Wie es in den 70er-Jahren zum Bau des ersten Ratio-Marktes in Hertingshausen kam

Kühnes Projekt fürs Dorf

1971 auf der Fahrt nach Münster: Auf einem Rastplatz an der Autobahn machte eine Hertingshäuser Delegation Station. Zweiter von links ist Heinrich Neuroth, Zweiter und Dritter von rechts sind Karl Krug und Justus Schmidt. Fotos: privat

Baunatal. Es war für die damalige Zeit ein kühnes, aber zugleich auch zukunftsweisendes Verhalten des ehemaligen Bürgermeisters von Hertingshausen, Karl Krug, dem Vorstand der Ratio-Zentralverwaltung in Münster (Westfalen) ein großes Grundstück zur Bebauung anzubieten. Sowohl der Gemeindevorstand als auch die Gemeindevertreter der noch selbstständigen, zweitkleinsten Gemeinde im Landkreis Kassel unterstützten dieses einmalige Projekt.

„Karl Krug war immer ein sehr rühriger Bürgermeister, der sich bis zur Eingemeindung für das Wohl des Dorfes einsetzte“, stellt heute Heinrich Neuroth als Zeitzeuge fest. Hinter der Ansiedlung der großen Firma steckte der Wunsch nach mehr Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinde, um die gestiegenen Belastungen auch zukünftig finanzieren zu können.

Das interessante Angebot der Gemeinde einerseits und die gute Lage des ausgewiesenen und genehmigten Gewerbegebietes andererseits lockte neben Ratio auch andere Firmen nach Hertingshausen im südlichen Zipfel des Landkreises. Zwischen zwei Autobahnen gelegen, im Osten die A 7, im Westen die A 49, südlich einer größeren Stadt, unmittelbar am Schwalm-Eder-Kreis, war dieser Ort für die Kundschafter der Firma Ratio der ideale Platz zum Expandieren.

Nachdem am 2. November 1970 der Regierungspräsident in Kassel das Baugebiet Nr. 6 Haidenküppel/Baunahain genehmigt hatte, gab es bereits vier Wochen später, am 9. Dezember 1970 das erste Gespräch. Direktor Kramwinkel, Firma Ratio, Bürgermeister Krug und der Erste Beigeordnete Justus Schmidt berieten im Bürgermeisteramt der Gemeinde Hertingshausen über die Ansiedlung der Firma am östlichen Ortsrand. Noch im selben Monat, am 22. Dezember, kündigte der Inhaber, Snoek senior, sein Kommen für das Frühjahr 1971 in Hertingshausen an. Zwischen den Verhandlungspartnern gab es anschließend einen regen Schriftverkehr und eine Reihe Besuche.

Landrat wollte nicht

Der positive Verlauf der Verhandlungen war nicht so recht im Sinne des Landkreises Kassel. Landrat Josef Köcher verweigerte zunächst die Genehmigung für den Bau einer Brücke über die A 49 als Zufahrt zu dem neuen Gewerbegebiet. Der gesamte Verkehr sollte nach seinen Vorstellungen über die Grifter Straße abgewickelt werden.

„Wir wurden als Gemeindevertretung zum Gespräch beim Landrat geladen und ein bisschen von oben herab behandelt,“ erinnert sich Heinrich Neuroth, der zusammen mit Willi Hempel, Justus Schmidt und Bürgermeister Krug vorstellig war.

Karl Krug ließ sich davon nicht abschrecken und fuhr mit allen Plänen, Karten und Verhandlungsunterlagen nach Wiesbaden. Er schilderte dort die Lage und holte sich schließlich die Genehmigung zum Bau der Brücke von der Landesregierung persönlich ab. Dem Baubeginn für die Firma Ratio stand danach nichts mehr im Wege, und die Erfolgsgeschichte begann. (ing) Archivfoto: Borufka/nh

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.