Kuchenbuffet in altem Geldschrank

Museum Währungsreform steuert seinen 40.000. Besucher an

Kisten voller Geld: Hans-Hermann Trost (vorn von links) erklärte Hans-Peter Czap, Georg und Doris Bingemann sowie Brigitte Höfer, wie damals die Banknoten nach Rothwesten kamen. Fotos: Dilling

Fuldatal. Der 21. Juni 1948 war die Stunde null für die Deutsche Mark. Vor der Währungsreform versuchten noch viele Deutsche im Westen, ihre - in Kürze wertlos werdende - Reichsmark auszugeben. Sein Schwiegervater sei am Vorabend noch schnell ins Krankenhaus geeilt, um die Entbindungskosten seiner Frau damit zu bezahlen.

Das erzählte Hans-Hermann Trost den vielen Besuchern, die am Sonntag zum „Tag des Denkmals“ ins Museum Währungsreform in Rothwesten gekommen waren.

Trost sorgte mit Anekdoten dafür, dass die Geschichte jener Zeit, als der Wirtschaftsexperte Edward Tennenbaum auf dem Kasernengelände

in Fuldatal mit Kollegen streng abgeschirmt die Währungsreform plante, für seine Zuhörer lebendig wurde.

Am Kuchenbuffet: Reiner Wraziedlo (v. l.), Anne Werderich und Angelika Wraziedlo.

Trotz vieler Widerstände in der Vergangenheit ist das Museum jetzt auf der Erfolgsspur: Schon fast 40 000 Interessierte hätten es besucht, berichtete Anne Werderich vom Förderverein. Allein dieses Jahr habe es schon 41 Führungen gegeben. Im Winter werden die Besucher nun wohl auch nicht mehr frieren müssen. Der Förderverein hat endlich einen Sponsor für die Heizung gefunden. Diese solle in den nächsten Wochen eingebaut werden, sagte Trost.

Das neue Café im Stil der Zeit der Währungsreform mit seinen Plüschsofas und dem geblümten Geschirr, das Mitglieder des Vereins nach vorheriger Sanierung der maroden Kasernenräume in Rekordzeit mit gespendeten Gegenständen eingerichtet haben, dürfte zusätzlich zur Attraktivität des Museums beitragen. Gestern genossen schon viele Besucher die stilvolle Atmosphäre.

Anne Werderich, frühere Bürgermeisterin und Initiatorin des Cafés, hat schöne Gemälde aus eigenem Besitz beigesteuert. Schmuckstück des Cafés ist ein sogenannter Geldarbeitsschrank von damals, in dem die Scheine auf Echtheit geprüft wurden. Er dient nun als Kuchenbuffet.

Willy Icke brachte gestern eine historische Dokumentenkiste und mehrere Dokumente zur Währungsreform aus seinem Besitz mit, um sie dem Museum zu schenken. Er ist Zeitzeuge. Er habe damals mitgeholfen, die Kisten mit frisch gedruckten D-Mark-Scheinen aus den USA zu verladen. Eine Kiste hat er in seinem Kartoffelkeller verwahrt. Der Rest sei zum Heizen verwandt worden.

Museum Währungsreform, Fritz-Erler-Gelände Rothwesten, wieder geöffnet am Samstag, 4. Oktober, von 13 bis 17 Uhr (jeden ersten Samstag im Monat).

Von Peter Dilling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.