Die Fugger lassen grüßen

Das Kutschen- und Wagenmuseum: Reise in vergangene Zeiten

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Mehr als 220 Jahre alt: Horst Fehr präsentiert im Hessischen Kutschen- und Wagenmuseum ein Gala-Coupé der schwäbischen Handelsfamilie Fugger.

Zahlreiche ungewöhnliche Museen gibt es in unserer Region, die mit ehrenamtlichen Engagement geführt werden. Zum Beispiel das Kutschen- und Wagenmuseum Lohfelden, das wir heute vorstellen.

Zu Brennholz sollte die Kutsche verarbeitet werden, die Horst Fehr vor 40 Jahren auf einer Wanderung entdeckte. Der Crumbacher kaufte sie jedoch und legte damit den Grundstein zum Hessischen Kutschen- und Wagenmuseum, das sich seit 30 Jahren in der Gemeinde Lohfelden im Landkreis Kassel befindet.

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Über 30 Kutschen und Schlitten sowie wechselnde Leihgaben sind in der ehemaligen katholischen Kirche in Crumbach zu finden. Zuvor hatte das Gebäude zehn Jahre lang leer gestanden. Horst Fehr ist Zahntechniker-Meister, der Leiter des Kutschenmuseums und Vorsitzender des Vereins Hessisches Kutschen- und Wagenmuseum.

Das älteste Exponat ist auch das prachtvollste. Das Gala-Coupé von 1789 wurde für die reiche Augsburger Familie Fugger in Straßburg hergestellt. „Damit reiste man nicht, die Kutsche diente Repräsentationszwecken“, erklärt Fehr. Neben mannshohen Hinterrädern und C-Federn, die gemeinsam mit handbestickten Lederriemen für eine butterweiche Federung sorgen, verfügt das in Rot ausgeschlagene Coupé über Einlegearbeiten und Vollholzschnitzereien.

Experten zu Besuch

Neben Einzelpersonen und Gruppen kommen auch Experten in das Museum. Mitarbeiter der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg aus Potsdam informierten sich beispielsweise für anstehende Restaurierungsarbeiten. „Bis zu 15 verschiedene Gewerke sind am Kutschenbau beteiligt“, weiß Horst Fehr, der mit seinem Team bereits selbst mehrere Kutschen restauriert hat.

Tatkräftige Unterstützung hat er auch bei seinen Ausfahrten mit historischen Kutschen. Die schwarzen Gelderländer mit den weißen Abzeichen, die Fehr seit Jahrzehnten hält, sind eine für Kutschfahrten gezüchtete niederländische Pferderasse. Im Winter werden Jonas, Artus und Co. auch mal vor einen Schlitten gespannt, im Sommer vor die Hochzeitskutsche. Auch der restaurierte Leichenwagen kommt auf Anfrage bis zu vierspännig zum Einsatz.

Im Originalzustand: Blick ins Innere eines Landauers aus dem Jahr 1880 aus dem Besitz der Fürstenhauses Waldeck-Pyrmont.

Die Kutscherstuben von Horst Fehr eignen sich zum Plausch nach einer Museumsbesichtigung. Dort erläutert der 73-Jährige gern die historische Herkunft von Redewendungen. Ein Beispiel: Eine Schnur, um den Unterarm geschlungen, verband den Kutscher mit einer Quaste im Innenraum der Kutsche. So konnten die Insassen ihren Haltewunsch anmelden. Die Verständigung klappte so trotz enormer Geräuschkulisse während der Fahrt „wie am Schnürchen“.

Hessisches Kutschen- und Wagenmuseum in Lohfelden

Was den Fortbestand des Museums angeht, macht sich Horst Fehr indes große Sorgen. Das Dach des 1950 erbauten früheren Gotteshauses ist undicht geworden, auch asbesthaltiges Eternit wurde verbaut. Die Eigentümerin, die Katholische Kirche in Fulda, möchte aber nichts mehr reparieren lassen. Sobald das Haus einmal leer steht, soll es abgerissen werden, vermutet Fehr.

Von Bettina Wienecke

Weitere Museen

In Nordhessen und Südniedersachsen lassen sich viele teils versteckte Museen zu speziellen Themen finden. Wir nennen - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - einige Beispiele. Einen Überblick gibt auch die Seite www.museen-in-hessen.de des Hessischen Museumsverbandes.

• Im Waldecker Spielzeugmuseum Bad Arolsen-Massenhausen, Ringstr. 15, gibt es fast 5000 Objekte von 1830 bis 1960. Sie veranschaulichen Spielzeuggeschichte in vielfältigen Facetten. Mi und So 14 – 16 Uhr und n.V., Tel. 05691/806419 und 6683, www.spielzeugmuseum.net

Museum der Arbeit: Im Natermann-/Hagelturm Hann. Münden, Radbrunnenstr./Ecke Kasseler Schlagd, stehen Maschinen, die zur Herstellung von Schrot im Einsatz waren. Aussichtsplattform. Sa/So, 12-17 Uhr, Kontakt: Tel. 0 55 41/908749.

• Das Eisenbahnmuseum im Bahnhofsgebäude in Naumburg bietet einen Einblick in die Arbeit der Eisenbahner der früheren Kleinbahn Kassel-Naumburg. Öffnungzeiten an Fahrtagen des Hessencourriers, Kontakt: Tel. 0 56 25/79 09 74 und 603. www.hessencourrier.de

• Das Sandsteinmuseum Kloster Cornberg, Am Steinbruch 1, informiert über Entstehung, Abbau und Verarbeitung des Cornberger Sandsteins, die Geschichte des Klosters und der Bergbausiedlung. So und feiertags 13 - 17 Uhr, Tel. 05650/969715. www.cornberg.de

Grenzmuseum und Grenzlehrpfad in Wildeck-Obersuhl: Hier wird über die innerdeutschen Grenzanlagen, -kontrollen und die -öffnung 1989/90 informiert. Bis September jeweils 14-17 Uhr, www.wildeck.de

• In einem alten Fachwerkhaus in Bebra-Solz (Burgring 15) ist seit 1990 eine Spielzeugsammlung ausgestellt. Schwerpunkte: traditionelles Holzspielzeug aus dem Erzgebirge, Thüringen, Berchtesgaden, Gröden, Ostpreußen, Schlesien, geschlechtsspezifisches Spielzeug aus der Zeit um 1900. So 14–17 Uhr, Tel. 06627/776, www.spielzeugmuseum-solz.de

• In einem ehemaligen Tagelöhnerhaus erinnert das Korbmacher-Museum an die Vergangenheit Malsfeld-Beiseförths als Standort des Korbmacherhandwerks. Mühlenstr. 18, geöffnet So 14–16 Uhr, Tel. 0 56 61/500 - 2 70. www.malsfeld.eu

• Das von einer Imkermeisterin und einem Biologen betriebene Lebendige Bienenmuseum in Knüllwald-Niederbeisheim ist der Geschichte der Imkerei und der Honiggewinnung gewidmet. Beiseförther Str. 12, geöffnet n.V., Tel. 05685-499, www.lebendiges-bienenmuseum.de

• Im Gollong-Haus in Staufenberg-Nienhagen vis à vis der Kirche haben Schauspieler Christian Gollong und seine Ehefrau Erika, eine Ballett-Tänzerin, gelebt. Ein Verein pflegt Brauchtum und erinnert an das Paar. So 14 - 17 Uhr, Tel. 05543/ 999555, www.staufenberg-nds.de (vbs)

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