Horst Hoffmann aus Kaufungen hat mit einem Heißluftballon die Alpen überquert – Fahrt mit Sauerstoffmaske 

Kribbeln über dem Großglockner

Einzigartiges Erlebnis: In der Gondel der Heißluftballone schweben die Passagiere lautlos über die Alpengipfel. Die Fahrt ist nur im Winter und nur bei einer Nord-Süd-Strömung möglich. Diese trägt die Ballone innerhalb weniger Stunden bis nach Norditalien. Fotos:  privat/nh

Kaufungen / Kufstein. Es ist Vormittag, als Horst Hoffmann in seinem Büro in der Landeskreditkasse in Kassel der lang ersehnte Anruf der Ballonfahrer erreicht. Es ist so weit, das Wetter ist günstig, morgen wird es klappen.

Am frühen Abend sitzt der 62-Jährige bereits in einem Hotel am Starnberger See und fiebert dem nächsten Tag entgegen. Über ein Jahr lang hat der Kaufunger darauf gewartet, dass es endlich losgeht: Mit einem Heißluftballon will der Bankmanager die Alpen überqueren. Doch das geht nicht so einfach und vor allem nicht jederzeit. Nur im Winter und bei einer kräftigen Nord-Süd-Strömung wagen Daniel Schneider und seine Kollegen in zwei weiteren Ballonen die Fahrt über die Alpengipfel, die pro Passagier 1200 Euro kostet. „Jeder, der gesund ist, kann mitfahren“, sagt der Pilot. Gleichwohl ist die Reise kein Spaziergang. Auf ihrem Weg über die Berge steigen die Ballone auf 5000 bis 6000 Meter Höhe. Mit Tempo 80 und mehr geht es von Kufstein aus in Richtung Norditalien. „Ich hatte schon ein Kribbeln im Bauch“, sagt Hoffmann, der durch einen Bericht in der HNA SonntagsZeit auf die Panoramafahrt aufmerksam geworden ist.

Die Luft ist dünn dort oben, und so trägt Hoffmann fast die ganze Zeit eine Sauerstoffmaske. Zwar schreckt den Hobby-Abenteurer die Höhe eigentlich nicht: Seit über 20 Jahren unternimmt der groß gewachsene, kräftige Mann Touren im Hochgebirge. Er war im Himalaya, in den Anden, scheiterte im vergangenen Jahr nur knapp bei dem Versuch, den biblischen Berg Ararat in der Osttürkei zu besteigen.

Aber: „Der Ballon gewinnt rasch an Höhe, und man hat schließlich keine Zeit, sich zu akklimatisieren“, sagt der verheiratete Vater zweier erwachsener Söhne und geht daher lieber auf Nummer sicher. In dem offenen Korb ist es nicht gerade bequem. Nur gut einen halben Quadratmeter Platz hat jeder Passagier, zwischen den Füßen liegen die Gasflaschen.

Doch das alles habe er kaum wahrgenommen, erzählt Hoffmann. Trotz eisiger 30 Grad unter null genießt er die Fahrt „von der ersten bis zur letzten Minute“. Hoffmann kann sich nicht satt sehen an den schneebedeckten Gipfeln und den Tälern. Er versucht, die Berge zu identifizieren: links gleitet der Großglockner vorbei, mit 3798 Metern der höchste Berg Österreichs. Zur rechten ist klar der Großvenediger (3657 Meter) zu erkennen. Nach nicht einmal vier Stunden ist die Tour über die Alpen vorbei. Der Wind hat die drei Heißluftballon weit nach Südosten getrieben. In der Nähe von Udine, nicht weit von der Grenze zu Slowenien, landen sie.

Informationen im Internet: www.landstettener-ballonfahrten.de

Von Peter Ketteritzsch

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