"Ökologisch und ökonomisch sinnvoller"

Landkreis will weiter gelbe Säcke abschaffen

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Das große Geschäft mit gelben Säcken: Die Bundesregierung will ein neues Abfallgesetz auf den Weg bringen, mit dem die Entsorgung von Verpackungsmüll geregelt wird. Der Landkreis Kassel spricht sich für die Abschaffung der gelben Säcke und eine graue Wertstofftonne aus. Foto: dpa

Kreis Kassel. Der Landkreis Kassel setzt sich weiter dafür ein, die gelben Säcke abzuschaffen. Statt dessen soll der Verpackungsmüll mit in die Tonne für Hausabfälle wandern.

Kommen beim Thema Müll Zahlen auf den Tisch, wird dem unbeteiligten Zuhörer schnell schwindelig. Beispiel duales System, das die Entsorgung des Verpackungsabfalls regelt. Hier werden jährlich bundesweit eine Milliarde Euro umgesetzt. Der Anfall des Verpackungsmülls summiert sich in zwölf Monaten auf 120.000 Tonnen. Davon landet aber nur ein Drittel in den gelben Säcken. Der Rest wandert mit dem üblichen Hausmüll in die graue Tonne, wo er später aussortiert werden muss.

Dass sich hier schnell etwas tun wird, glaubt Selbert indes nicht. Die Bundesregierung wolle im Herbst die inzwischen siebte Novelle des Wertstoffgesetzes vorlegen und eine weitere Tonne für Plastikabfall einführen. Doch, so sagt Selbert: „Allein, dass es die siebte Novelle ist, zeigt, wie schwer man sich in Sachen Abfallentsorgung tut.“

Dabei ist man sich beim Landkreis Kassel einig, dass es ökologisch und ökonomisch sinnvoller sei, Plastikabfall mit in der grauen Tonne für Hausmüll zu entsorgen. Das haben auch wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen, wie Uwe Pietsch, Leiter des Eigenbetriebs Abfallentsorgung beim Landkreis Kassel, sagt. Mittlerweile, so sei wissenschaftlich belegt, könne der Verpackungs- und Plastikmüll bedenkenlos in eine graue Wertstofftonne wandern.

Moderne Infrarottechnik garantiere, so sagt Pietsch, dass die Auslese an Kunststoff aus dem Restmüll höher ausfalle, als die vom Gesetzgeber vorgegebenen Mengen. Zudem werde der Bürger mit einer Tonne für Haus- und Plastikabfall eher animiert, auf Müllvermeidung zu setzen. Gelbe Säcke seien in unbegrenzter Zahl zu haben, spielt Vizelandrätin Selbert hier auf den ökologischen Vorteil einer grauen Wertstofftonne an.

Unter diesen Umständen hoffen die Verantwortlichen beim Landkreis, dass mit der Gesetzesnovelle zwar Verwertungsquoten vorgegeben werden, es aber Kommunen selbst überlassen bleibt, wie sie diese Richtwerte erreichen.

Vor Herbst/Winter 2014 ist nach Überzeugung Selberts kaum damit zu rechnen, dass die angekündigte Gesetzesnovelle des Wertstoffgesetzes von der Bundesregierung auf den Weg gebracht wird. Im nächsten Jahr könnte das Gesetz dann verabschiedet werden.

Von Peter Kilian

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