"Nie Befürworter gewesen"

Landrat gegen Windpark Sensenstein

UweSchmidt

Kreis Kassel. Der Kasseler Landrat Uwe Schmidt kritisiert die Pläne für den Windpark am Sensenstein. Das Verfahren sei nicht transparent, Bürgerbedenken müssten ernst genommen werden.

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Landrat Uwe Schmidt (SPD) hat die Darstellung aus dem hessischen Umweltministerium zurückgewiesen, die Nachbarkommunen und der Kreis Kassel hätten sich anfangs zu Plänen für einen Windpark am Sensenstein positiv geäußert. „Die Kommunen rund um den Sensenstein waren nie Befürworter der Pläne der Hessischen Landgesellschaft (HLG) für den Windpark Sensenstein und sie sind es auch jetzt nicht“, stellt Schmidt in einer Pressemitteilung klar.

Man habe immer erklärt, dass die Pläne der HLG gegen die Vorgaben des Landes für Windkraftparks verstoßen und deshalb auch nicht unterstützt werden, betont der Landrat. Es könne nicht sein, dass für eine hundertprozentige Tochter des Landes andere Regeln gelten als für alle anderen.

„Die Kommunen und wir sind daran interessiert, dass sich die Bürger an Windkraftprojekten beteiligen und dass regionale Wertschöpfung ermöglicht wird.“ Die bisherigen Erfahrungen mit der Informationspolitik der HLG seien nicht geeignet, großes Vertrauen in eine transparente Bürgerbeteiligung zu setzen. „Wer noch nicht einmal den ausgewählten Investor nennt, muss sich über Vorbehalte nicht wundern“, so der Landrat weiter.

Schmidt erinnert daran, dass die Städtischen Werke Kassel von einem Windpark am Sensenstein Abstand genommen hatten, weil eine einjährige Messung belegt hatte, dass ein wirtschaftlicher Betrieb dort nicht möglich sein würde.

Weiter zurückliegende Pläne aus den frühen 90er-Jahren, als eine kreiseigene Gesellschaft zusammen mit der alten EAM an diesem Standort über Windkraftnutzung nachgedacht hatte, seien ebenfalls an zu geringen Windwerten gescheitert.

Schutzraum für Rotmilan

Wie der unbekannte Investor jetzt zu anderen Ergebnissen komme, sei „nicht ohne weiteres nachvollziehbar“, Landrat Schmidt. Fest stehe, dass für das neue Gutachten keine örtlichen Messungen vorgenommen wurden.

Auch von anderer Seite drohe den Windkraftplänen am Sensenstein Ungemach, meint der Landrat. „Der Landkreis Göttingen stellt zurzeit ein Windkraftkonzept auf, das ähnlich konzipiert ist wie der Teilplan Energie des Regionalplans auf nordhessischer Seite.“ Westlich des Sensensteins reiche ein niedersächsischer Rotmilan-Schutzraum in das Gebiet des geplanten Windparks hinein. „Da sich der Rotmilan nicht an Landesgrenzen hält, weiß ich nicht, wie die HLG diese naturschutzfachliche Hürde umgehen will“, so Schmidt.

Grundsätzlich sei die Energiewende nicht ohne leistungsfähige Windparks auch in Nordhessen und im Landkreis Kassel möglich, schreibt der Landrat weiter. Allerdings müsse man die berechtigten Kritikpunkte der Bürger ernst nehmen und gemeinsam in einem transparenten Prozess Standorte herausarbeiten. Dies sei bei der Bürgerbeteiligung zum neuen Regionalplan im Februar 2015 vorgesehen. (hog)

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