Landkreis startet Fachwerkbörse - Immobiliensuche läuft

Viele Fachwerkhäuser stehen leer: Dieses von Karl Batz steht in der Leipziger Straße in Oberkaufungen.

Kreis Kassel. Was tun mit den schönen Häusern, wenn die jungen Menschen in die Stadt ziehen und die Alten sterben? Der Landkreis Kassel reagiert auf dieses Problem mit einer Fachwerkbörse.

Wenn der historische Ortskern aus leer stehenden Häusern besteht, der letzte Bäcker schließt und eine schlechte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr den Weg zur nächsten Stadt erschwert, dann nimmt die Lebensqualität in der ländlichen Region für Jung und Alt rapide ab. Hinzu kommt, dass die Gesellschaft immer älter wird und zugleich an Bevölkerung abnimmt - auf die Jungen muss gesetzt werden.

Der Landkreis reagiert auf den demografischen Wandel mit einem umfassenden Internetangebot - ein Teil davon ist eine Fachwerkbörse, die eine Antwort auf den Leerstand in der ländichen Region geben will. Die Internetseite werde im Laufe des Septembers unter der Adresse www.landstaerken.de an den Start gehen, sagte Kreissprecher Harald Kühlborn auf HNA-Anfrage.

Börse informiert und berät

Info: Patricia Ruffini

Tel. 05671/ 8001 2452

Mail:  patricia.ruffini@landkreiskassel.de

Rund 650 Privathäuser und ehemals landwirtschaftliche Nebengebäude stehen im Landkreis Kassel derzeit leer, 150 allein im Altkreis, fasste Kühlborn zusammen. Die Fachwerkbörse solle informieren und beraten und Verkäufern von Fachwerkhäusern wie auch potenziellen Interessenten den Austausch erleichtern. Und: Ein kompakter Überblick über attraktive Fachwerkangebote im Kreis solle, so Landrat Uwe Schmidt (SPD), auch dem Gebäudeverfall zuvorkommen. „Das Ganze ist ein Baustein unseres Engagements zum Erhalt der Fachwerksubstanz in den Dörfern und Stadtteilen.“

„Orte in der Umgebung werden für junge Menschen immer unattraktiver.“

Je belebter ein Ort sei, desto interessanter werde er auch für die jungen Menschen, die einen großen Beitrag zur Zukunft der Dörfer leisten könnten. Derzeit beobachte man, dass „Orte in der Umgebung für junge Menschen immer unattraktiver“ werden, „deshalb ziehen sie weg“, sagte Peter Nissen vom Servicezentrum Regionalentwicklung beim jüngsten Treffen des Demografie-Dialogs, bei dem Vertreter aus Politik und Wirtschaft, Kommunen und Bürger gemeinsam über Auswirkungen des demografischen Wandels diskutieren.

Insgesamt nehme die Bevölkerungszahl ab - und die Zahl der leer stehenden Immobilien zu. Die Dauer des Leerstands orientiere sich, so Kühlborn, an der Höhe des Sanierungsaufwands und der Erreichbarkeit der Kommune, die von der Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr abhängt.

Aktuell ruft der Landkreis Eigentümer von Fachwerkimmobilien auf, sich zu melden und ihr Haus in Wort und Bild vorzustellen. Bisher umfasse das Immobilienangebot der Börse 20 Angebote. Der Weg zum Inserat sei unkompliziert, so der Landrat: „Wir haben einen einfach zu handhabenden Aufnahmebogen entwickelt, mit dem die Grunddaten des Objekts erfasst werden - mit aussagefähigen Fotos kann die Börse mit Leben erfüllt werden.“ Neben Informationen zu Immobilienverkauf und Ankauf von Häusern werde die Internetseite auch auf Finanzierungsmöglichkeiten und Hilfestellungen eingehen. Direkte Verlinkungen sollen zu den Kooperationspartnern Kasseler Sparkasse und Kasseler Bank führen, die das Projekt unterstützen, so Patricia Ruffini von der Demografie-Agentur des Landkreises (siehe Hintergrund).

Entstanden ist die Idee mit dem Internetangebot aus den regelmäßigen Treffen zum Demografie-Dialog. Neben der Reflektion aktueller Entwicklungen des demografischen Wandels geht es hier darum, konkrete Lösungen zu erarbeiten - gemeinsam für den Erhalt der Dörfer.

Von Anna Lischper

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