An der Lossetalstrecke wurden kupferhaltige Leitungen durch wertlose Aluminiumverbindungen ersetzt

Lossetalbahn: Polizei schnappt Kabeldieb - KVG-Strategie erfolgreich

Schnelle Beute: So sah es im April an der Lossetalbahn zwischen Kaufungen und Helsa aus, Kabeldiebe hatten Hunderte von Kupferkabeln abgeschnitten und mitgenommen. Archivfoto: Ketteritzsch

Kaufungen / Helsa. Die Strategie der Kasseler Verkehrsbetriebe (KVG) im Kampf gegen Kabeldiebe geht auf. Das legen Spuren nahe, auf die Mitarbeiter jetzt bei einer Streckenbegehung der Lossetalbahn gestoßen sind. Am Mittwochabend schnappte die Polizei außerdem einen mutmaßlichen Täter.

Einem aufmerksamen Zeugen ist es zu verdanken, dass die Polizei am Mittwochabend den Mann festnehmen konnte. Es handelt sich um einen 43-Jährigen aus Kaufungen.

Der Zeuge, ein 40-jähriger Lastwagenfahrer aus Schmiedeberg (Kreis Sächsische Schweiz), hatte an der Leipziger Straße gerastet. Gegen 20.50 Uhr hörte er von den nahe gelegenen Gleisen verdächtige Geräusche. Der Fahrer stieg aus seinem Wagen und lief zu den Schienen. Dort sah er, wie sich ein Mann mit einer blauen Baseballkappe an den Schienen zu schaffen machte. Der Fahrer informierte über den Notruf 110 die Polizei.

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Wenig später traf ein Streifenwagen des Reviers Kassel-Ost ein. Der Verdächtige hatte sich in der Zwischenzeit vom Tatort entfernt und war zu Fuß stadtauswärts geflüchtet. Der Zeuge hatte ihn jedoch dabei beobachtet. Mit seiner Hilfe gelang es den Beamten schließlich, den Verdächtigen unweit des Tatorts am Gleisbett der Lossetalbahn an der Leipziger Straße festzunehmen.

Der 43-Jährige leistete keinen Widerstand. Den Polizisten erklärte er, dass sich in seiner Tasche ein gestohlenes Kabel befinde. Tatsächlich stießen die Beamten auf ein zehn Kilogramm schweres isoliertes Kabel. Es diente der Erdung und war zwischen den Schienen befestigt.

Außer dem Kabel stellten die Streifenbeamten als Tatwerkzeuge einen Bolzenschneider und zwei Schraubendreher sicher.

Der 43-Jährige stand merklich unter Alkoholeinfluss, ein freiwilliger Alkoholtest ergab 1,28 Promille. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung in Kaufungen wurden keine weiteren Beweismittel gefunden.

Ob der 43-Jährige auch für die zurückliegenden Kabeldiebstähle an der Lossetalbahn verantwortlich ist, muss noch ermittelt werden. Der Kaufunger äußerte sich dazu in einer ersten Vernehmung nicht.

Artikel aktualisiert um 14.15 Uhr.

Zuvor hatten Mitarbeiter der KVG bei einer Weichenkontrolle ein Verbindungskabel zwischen zwei Schienen gefunden, das zwar einseitig abgeschnitten, aber nicht herausgetrennt war. Die Diebe hatten vermutlich bemerkt, dass das Kabel kein reines – und damit wertvolles – Kupfer enthielt.

Wegen der zunehmenden Kabeldiebstähle hatte die KVG begonnen, kupferhaltige Leitungen durch Kabel mit verschmutztem Aluminium zu ersetzen, die einen wesentlich niedrigeren Materialwert haben. Außerdem sind die neuen Kabel gekennzeichnet.

Zuletzt hatten Kupferdiebe im April an der Lossetalbahn zugeschlagen und 500 bis 1000 Erdungskabel mit Kupferkern abgebaut. Die 1,5 Meter langen Leitungen verbinden Bahnschienen miteinander und sorgen so für einen stabileren Rückfluss des Stroms von der Oberleitung über die Bahn zur Schiene.

Leitungen aus Kupfer sind dafür aber nicht nötig – Pech für die Diebe, Glück für die Fahrgäste der Tramlinie 4. Diesmal mussten sie nicht auf Ersatzbusse umsteigen.

Die Täter sind noch nicht gefunden, sagte Polizeisprecherin Sabine Knüll auf Anfrage. Die Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen, sondern laufen weiter. (hog)

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