegeberatung eine Menge Geld kosten. 100.000 Euro seien dafür im aktuellen Haushalt vorgesehen, sagt Pressesprecher Kühlborn.

Nach Ansicht des Kreises hätte eine gemeinsame Einrichtung mit der Stadt Kassel, die in nur 500 Metern Entfernung einen eigenen Stützpunkt eröffnet hat, kein Geld gespart. Denn dann hätten sich Stadt und Landkreis den Bundeszuschuss von 45.000 Euro, der pro Einrichtung gezahlt wird, teilen müssen, sagt Selbert. Eine gemeinsame Einrichtung erziele keine Einspareffekte, weil die Kosten ganz überwiegend für Beratungspersonal entstünden. „Die Köpfe brauchen wir“, sagte Selbert.

Allerdings habe man mit der Stadt überlegt, den Stützpunkt gemeinsam im Nordflügel des Bahnhofs zu errichten. Die Deutsche Bahn habe diesen aber bis heute nicht saniert. Außerdem würden dort aufwendige Umbauten nötig. Derzeit arbeiteten die Stützpunkte auch so eng zusammen.

Der Pflegestützpunkt ist ein gemeinsames Projekt des Landkreises und des Verbands der Kranken- und Pflegekassen in Hessen. Sie teilen sich die Personalkosten. Ziel ist es, alten und behinderten Menschen möglichst lange das Wohnen in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, den Wechsel in ein Pflegeheim möglichst lange hinauszuschieben. Dabei helfen die Sozial- und Pflegeberaterinnen Doris Brandstetter-Weddig, Simone Dippel und Michaela Griesel mit Tipps. Sie sorgen für Kontakte, erkunden Zuschussmöglichkeiten und machen Hausbesuche.

Brandstetter empfiehlt Älteren, sich um eine seniorengerechte Ausstattung ihrer Wohnung zu kümmern, wenn sie noch rüstig sind. Wichtig sei, frühzeitig für die Unterstützung, etwa durch eine Haushaltshilfe, zu sorgen, auch wenn die Kasse noch keine Pflegestufe für nötig hält, sagt Dippel.

Doch das ist nicht immer so einfach. Es fehle oft noch an einem funktionierenden Netz von Nachbarschaftshilfe, sagt Karin Tietz, Altenhilfeplanerin des Landkreises Kassel.

Von Peter Dilling

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