Seit Jahren Mängel im Brandschutz

Im Dezember ist Schluss: Kreis schließt Seniorenheim

Wird vorübergehend geschlossen: Das Seniorenheim in Mönchehof hat jahrelang die Brandschutzauflagen nicht erfüllt. Zum 1. Dezember dieses Jahres wird es vom Landkreis dicht gemacht. Foto: privat / nh

Espenau. „Das kleine Altenheim mit der qualifizierten Betreuung in familiärer Atmosphäre“ - damit wirbt das Seniorenheim in Mönchehof im Internet für seine Einrichtung, die seit 1999 besteht. Das ist bald Geschichte.

Denn die Bauaufsicht des Landkreises ordnete jetzt kurzfristig die vorübergehende Schließung des Seniorenheims an. Bis zum 1. Dezember muss das Gebäude in der Hohenkirchener Straße vom Betreiber, der Seniorenheim Espenau GmbH, geräumt sein.

Der Grund für diese Entscheidung: Die Nichterfüllung wesentlicher Brandschutzauflagen. „Ein schwerer Eingriff, zu dem es aber keine Alternative gab“, begründete Bernd Kleibl, Leiter des Fachbereichs Bauen und Umwelt beim Landkreis, diesen Schritt. Für das Altenheim könnte dies das endgültige Aus bedeuten. Nach Aussage von Geschäftsführer Richard Schäfer seien die zusätzlichen Kosten für den Brandschutz - im Raum stehen 200.000 Euro - für den Betreiber nicht zu schultern: „Das ist ausgeschlossen.“ Nach Aussage von Kreispressesprecher Harald Kühlborn wurde im Landkreis in den vergangenen zehn Jahren keine Senioreneinrichtung geschlossen.

Wegen der Dringlichkeit verfügte Dr. Robert Hinz vom Hessischen Amt für Versorgung und Soziales einen sofortigen Aufnahmestopp für das Heim. Betroffen sind 18 Heimbewohner, die dement, bettlägerig und auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind. Im Brandfall wären sie wegen des mangelnden Brandschutzes nicht in der Lage, das Gebäude ohne fremde Hilfe zu verlassen, erläuterte Hinz die aktuelle Situation. Der Betreiber muss nach Auskunft des Landkreises die Bewohner auf andere Häuser verteilen.

Nach Auskunft von Baufachmann Kleibl fehlen der Pflegeeinrichtung grundlegende Schutzmaßnahmen wie mit Feuerschutzplatten verstärkte Decken und eine Brandmeldeanlage, die direkt mit der Leitstelle der Feuerwehr gekoppelt ist. Dazu kommt eine Treppe als Fluchtweg, die jedoch Gefahren birgt, wenn die Glasfenster wegen der Hitzeentwicklung bersten sollten. „Eine regelrechte Falle“, kritisierte Kleibl. Verschärft werde die Lage im Brandfall noch durch die spärliche personelle Ausstattung des Heimes. So sei im Nachtdienst nur eine Pflegekraft für alle 18 Bewohner zuständig. Die prekäre Lage in Sachen Brandschutz war nicht neu. Schon 2005 hatte die Bauaufsicht des Kreises die Erarbeitung und Umsetzung eines Brandschutzkonzeptes gefordert. Aber sieben Jahre später hatte sich der Betreiber nicht in der Lage gesehen, die Maßnahmen in die Wege zu leiten.

Keine Chance mehr für das Espenauer Altenheim sieht nach den Brandschutzauflagen Geschäftsführer Richard Schäfer: „Die Lösung wird sein, dass das Heim geschlossen wird.“ So viel Gewinn zu erwirtschaften, um die geforderten, 200 000 Euro teuren Maßnahmen zu erfüllen, „ist ausgeschlossen“. Das könne eine Familien-GmbH nicht aufbringen. Die 20 Angestellten fänden im Pflegebereich bei der Nachfrage schnell wieder einen Platz. Die Angehörigen der Heimbewohner seien angeschrieben worden, gemeinsam werde man eine Lösung finden. Die Immobilie soll verkauft werden. (swe)

Von Stefan Wewetzer

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