SPD im Landkreis Kassel vergreist: Genossen im Schnitt 64 Jahre alt

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Partei der Senioren: Die Mitglieder der Kreis-SPD sind im Schnitt 64 Jahre alt. Für junge Menschen ist die Partei uninteressant. Lediglich fünf Prozent der Mitglieder sind jünger als 35. Illustration:  Hermes/HNA

Kreis Kassel. In kaum einem anderen Landstrich in Deutschland ist die SPD so mächtig wie in Nordhessen. Auch wenn die Zeiten vorbei sind, in denen selbst ein rot angestrichener Besenstiel gewählt worden wäre: In zehn der 13 Kommunen im Altkreis Kassel stellen die Genossen gegenwärtig den Bürgermeister.

Und mancherorts haben die Sozialdemokraten noch immer die absolute Mehrheit in den Parlamenten: In Baunatal, wo der SPD-Bezirksvorsitzende Manfred Schaub auf dem Chefsessel im Rathaus sitzt, ist dies beispielsweise der Fall (63,2 Prozent bei der Kommunalwahl 2011), in Niestetal (56,1 Prozent), aber auch in kleinen Gemeinden wie Söhrewald (63,4 Prozent) und Helsa (55,3 Prozent).

Und dann ist da noch der Sonderfall Nieste: Dort kamen die Genossen bei der letzten Kommunalwahl sogar auf 100 Prozent der Stimmen - die CDU war in der SPD-Musterkommune nicht mehr angetreten. Die Situation der Partei mutet also komfortabel an. Dies suggeriert auch ein erster flüchtiger Blick auf die Mitgliederzahlen.

Nach einem beim jüngsten Kreisparteitag in Kaufungen vorgelegten Bericht hatten Ende vergangenen Jahres 5033 Männer und Frauen im Landkreis Kassel das Parteibuch der Genossen - 140 weniger als Ende 2012. Doch spätestens der Blick auf die Altersstruktur der Mitglieder lässt die Situation der heimischen SPD in einem anderen, ausgesprochen problematischen Licht erscheinen. Der Grund: Der überwiegende Teil der Genossen zählt zu den älteren Semestern.

Der Durchschnittsgenosse ist mittlerweile 64 Jahre alt. Insgesamt sind 64,27 Prozent der Mitglieder (3235 Personen) dem Bericht des Unterbezirks Kassel-Land zufolge 61 Jahre alt und älter.

30,54 Prozent der Mitglieder (1537 Personen) sind zwischen 35 und 60 Jahren alt. Doch die für die Zukunft der Partei dramatischste Zahl betrifft den politischen Nachwuchs. Nur 5,19 Prozent der SPD-Mitglieder im Landkreis Kassel sind jünger als 35 Jahre. Dass die SPD zwischen Bad Karlshafen und Baunatal stark überaltert ist, wird auch an den Aussagen zu den Berufen der Mitglieder deutlich: An erster Stelle stehen laut parteiinternen Angaben Rentner und Pensionäre. Auch wer sich die Gründe für den Mitgliederverlust im Jahr 2013 anschaut, begegnet schnell dem Thema Überalterung. Von den 207 Personen, die die Partei 2013 verlor, traten 53 (25,6 Prozent) aus. Bei den übrigen 154 (74,4 Prozent) erlosch die Mitgliedschaft durch den Tod.

Von Peter Ketteritzsch

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