Bio-Gemüse: Kommune Niederkaufungen mit Selbstabholer-System erfolgreich

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Biogemüse für Abholer: Maike Stetzka (Rote Rübe, von links), Jürgen Hassemeier (Wurzelwerk), Christine Rüther (Rote Rübe), Petra Walter (Wurzelwerk) und Harald Weinel (Rote Rübe) zeigen, wie gut es im Foliengewächshaus schon wieder grünt.

Kaufungen / Kassel. Jeden Freitag schließt ein Anwohner im Kasseler Stadtteil Brasselsberg seine Garage auf. Nicht um sein Auto herauszuholen, sondern um sich mit Gurken, Salat, Kohl oder Kräutern einzudecken.

Die Garage ist eine der Abholstellen für frisches Biogemüse, das man im Abonnement buchen kann. Eine Ladentheke wie im Bioladen gibt es hier nicht. Die Abholer bedienen sich selbst aus Kisten und nehmen sich, so viel sie brauchen. Ab 52 Euro pro Monat ist man dabei.

Seit einem Jahr betreibt die „Rote Rübe“, der Gemüsebaubetrieb der Kommune Niederkaufungen, mit der zertifizierten Bio-Gärtnerei „Wurzelwerk“ aus Escherode (Gemeinde Staufenberg) erfolgreich ein Abholsystem für vegetarische Kost, das unter dem Stichwort „Solidarische Landwirtschaft“ firmiert: Kunden und Erzeuger setzen sich an einen Tisch, um Angebot und Nachfrage nach Gemüse gemeinschaftlich zu regeln, mit wenig Verwaltungsaufwand und zu transparenten Preisen.

Dabei legen die Gärtner alle Karten vor ihren Kunden auf den Tisch: Die Konsumenten erfahren, was sich die Erzeuger an Lohn genehmigen und was die Aufzucht von Paprika, Tomaten und Gurken im Gewächshaus kostet. Die Gesamtkosten werden in Anteile aufgesplittet, die während einer Bieterrunde an die Teilnehmer der Abholgemeinschaft verkauft werden.

170 Anteile haben die Gärtner vergangenes Jahr an die Frau und den Mann gebracht. Rund 250 Kunden versorgen sie bereits. Und es ist noch Luft nach oben. Voll ausgelastet sind der Gemüsebaubetrieb und die Gärtnerei in Escherode noch nicht. „Wir arbeiten nicht gewinnorientiert“, sagt Dr. Christine Rüther von der Kommune Niederkaufungen. Es müssten nur die laufenden Kosten und ein bescheidener Lohn für die Arbeit vergütet werden. Auch Kunden mit schmalem Geldbeutel kämen zum Zug, da die Wohlhabenderen des Abhol-Kreises auch mehrere Abo-Anteile kauften, ergänzt ihre Kollegin Petra Walter von der Gärtnerei Wurzelwerk: „Unser Anliegen ist, dass sich alle Bio leisten können.“ Rüther sieht noch weitere Vorteile des Abholsystems. „Wir brauchen keine Verpackungen, wir verschwenden wenig Energie für den Transport, und es wird kaum Gemüse weggeworfen“, sagt sie. Möglich wird das durch die engen Absprachen zwischen Erzeugern und Konsumenten: Sie treffen sich regelmäßig, um festzulegen, was angebaut werden soll.

So wird genau für den Bedarf produziert. Krumme Gurken oder verschnörkelte Möhren bleiben bei den Abnehmern – anders als im Supermarkt – keine Ladenhüter.

Gärtner Jürgen Hassemeier aus Escherode erntet frühmorgens und bringt das Gemüse sofort nach Kassel zu den Abholstellen. Dann schaut er in den „Kummerkasten“. „Bei Lob geht mein Herz auf“, sagt Hassemeier. Dieses Jahr wollen sich die solidarischen Gärtner auch etwas für den Winter einfallen lassen, wenn kaum etwas wächst. Da könnte Haltbares geliefert werden, wie eingelegte Gurken, Sauerkraut oder getrocknete Früchte.

Infoabend am Montag, 14. Mai, 19.30 Uhr im Vierjahreszeitenraum der Kommune Niederkaufungen, Kirchweg 1,

• Kontakt: Solidarische Landwirtschaft Kassel, Gemüsebaukollektiv Rote Rübe, Tel. 05 6 05/80 07 37, www.solawi-kassel.de

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