Nach Raubüberfall auf Rentner

Zwei Angeklagte müssen sich verantworten

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Schauenburg/Kassel. Mit einer bösen Überraschung begann ein Tag im Juni 2012 für einen heute 71-Jährigen in Elgershausen: Kurz nachdem er aufgestanden war, hörte er ein Klirren. Plötzlich standen zwei maskierte Männer vor ihm.

„Dich machen wir platt!“, rief der eine und verpasste dem Senior einen Schlag, so dass er bewusstlos zu Boden ging. „Als ich zu mir kam, lag ich in einer Blutlache.“ Die beiden Eindringlinge, ein 24-Jähriger und ein 26-Jähriger sitzen seit Dienstag auf der Anklagebank des Kasseler Landgerichts, wo sie sich wegen Raubes sowie wegen Körperverletzung verantworten müssen.

Die beiden gestanden am ersten Verhandlungstag. Sie waren am Vorabend gemeinsam trinken und spielen gegangen. „Wir unterhielten uns darüber, wie wir auf die Schnelle Geld machen könnten“, sagte der 24-Jährige vor Gericht. Er kannte den 71-Jährigen, wusste, „dass bei ihm etwas zu holen ist“. Gemeinsam mit seinen Eltern hatte er öfter auf dem Grundstück des früheren Transportunternehmers Gartenarbeiten erledigt.

Der 26-Jährige holte, nachdem der Überfall vereinbart worden war, zu Hause Handschuhe und T-Shirts, die als Masken dienen sollten. So ausstaffiert stiegen die beiden in ein Taxi, dass sie zum Haus des späteren Opfers brachte.

Dort kletterten sie auf einen Balkon und warfen mit einem Stein eine Fensterscheibe ein. Als ihm er Hausbesitzer entgegen kam, „wusste ich nicht, was ich tun sollte“, erinnerte sich der 26-Jährige.

Er habe ihm kurzerhand einen Faustschlag versetzt. Der 71-Jährige gab vor Gericht an, er sei „mit einem Stück Eisen“ geschlagen worden. Jedenfalls habe er, kurz bevor er zu Boden ging, einen Gegenstand in der Hand des 26-Jährigen wahrgenommen. „Vielleicht ein Teil des Kaminbestecks“, vermutete er. An mehr kann er sich nicht erinnern.

Der Hausbesitzer trug außer einer stark blutenden Verletzung im Gesicht den Bruch eines Sprunggelenks am Fuß davon. Seine Seele scheint den Vorfall gut verkraftet zu haben, jedenfalls verneinte der die Frage des Vorsitzenden Richters nach psychischen Folgen. Freilich zeigte er sich enttäuscht über den 24-Jährigen: „Ich hätte ihm nicht zugetraut, dass er sowas macht.“

Der 26-Jährige bestritt, mit einem Gegenstand zugeschlagen zu haben. „Wir hatten keine Eisenstange dabei!“ Das beteuerte er am Dienstag, gab sich reuig und versicherte: „Das mache ich nicht wieder, es tut mir leid.“ Er habe sich zu der Tat hinreißen lassen, weil er mit seinem Arbeitslosengeld nicht zurecht gekommen sei, da er Schulden gehabt und Geld für Drogen gebraucht habe. Vor dem Raubüberfall hatte er nicht nur Alkohol getrunken, sondern auch „Gras geraucht“.

Wie stark dies seine Steuerungsfähigkeit beeinflusst haben könnte, wird ein Sachverständigengutachten klären. Freitag wird der Prozess vor der 5. Kammer fortgesetzt, ein weitere Termin ist für 20. Februar geplant.

Die Beute des Einbruchs in Elgershausen war übrigens kaum etwas wert. Denn Geld fanden die mutmaßlichen Täter in der Wohnung des 71-jährigen Opfers nicht.

Das Duo musste mit zwei alten Fotoapparaten, die sich später als wertlos herausstellten, und einem Luftgewehr vorlieb nehmen. (pas)

Von Ralf Pasch

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