Land hält an Windparkplänen fest

Domänengelände am Sensenstein: Kontroverse um Windgeschwindigkeiten

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Rotor im Grünen: Am Sensenstein sollen sich bald Windräder drehen. Ob der Wind hier ausreichend weht, ist umstritten.

Niestetal. Die Hessische Landgesellschaft (HLG) hält an ihrem Vorhaben fest, auf landeseigenen Flächen der Domänenverwaltung am Sensenstein einen Windpark mit bis zu acht Rotoren zu errichten.

Das machte Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) in ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage des Niestetaler SPD-Landtagsabgeordneten Timon Gremmels deutlich. Das Land Hessen ist Mehrheitsgesellschafter der HLG.

Hintergrund der Anfrage ist eine Kontroverse um die am Sensenstein zu erwartenden Windgeschwindigkeiten. Während die HLG von ausreichenden Windstärken für einen wirtschaftlichen Betrieb ausgeht, bezweifeln dies Kritiker des Standorts wie Gremmels.

Die Domänenflächen am Sensenstein in den Gemarkungen von Heiligenrode, Nieste und Oberkaufungen waren in den Regionalplänen der Jahre 2000 und 2009 als Windvorrangflächen ausgewiesen. Im Entwurf des aktuellen Regionalplanentwurfs, der im kommenden Jahr beschlossen werden soll, sind die Flächen nicht mehr verzeichnet. Grund ist, dass das Land die Mindestwindgeschwindigkeit zwischenzeitlich auf 5,75 Meter pro Sekunde in 140 Meter Höhe heraufgesetzt hat.

Puttrich weist darauf hin, dass es sich bei dem landesweiten Windgutachten des TÜV Süd, der vom Land mit der Expertise beauftragt wurde, nicht um Messungen, sondern um eine mathematische Modellrechnung mit örtlich beschränkter Aussagekraft handele. Das Regierungspräsidium (RP) Kassel als Genehmigungsbehörde habe daher die Überprüfung von Standorten ausdrücklich zugelassen.

Die Städtischen Werke hatten im vergangenen Jahr einen Messmast in der Nähe des Sensensteins am Gut Windhausen aufgestellt. Fazit der Werke nach zwölf Monaten: Ein wirtschaftlicher Betrieb ist hier nicht möglich. Die Werke stoppten ihre Pläne für einen Windpark westlich des Sensensteins, auch die Gemeinden Nieste und Kaufungen zogen eigene Pläne zurück.

Anders die HLG. Sie holte im Jahr 2011 in einem beschränkten Interessenbekundungsverfahren Angebote von Investoren ein. Mit einem Investor seien bereits, so Puttrich, Vereinbarungen in Form eines Nutzungsvertrages für die Errichtung und den Betrieb von Windkraftanlagen getroffen worden. Der Investor habe ein Wind- und Energiegutachten erstellen lassen, das durch das Fraunhoferinstitut Iwes geprüft wurde. Damit seien die Vorgaben des RP erfüllt, so Puttrich weiter. Die HLG gehe davon aus, dass die betroffenen Flächen in den neuen Regionalplan Windkraft aufgenommen werden.

Landtagsabgeordneter Gremmels kritisiert die Haltung des Landes und bezeichnet das Vorgehen als einen „mehr als seltsamen Vorgang. Die Umweltministerin traut einem von ihr in Auftrag gegebenen Windgutachten, das sie zur Grundlage der Windenergieplanung in ganz Hessen gemacht hat, für ihre eigenen Flächen nicht und lässt es durch eine Alternativberechnung widerlegen.“ Gremmels fordert die Ministerin auf, von den Windkraftplänen auf dem Domänenareal Abstand zu nehmen. „Wir haben im Kaufunger Wald und der Söhre genügend Windkraftlächen in der Planung“, so der Abgeordnete.

                        

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