Bohrwasser von A44-Baustelle färbte Losse rot – Natur offenbar nicht geschädigt – Ämter prüfen jetzt

Kreis verbietet weitere Einleitung

Rote Brühe: So sah das Lossewasser bei Helsa am Samstagnachmittag aus. Eine Baufirma hatte Bohrwasser der A44-Baustelle zwischen Helsa und Waldhof eingeleitet, das fein gemahlenen Buntsandstein enthielt. Foto: Kothe

Helsa / Kaufungen. Das Bohrwasser von der A44-Baustelle an der B7 bei Helsa darf künftig nicht mehr ungeklärt in die Losse geleitet werden. Das hat die Untere Wasserbehörde beim Landkreis Kassel am Dienstag verfügt. Notfalls muss die Baufirma das Bohrwasser in einer Kläranlage aufbereiten lassen.

Die Losse hatte sich am vergangenen Samstagnachmittag stark rotbraun verfärbt. Die rote Brühe lief mit dem Losselauf durch Helsa und Kaufungen nach Kassel in die Fulda.

In Helsa wurde Bürgermeister Tilo Küthe (SPD) von aufgeregten Anwohnern informiert. Wegen der intensiven Rotfärbung befürchteten sie, dass das Wasser mit gefährlichen Stoffen versetzt sein könnte. Zusammen mit einem Kläranlagen-Mitarbeiter fuhr Küthe zur A44-Baustelle an der B7, wo zurzeit auf einer Länge von 900 Metern ein Abwasserkanal unter der Bundesstraße durch den Boden getrieben wird.

Die Ursache für die Verfärbung stand schnell fest: Bohrwasser war in die Losse eingeleitet worden. Da sich der Bohrer zurzeit durch Buntsandstein frisst, war das Bohrwasser – trotz einer zweifachen Klärbehandlung in einer Separieranlage und nachfolgender Zentrifuge an der Baustelle – stark rot gefärbt. „Wir haben die Färbung nicht rausbekommen“, sagte der Bauleiter Guido Will von der Firma Sonntag (Koblenz) der HNA. Die Einleitung des Wassers sei rechtens gewesen, man verfüge über eine Einleitgenehmigung. Der Zufluss wurde nach dem Vorfall jedoch von der Firma gekappt.

Die Gemeinde Helsa will eine weitere Einleitung nicht akzeptieren. „Die Losse darf nicht so stark belastet werden“, sagte Bürgermeister Küthe. Es sei zu befürchten, dass Pflanzen und Kleinlebewesen gelitten hätten. Das Bachwasser sei zwar wieder klar, aber das gesamte Bachbett sei von dem Buntsandstein-Sediment rot eingefärbt.

Dem will die Untere Wasserbehörde zusammen mit dem Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie jetzt nachgehen. Geprüft werden soll, ob die roten Ablagerungen entfernt werden müssen. Ob das Sinn mache, sei unklar, denn möglicherweise sei das Absaugen des Sediments eine größere Belastung für die Natur als der jetzige Zustand, gibt Kreissprecher Harald Kühlborn zu bedenken. Bisher habe die Natur offenbar nicht gelitten. „Die Losse ist nicht tot“, sagte der Kreissprecher. Man habe keine toten Fische und Kleinlebewesen gefunden.

Die Sedimente selbst – im Bohrprozess fein gemahlener Buntsandstein – seien ungefährlich. Grenzwerte für die Verfärbung des Wassers sowie den Eintrag der Sedimente gebe es nicht, meinte der Kreissprecher. Der Kreis werde auch prüfen, ob die Firma fahrlässig gehandelt habe und die Einleitung rechtens war. HINTERGRUND

Von Holger Schindler

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