Wohl ältester zugelassener VW-Käfer steht in Simmershausen

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70 Jahre im Einsatz: Der Gold- und Silberschmied Otto Weymann (75) aus Simmershausen mit seinem 1942 zugelassenen Käfer, der angelassen oder (wie auf unserem Foto) angekurbelt werden kann.

Fuldatal. Er läuft und läuft und läuft und läuft. Der Käfer von Otto Weymann aus Simmershausen macht dem Werbeslogan von VW aus den 60er-Jahren alle Ehre, obwohl er bereits 1942 gebaut wurde. Inzwischen gilt er als das älteste zugelassene Exemplar.

Otto Weymann freut sich bereits auf das 80-jährige Bestehen der Silberschmiede in Simmershausen am 1. Oktober. Sie wurde von seinem Vater gegründet und wird inzwischen von Tochter Stefanie geführt. Morgen wird nun erst mal der 70. Geburtstag des Käfers gefeiert. Eine Kasseler Produktionsfirma hat bereits ein Video darüber gedreht.

Am 20. Mai 1942 ging der Käfer von Wolfsburg an das Heereszeugamt in der Artilleriestraße in Kassel. „Am nächsten Tag kam er zur Luftwaffe. Dort fuhr ihn der Standortkommandant des Flughafens München-Riem“, berichtet Otto Weymann.

Ältester noch zugelassener Käfer der Welt

Im Mai 1945 wurde das Fahrzeug beschlagnahmt und als Besatzungswagen genutzt. Im Anschluss kam er in die Hände eines Spenglermeisters und eines Barmusikers. Der dritte private Besitzer, ein städtischer Veterinärrat, ließ den Wagen segnen. Ein Kollege, der ihn übernahm, verkaufte ihn später in München an einen Schlachtermeister.

Von ihm erstand Otto Weymann den Wagen im Jahr 1975. „Ich musste 2700 D-Mark statt 600 D-Mark dafür zahlen, weil ich zuvor das erste europäische Käfer-Treffen organisiert hatte“, erinnert er sich. Es fand im Weidenbergstadion in Simmershausen mit 57 Fahrzeugen statt. Danach galten die bis März 1953 gebauten Käfer ebenfalls als Veteranen. „Die Bezeichnung Brezelkäfer aufgrund der geteilten Rückscheibe kam aber erst später auf“, ergänzt Otto Weymann.

Zum 65. Geburtstag schickte er seinen Käfer nicht in Rente, sondern unternahm mit ihm eine 22 Tage dauernde Zuverlässigkeitsfahrt bis zum Nordkap. An der Reise von 7000 Kilometern nahm ein Fernsehteam teil. „Er hat mit Sicherheit mehr als 700 000 Kilometer runter“, meint Otto Weymann, der sein Fahrzeug im Winter im Technikmuseum in Kassel-Rothenditmold ausstellt. „Allein der Austauschmotor von 1955 ist 400 000 Kilometer gelaufen. Ich bin davon in den letzten 37 Jahren 70 000 Kilometer gefahren“, sagt er. Auch mit dem TÜV, der ab 1951 Pflicht war, gab es dank guter Wartung keine ernsthaften Probleme.

Dass die automobile Biografie, die er mit Unterstützung des Technikmuseums herausgebracht hat, bereits vergriffen ist, bedauert Otto Weymann. Vielleicht finde sich ja ein Sponsor für eine weitere Auflage, meint der 75-Jährige. Derzeit beschäftigt er sich mit seiner Familiengeschichte. „Da gibt es viele lustige Vorkommnisse zu berichten.“

Hintergrund

Start als KdF-Wagen für das Volk

Unter der Bezeichnung KdF-Wagen rief die nationalsozialistische Organisation Kraft durch Freude ein erschwingliches Fahrzeug für die Bevölkerung ins Leben. Den Entwurf dafür lieferte Ferdinand Porsche. 21,5 Millionen Exemplare des Volkswagens wurden zwischen 1938 und 2003 verkauft. Ab 1965 wurde er von VW auch offiziell als Käfer bezeichnet. Er war bis 2002 das meistverkaufte Fahrzeug der Welt, bis er schließlich vom VW Golf überholt wurde. Der Käfer von Otto Weymann ist nicht restauriert, er wurde noch mit der stabilen Bodenplatte eines Kübelwagens gebaut. 1975 und 2007 wurde er mit Mattlack in Fliegergrau nachlackiert. Er hat eine 1,2-Liter-Maschine mit 24,5 PS und Seilzugbremsen. (pbw)

Von Bettina Wienecke

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